Schießstände, Glücksspiel und Co.: Der Ursprung des interaktiven Films

Der interaktive Film zählt heute zu einem der Spielgenres, die sich über wachsendes Interesse freuen dürfen. Mit Games wie Detroit: Become Human oder Life is Strange wurde bereits vor Jahren der Baustein für den großen Erfolg heutiger Spiele gelegt, allerdings liegen die Ursprünge des Genres deutlich weiter in der Vergangenheit. Wir widmen uns daher den technologischen und gestalterischen Vorgängern und was bis heute daraus geworden ist!

Schießbuden mit Leinwand

Schon bevor der erste Computer erfunden oder Videospiele Einzug in das tägliche Leben vieler Spieler genommen haben, finden wir die Anfänge des interaktiven Films. Medienwissenschaftler haben die ersten Ansätze des Genres bereits 1913 gefunden, als Schießbuden sich großer Beliebtheit erfreuten und mit großen Werbeplakaten angepriesen wurden. Einige der Schießbuden spielten dazu auf einer Leinwand einen Film ab, während Teilnehmer versuchen mussten, auf die bewegten Objekte, darunter Flugzeuge, Autos und wilde Tiere, zu schießen. Nach jedem Schuss, stoppte der Film und es konnte begutachtet werden, ob es einen Treffer gibt. 

Glücksspiel-Automat mit Filmsequenzen

Als Vorgänger gilt außerdem eine Glücksspiel-Technologie von Nintendo. Der EVR Race war eines der ersten Arcade-Spiele mit Filmfunktion. Dabei handelte es sich um nichts Weiteres, als einen Automaten für Pferderennen, bei dem Spieler raten konnten, welches Tier das Rennen gewinnt und dann bei einer zufällig gewählte Filmsequenz mit fiebern konnten. Das Spiel gilt damit als Pionier für das iGaming-Genre, das heute vorwiegend für seine Slots in Online Casinos beliebt ist. Entwicklerstudios wie NetEnt sind dafür bekannt, ihre Online Automaten mit hochwertigen Animationen auszustatten und oftmals auch mit einer kurzen Videosequenz zu starten oder diese bei Gewinnen abzuspielen. Mit dem interaktiven Film haben sie jedoch heute nicht mehr viel gemeinsam. Der EVR Race war für das Genre allerdings wegweisend, denn die Kombination aus – für damalige Verhältnisse – außergewöhnlich guter Grafik und Videosequenzen legte erste Bausteine für heutige Spiele. 

Die ersten Videospiele

Videospiel- und Filmtechniken treffen zum ersten Mal im Spiel Astro Belt aufeinander, in dem ein Film als Hintergrund genutzt wird, auf dem sich ein animiertes Raumschiff befindet, das von den Spielern gesteuert werden kann. Alle Filmsequenzen wurden dabei aus bekannten Serien und Filmen zusammengeschnitten, die im Weltall handeln. Erste Schritte in Richtung des heutigen Genres wurden mit dem Spiels Dragon’s Lair gesetzt.In dem Cartoon mussten Spieler immer wieder im richtigen Moment einen Knopf drücken, um die Handlung voranzutreiben oder zu verändern. Scheiterten sie daran, starb z. B. der Protagonist des Spiels. 1989 erschien mit Mean Streets der erste interaktive Film, wie wir ihn heute kennen. Dazu wurden Schauspieler mit Green-Screen-Technologien gefilmt und in ein die 3D-gerenderte Animation eingefügt. Spieler übernahmen darin die Rolle eines Detektiven, der verschiedene Verdächtige und Zeugen befragen musste, um einen kniffligen Fall zu lösen. Auch wenn die damaligen Grafiken und Technologien nicht mehr mit heute vergleichbar sind, hat das Spiel bereits relativ viele Gemeinsamkeiten mit heutigen Spielen wie Heavy Rain, Detroit: Become Human oder Life is Strange für die PlayStation oder den PC, in denen unterschiedliche Fragen, Antworten und Entscheidungen zu verschiedenen Spielausgängen führen können. 

Heute sind interaktive Filme ein großer Spieltrend geworden, denn viele Gamer wollen bei ihrem Lieblingshobby nicht nur Action erleben, sondern auch mitreißende Storys erzählt bekommen. Die Ursprünge gehen weit in die Vergangenheit zurück, denn bereits bei Schießbuden Anfang des 20. Jahrhunderts vermischten sich Film- und Spieltechnologien miteinander.  

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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