Die Albumkritik – Niedeckens BAP Zeitreise – Live im Sartory 

Livealben entstehen üblicherweise nach den Tourneen. Niedeckens BAP scheren sich nicht um diese branchenübliche Marketinglogik und veröffentlichen ihr neues Album ZEITREISE / LIVE IM SARTORY ein gutes halbes Jahr vor ihrer Tournee, die Ende Oktober dieses Jahres startet.

Das Album erscheint auf Vinyl & CDs und umfasst vier Schallplatten oder drei CDs mit insgesamt 30 Songs, die an vier Abenden im Dezember 2023 in den altehrwürdigen Kölner Sartory Sälen mitgeschnitten wurden. Für Fans, die den rasanten Aufstieg von BAP miterlebten, gewiss ein magischer Ort, weil die Band hier zwischen 1980 und 1984 ihre meisten Konzerte gab. 

Das erste Stücke ist „Koot vüür Aach“; die Band hat es noch nie live gespielt. Sparsame Pianoakkorde am Anfang, anstelle der Mundharmonika des Originals bläst dann ein zaghaftes, fast schwermütiges Saxofon, bevor der Song an Fahrt gewinnt und schließlich explodiert. Niedecken singt von den wechselnden Gefühlen des Musikers vor und während eines Auftritts – eine höchst passende Eröffnung für die anschließende wunderbare Reise durch die Allzeitklassiker der Kölsch Rocker. Zu hören sind alle Songs der beiden Erfolgsalben „Für usszeschnigge!“ und „Vun drinne noh drusse“ wie „Ens em Vertraue“, „Müsli Man“, „10. Juni“, „Jraaduss“, „Jupp“, „Fuhl am Strand“ und natürlich „Verdamp lang her“, zu dem der voll besetzte Saal frenetisch im Takt klatscht. Dazu gibt es zwei gelungene Dylan Cover in Kölsch „Su ’ne Morje“ (One Too Many Mornings) und „Wie ne Stein“ (Like A Rolling Stone“) Der Rest stammt von den beiden Alben „Affjetaut“ und „Bess demnäxt“. Kein Song ist jünger als 40 Jahre.

Die Balance zwischen energetischen Rocksongs und eher leiseren, gefühlsbetonten Balladen stimmt. Zudem wurde der Kern der Gruppe um drei Bläser erweitert, was der Band gutgetan hat: Franz Johannes Goltz (pos), Axel Müller (sax) und Benny Brown (tp), die für neue Klangfarben sorgen und mit fetzigen Bläsersätzen bei Songs wie „Ne schöne Jrooß“ und „Frau, ich freu mich“ der Band ordentlich Schubkraft geben.

Niedeckens Charisma ist ungebrochen. Mit großer Ausdruckskraft trägt er lässig und immer im etwas vernuschelten Kölsch seine Lieder vor. Präzise, berührende Milieustudien wie „Jupp“, zärtliche Liebeslieder wie „Carmen“ und „Do kannst zaubre“, ätzende Spottsongs wie „Ne schöne Jrooß“ oder energetische Zornlieder wie „Kristallnaach“, das angesichts des aufflammenden Rechtsradikalismus nichts von seiner beklemmenden Aktualität verloren hat.  

An seiner Seite hat der Kölner zudem exzellente Musiker, allen voran Ulrich Rohde, der mit seinen von Blues und Rock inspiriertem virtuosen Gitarrensoli je nach Gefühlslage der Songs die atmosphärisch passenden Töne trifft. „Wahnsinn“, ein eher unbedarftes Popstück aus den 1960er-Jahren, verwandelt er mit seinem an Hendrix angelehnten Gitarrenspiel mühelos in ein kochendes Inferno: Erstklassige Gitarristen erkennt man vielleicht auch daran, dass sie aus mittelmäßigen Vorlagen etwas höchst Erfreuliches machen.

Mit ZEITREISE / LIVE IM SARTORY kehrt Niedeckens BAP zu ihren Anfängen zurück. Dennoch zelebriert hier keine fröhlich schunkelnde Oldieband ihre größten Erfolge.  Alle Stücke sind neu arrangiert, wirken ungemein frisch und zeigen doch unverkennbar die typische BAP-DNA. Das hat große Klasse! Wer eine Karte zu einem der fast ausverkauften 34 Konzerte ergattert hat, bekommt mit diesem Album einen Vorgeschmack auf das, worauf er sich freuen kann.

Für alle, die Niedeckens BAP live verpassen, weil es keine Tickets mehr gibt, ist ZEITREISE mindestens eine willkommene Entschädigung für den entgangenen Genuss eines Konzertes, das eine herausragende Band auf dem Höhepunkt ihres großartigen musikalischen Könnens zeigt.

VÖ: 26. April als Vinyl und CD beim Label: Vertigo/Universal

Zeitreise 81/82 live:

02.11.2024 Augsburg, Kongress im Park

03.11.2024 Heilbronn, Harmonie

05.11.2024 Reutlingen, Stadthalle (ausverkauft)

06.11.2024 München, Circus Krone (ausverkauft)

07.11.2024 Leipzig, Haus Auensee

09.11.2024 Berlin, Tempodrom

10.11.2024 Hannover, Kuppelsaal

11.11.2024 Bielefeld, Stadthalle

12.11.2024 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall

14.11.2024 Wuppertal, Historische Stadthalle (ausverkauft)

15.11.2024 Koblenz, CGM Arena

16.11.2024 Trier, SWT Arena

17.11.2024 Mannheim, Rosengarten (ausverkauft)

19.11.2024 Friedrichshafen, Graf Zeppelin Haus

20.11.2024 Zürich, Theater 11

22.11.2024 Karlsruhe, Schwarzwaldhalle

23.11.2024 Ulm, Congress Centrum

24.11.2024 Bochum, RuhrCongress

25.11.2024 Münster, Halle Münsterland

27.11.2024 Nürnberg, Meistersingerhalle

28.11.2024 Frankfurt a.M., Jahrhunderthalle (ausverkauft)

29.11.2024 Freiburg, Konzerthaus

30.11.2024 Stuttgart, Liederhalle (ausverkauft)

02.12.2024 Hamburg, Laieszhalle

03.12.2024 Hamburg, Laieszhalle

04.12.2024 Kiel, Wunderino Arena

06.12.2024 Bremen, Metropol Theater  (ausverkauft)

07.12.2024 Düren, Arena

08.12.2024 B-Sankt Vith, Triangel

09.12.2024 Wetzlar, Buderus Arena

12.12.2024 Köln, LANXESS Arena

13.12.2024 Köln, LANXESS Arena

Standardbild
Hans Kaltwasser
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