Als der Krieg gegen die Ukraine den Himmel verdunkelte

Heute, am 24. Februar 2023, jährt sich der Einmarsch Russlands in die Ukraine zum ersten Mal. Zwei Bücher lassen uns beim Lesen in die unmittelbare Gegenwart und eines zudem in die Vergangenheit des Landes und seine wechselhafte und unheilvolle Geschichte blicken.

Lisa Weeda – Aleksandra

Was wissen wir eigentlich über die Ukraine? „Es ist ein Land, das seit hundert Jahren von Konflikten geprägt ist“ sagt Lisa Weeda, Autorin des Romans „Aleksandra“. „Das Schreiben dieses Buches ist meine Art, mich an dem Kampf zu beteiligen. Es ist ein Denkmal für meine Familie“.

Die Protagonistin Lisa reist in das Land ihrer Großmutter Aleksandra. Die mittlerweile 94-Jährige wurde 1942 von den Nazis aus Luhansk in der Ostukraine deportiert, als die Stadt noch Woroschilowgrad hieß. Für Lisa ist es nicht leicht, ihre Mission zu erfüllen. Sie soll ihrem Onkel Kolja ein besonderes Tuch bringen, auf dem der Stammbaum der Familie in Rot und Schwarz aufgestickt ist. Da er aber möglicherweise 2015 während der Schlacht um Luhansk gefallen ist, sucht sie eigentlich sein Grab. Doch ein Grenzsoldat verhindert, dass Lisa die Grenze überqueren kann. Erst als jemand in das neben der Grenzstation liegende Feld hineinläuft und auf eine Landmine tritt, ergibt sich für Lisa die Möglichkeit, über die Grenze zu kommen. Sie läuft und gelangt an den „Palast des verlorenen Kosaken“. Zunächst ist nicht erkennbar, ob es sich um einen realen Ort handelt. Dort trifft Lisa auf ihren Urgroßvater Nikolaj Aleksandras Vater. Nun wird deutlich, dass es eine Imagination ist.

Der Roman wechselt zwischen Erzählungen, die um den Palast herum angesiedelt sind und über die wechselvolle Geschichte des Landes berichten. Geprägt von magisch-realistischen Fragmenten. Im Wechsel dazu erzählen die Kapitel aus Luhansk über die Situation während des Konflikts von 2014.

Der autobiografisch geprägte Roman entwirft ein lebendiges Bild dieser Zeit zwischen 1942 bis in die Gegenwart. Zudem darin die Geschichte einer Familie und nicht zuletzt die eines ganzen Landes, das nicht zur Ruhe kommen kann. Ein sehr faszinierender und lesenswerter Roman.

Lisa Weeda – Aleksandra

Roman

Aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann
ISBN 978-3-98568-058-0

24.02.2023 beim Kanon-Verlag

Lisa Weeda wurde 1989 geboren und ist eine niederländisch-ukrainische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Virtual- Reality-Regisseurin. Die Ukraine, das Heimatland ihrer Großmutter, steht oft im Mittelpunkt ihres Werks. „Aleksandra“ (Original 2021) ist ihr Debüt, war eines der meistdiskutierten Bücher des Jahres und wochenlang die Nummer 1 in den Niederlanden. Das Buch wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

Valeria ShashenokFebruar… und der Himmel war nicht mehr blau

Valeria Shashenok hat den Schrecken des Krieges hautnah miterlebt und ihre Erlebnisse mit der Welt geteilt. Ihre Videos aus dem Bunker in ihrer Heimatstadt Tschernihiw im Norden von Kiew erreichten Millionen von Menschen. So wurde die Fotografin über Nacht durch ihren TikTok-Kanal weltberühmt.

Wie eine junge Frau und Fotografin diesen und alle weitere Tage erlebte, erzählt sie in „24. Februar… und der Himmel war nicht mehr blau“. Valeria Shashenok berichtet davon, wie der Krieg grausam in ihren Alltag hereinbrach, von der mutigen Entscheidung, nach Mailand zu fliehen und ihrem langen Weg dorthin und was sie sich nun für ihr Leben, ihre Familie und die Ukraine wünscht. Das Buch widmet sie allen Russinnen und Russen, damit sie die Geschehnisse verstehen.

„Meine Geschichte ist eigentlich eine ganz andere: Es ist die eines jungen Mädchens voll mit großen Träumen, das die Welt entdecken wollte und den Krieg für einen schlechten Scherz hielt. Bis zu dem Tag, an dem ich erkennen musste, dass ich mittendrin bin im größten Alptraum meines Lebens.“

Valeria Shashenok – Februar… und der Himmel war nicht mehr blau

90 Seiten, 13 Farbbilder, Hardcover
978-3-903715-22-6 Print 16,00€
978-3-903715-23-3 E-Book 9,99€

Erschienen bei story.one
Über die Autorin

@VALERISSSH (Valeria Shashenok) wurde 2002 in Tschernihiw geboren, einer Stadt nördlich von Kiew im Nordosten der Ukraine, wo ihre Eltern heute noch leben. Vor dem Krieg ging sie ihrer Leidenschaft als freiberufliche Fotografin nach. Inzwischen hat eines ihrer Videos mehr als 50 Mio. TikTok-Views – ihre Videos und ihre Botschaften gehen um die ganze Welt.

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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