Inside Scofield – Film- Doku von Joerg Steineck

Wenige Jazzmusiker der Gegenwart sind so originell und vielseitig wie der US-amerikanische Gitarrist John Scofield. In seiner seit nunmehr gut 50 Jahre umspannenden Karriere hat er mit vielen Jazz-Legenden wie Miles Davis, Charles Mingus, Gerry Mulligan, Joe Henderson und Chet Baker zusammengespielt und dabei seinen eigenen einzigartigen Stil entwickelt. Der deutsche Filmemacher und Visual Artist Joerg Steineck hat einen Film über den Musiker gemacht, der seit dem 2. Dezember als DVD erhältlich ist.

INSIDE SCOFIELD ist weniger ein traditionelles Biopic als vielmehr ein sensibles, authentisches Porträt über das Innenleben des selbst ernannten „Road Dog“, das einen intimen und persönlichen Einblick in das gewährt, was den Musiker bewegt und immer wieder antreibt. Der Film begleitet Scofield auf seiner Tournee durch die USA, zeigt ihn bei der Arbeit im Studio, unterwegs im Zug oder Tourbus, zu Hause, bei den Proben und auf der Bühne im Club oder Konzertsaal.

Statt Scofield zu interviewen, lässt Steineck den Gitarristen ohne Unterbrechung und Zwischenfragen selbst zu Wort kommen. Und der hat wahrlich viel zu erzählen. Mit dem Habitus und der Bedächtigkeit eines alten weisen Mannes am Lagerfeuer berichtet er über seine frühen musikalischen Inspirationen bis hin zu den Schwierigkeiten, eine 50-jährige Karriere in einer sich immer rascher wandelnden Welt aufrechtzuerhalten. Dabei stellt er sich selbst nie in den Vordergrund, nennt gerne die Namen all jener, die ihm auf der Tournee helfen und ihn unterstützen. 

Scofield philosophiert über Musik und seine lebenslange Liebe für sie. Und er spricht über die unsägliche Covid-Pandemie ihn und die Menschen in seinem Umfeld beeinflusst hat. Lebhaft wird der ruhige Künstler, wenn er über sein neues Quartett Combo 66 spricht; lobt Talent und Virtuosität seiner Musiker. Mit Wehmut beklagt er, dass viele Clubs in Greenwich Village, in denen er einst als junger Mann Musiker wie Jimi Reed, Muddy Waters und Jimi Hendrix erlebte, längst trendy shops und Büros gewichen sind.

Musiker, die selbst sehr oft unterwegs sind, dürften sich unschwer in den Szenen wiederfinden, die die intensiven Beziehungen zeigen, die sich in der Band während der Tournee entwickeln, oder auch manche logistischen Probleme, die immer mal wieder auftauchen wie verloren gegangene Instrumente oder Gepäck. Aber auch die Einsamkeit, die durch das schier endlose Reisen entstehen kann, und vor allem der Spaß und die Freude an der Musik macht der Film in eindrucksvollen Bildern deutlich.

Scofield-Fans wird der Film schon deshalb gefallen, weil er noch einmal deutlich macht, was den Gitarristen zu einem einzigartigen und bedeutsamen Musiker macht. Einer, dem es vor allem darauf ankommt, Ideen mit anderen Musikern auszutauschen und diese Ideen mit dem Publikum zu teilen. Auf dem Weg zu diesem Ziel kommen viele langjährigen Freunde und Musiker zu Wort, unter ihnen Joe Lovano, Steve Swallow, John Clearly, Bill Evans und Dave Hollands sowie die Gitarristen Bill Frisell, Mike Stern und Pat Metheny. Mit seinem Statement, Scofield gehe es in seiner Musik vor allem um die Wahrheit, bringt Metheny die Sache auf den Punkt.    

Was wäre ein Film über einen Musiker ohne seine Musik. Die musikalischen Passagen bilden das auffälligste Element in dieser exzellenten Dokumentation, die auch visuell ohne Abstriche überzeugt. Sie beweisen einmal mehr, dass der 70-Jährige noch längst nicht zum alten Eisen gehört, sondern besser denn je spielt. Die Konzertausschnitte und Proben zeigen einen Scofield, der sich mit der unverwechselbaren musikalischen Stimme, die er im Laufe seiner langen Karriere gefunden hat, sicht- und hörbar wohlfühlt. Seine verwinkelten Post-Bop-Linien, die in fetten Blueslicks enden und voller Überraschungen stecken, machen deutlich, warum John Scofield neben Bill Frisell und Pat Metheny zu Recht zum Bunde der „Big Three“ zählt.

INSIDE SCOFIELD ist ein willkommenes Muss für jeden Scofield-Fan und alle, die den Maestro besser kennenlernen möchten. Es ist zu hoffen, dass dieser Film im kommenden Jahr seinen Weg in die Kinos und zu einem breiteren Publikum finden möge.

Inside John Scofield-Filmpremiere – Jazz-Forum Special-Filmpremiere

Dienstag 13.12.2022 um 19:00 Uhr

domicil – Hansastraße 7-1144137 Dortmund

Über den Regisseur Joerg Steineck

Standardbild
Hans Kaltwasser
Artikel: 373

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