POP-Geschichte: 50 Jahre Dark Side of the Moon

Vor 50 Jahren erschien das Album DARK SIDE OF THE MOON der britischen Rockgruppe Pink Floyd. Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren stellt es alle anderen Konkurrenten in den Schatten, wie auch ebenso die späteren Alben der Band wie „Wish You Were Here“, „The Wall“ und „Animals“. Und dabei geht es nicht nur um die Verkaufszahlen. Kein Album hat sich länger in den Charts gehalten. Möglicherweise wäre es heute noch notiert, wäre es nicht Ende der 1980er Jahren aus der Wertung genommen worden. Verkauft wird es dessen ungeachtet noch immer mit rund einer Viertelmillionen Mal pro Jahr, von den millionenfachen Abrufen auf den diversen Streaming-Diensten einmal ganz abgesehen.

Worauf beruht der immense Erfolg des Albums? Den noch lebenden Bandmitgliedern ist dies wohl auch ein Rätsel. Bassist Roger Waters hat den vagen Verdacht, dass die schlichten Ideen und die ungewöhnliche, mit allerlei Sound-Kollagen angereicherte Musik des Albums die Gefühle der heranwachsenden jungen Generation und ihr Bedürfnis nach Sinngebung einer denaturierten Welt getroffen haben.

Konzeptuell kreist DARK SIDE OF THE MOON um weltmüde Betrachtungen über das Altern, korrupte anonyme Machtstrukturen, Stress und Entfremdung der Arbeitswelt, soziale Ungerechtigkeiten, Kriegswahnsinn und ein bisschen um die Antipsychiatrie des in den 1970er-Jahren populären schottischen Psychiaters Ronald D. Laing: „Who’s to say who’s mad and who isn’t?“, fragt Waters im Track „Brain Damages“. Hinter solchen Zweifeln an der Legitimation der Definitionsmacht der überkommenen Schulpsychiatrie stecken natürlich auch die leidvollen Erfahrungen Waters mit dem rapiden psychischen Verfall des charismatischen ehemaligen kreativen Kopfes der Band Syd Barrett, der vorzeitig die Gruppe verlassen musste und durch David Gilmore ersetzt wurde.

Die lyrische Grundstimmung des Albums ist von trauriger Akzeptanz geprägt. Dazu passte die Musik: DARK SIDE OF THE MOON: Das sind neun elegische und wunderbar melodische Songs, die wie ein einziger langer, resignierter Seufzer klingen. An anderer Stelle gelangt die emotionale Betroffenheit über die Unwirtlichkeit der Welt über einen milden Sarkasmus nicht hinaus, wie der Song „Money“ zeigt. Und selbst wenn sich das Album im Stück „Us and Them“ den Schrecken des Krieges zuwendet, ist der Ton eher melancholisch als wütend, wie Rick Wrights von schwermütigen Piano-Akkorden untermalten Crescendo zeigen.  

Eine wahre audiophile Offenbarung war das Album für alle, die es über Kopfhörer hörten. Für die Aufnahmen wurde modernste Studiotechnik verwendet. Vielen Songs sind Soundeffekte, Stimmen und Sprachfetzen beigemischt, die unverständliche Botschaften verkünden. Man hört einen Herzschlag, der immer lauter pulsiert, eilige Schritte, dröhnende Hubschrauber, die von einem Ohr zum anderen wandern, eine leise tickende Uhr, die wenig später in eine ohrenbetäubende Kakofonie von Alarm schlagenden Weckern ausbricht und klirrende Münzen, die in eine Registrierkasse geworfen werden.

So ungewöhnlich wie der Sound war die Gestaltung des Cover-Artwork, das einen Lichtstrahl zeigt, der durch ein Prisma in seine einzelnen Farbsegmente zerlegt wird, wobei auf die Farbe violett verzichtet wurde. Dabei war die aufklappbare Hülle so gestaltet, dass die Lichtstrahlen auf der Innenhülle genau auf die der Außenhülle trafen. Einen Hinweis auf den Namen der Band oder den Titel des Albums sucht man auf der Plattenhülle vergeblich.

Nicht zuletzt dürfte allerdings eine teure, nie zuvor gekannte Werbekampagne dafür gesorgt haben, dass das Album weltweit in die Charts katapultiert wurde und viel Geld in die Kassen der Bandmitglieder gespült hat und offenbar heute noch spült. Wie heißt es im Allzeitklassiker „Money“ „Money it’s a gas. Grab that cash with both hands and make a stash.“  

Standardbild
Hans Kaltwasser
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