Grey Paris – EP „LEE WAVES“  

Das in Berlin ansässige Jazz-Trio Grey Paris hat sich mit einem Album und mehreren Singles längst als herausragender Act in der deutschen Jazzszene etabliert. Mit ihrer neuen, am 4. August erscheinenen EP LEE WAVES legen sie nach: Vier makellose Songs, die den polyrhythmischen, cineastischen Sound des viel beachteten Vorgängeralbums „Medea“ weiterentwickelt.   

Die Band besteht aus Yiorgos Parisis (Klavier, Elektronik), Arian Stechert (Schlagzeug, Elektronik) und Mark Beumer (Bass, Elektronik). Es ist erwähnenswert, dass Stechert ein Klavierbauer ist, der ursprünglich von Parisis beauftragt wurde, ein Klavier zu reparieren. Diese Begegnung führte zu gemeinsamen Kompositionen und zur Gründung der Band, die durch den Bassisten Mark Beumer vervollständigt wurde.

Die EP entstand in Zusammenarbeit mit dem Multiinstrumentalisten und Filmkomponisten Bastian Emig und wurde an ungewöhnlichen Orten wie einem alten Fabrikgebäude aufgenommen, das heute eine Klavierwerkstatt ist. Die Musik ist eine raffinierte Melange, die Jazz und elektronische Elemente auf eine organische und fließende Art und Weise miteinander verbindet.

Sucht man nach Ähnlichkeiten mit anderen Bands, fallen einem Namen wie das frühe Portico Quartet, GoGo Penguin und Nils Frahm ein, doch haben die Wahlberliner längst ihren eigenen, einzigartigen Sound geschaffen. Ihre Musik zeichnet sich durch komplexe rhythmische Elemente, emotionale Klavierkompositionen und eindringliche Klanglandschaften aus, die den Hörer auf eine synästhetische Reise schicken.

Der Titeltrack „Lee Waves“ ist eine schnörkellose, minimalistische Melodie mit einem kraftvollen, groovigen Ende, das die Vitalität des Lebens einfängt. Andere Tracks wie die von der Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln inspirierte, hoffnungsvolle Ode „Mytilini“ mäandern gekonnt zwischen Ambient und reinen elektronischen Vibes. „Orgone“ wiederum ist eine einzigartige Mischung aus modernem Jazz und erhabenen Elektroklängen. Das Stück „Live Session No.1“, mit dem das Album schließt, ist ein 11-minütiger Ausschnitt ihrer energiegeladenen Jamsessions.

„Lee Waves“ sind stehende atmosphärische Strömungen, die an der geschützten Seite eines Berges erzeugt werden, über ihn hinweg oder um ihn herumfließen und häufig durch die Bildung von Wolken sichtbar werden, heißt es auf dem Einschubfach, in dem die CD steckt. Segelflieger wissen Leewellen seit jeher zu schätzen, weil sie ihr Luftfahrzeug in riesige Höhen aufsteigen lassen. Diese hypnotisierende, fesselnde EP, die seinen Titel dem Naturphänomen verdankt, hat alle Zutaten, um den Höhenflug des Berliner Trios fortzusetzen.

Standardbild
Hans Kaltwasser
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