FilmTipp // Das Wochenende

Mit einem Anruf wird Inga (Katja Riemann) in die Vergangenheit katapultiert. Jens (Sebastian Koch), ihre alte Jugendliebe und Vater ihres gemeinsamen Sohnes, wird nach 18 Jahren überraschend aus dem Gefängnis entlassen. Jens Schwester Tina (Barbara Auer) lädt aus diesem Anlass zu einem Wochenende in ihr Landhaus im brandenburgischen Zerlow ein um mit alten Freunden Jens in der Freiheit Willkommen zu heißen.

Überstürzt verlässt Inga das Restaurant, wo sie sich bis eben noch als Literaturagentin einer erfolgreichen Buchpremiere feiern ließ. Zuhause angekommen verschweigt sie ihrem Mann den Anruf und versucht, ihre Vergangenheit und die gescheiterte Liebe zu verdrängen. Vergeblich, als Ulrich (Tobias Moretti) am nächsten Tag Tinas Anruf entgegennimmt, überzeugt er seine Frau, auf dem geplanten Trip nach Rügen einen Stopp in Zerlow zu machen.
Nervös und unsicher holt Tina Jens, der wegen seiner RAF-Vergangenheit inhaftiert war, vom Gefängnis ab. Ihr Bruder begegnet der Freiheit und dem Leben, das fast zwei Jahrzehnte ohne ihn statt fand, gefasst und schweigsam. Gemeinsam fahren sie in das Landhaus nach Zerlow. Tina überlässt Jens ihr Zimmer, das schönste im Haus, und überrascht ihn mit seinem alten Plattenspieler. Nicht ahnend, dass dieser all die Jahre Jens Waffe versteckt hielt. Als Inga und Jens das erste Mal nach über 18 Jahren aufeinander treffen, ist die Anspannung aller Beteiligten greifbar. Die Small Talk-Versuche Ulrichs, der sich als weltgewandten Geschäftsmann gibt, werden lediglich von Tina dankbar aufgenommen. Mit Henners (Sylvester Groth) Ankunft, einem weiteren Gesinnungsgenossen aus alten Zeiten, ist die Runde komplett.

Er ist euphorisch, die Freunde wieder zu sehen. Henner, inzwischen ein erfolgreicher Autor, hat zuletzt mit einem Buch über die RAF für Aufsehen gesorgt. Er freut sich über ein Kompliment von Ulrich über sein Werk, wird von Jens allerdings entschieden in seine Schranken gewiesen. Unausgesprochene Vorwürfe lasten schwer über der Tischrunde. Jens konfrontiert die alten Freunde mit der Frage nach seinem Verräter. Einer der Drei muss damals sein Versteck an die Polizei weiter gegeben haben. Eine Frage, die den RAF-Häftling in den vergangenen Jahren unerbittlich quälte. In der aufflammenden Diskussion wird klar, dass Jens an der Vergangenheit und den damaligen Motiven festhält, während sich die alten Freunde im Laufe der Zeit komfortabel im Leben eingerichtet haben. Vergangene Ideale fielen dem Alltag zum Opfer und spielen im Hier und Jetzt keine Rolle mehr. Inga ist hin- und her gerissen in ihren Gefühlen zu Jens.

Dies bleibt Ulrich nicht verborgen, der schon lange den emotionalen Zwiespalt seiner Frau vermutet. Am nächsten Tag taucht überraschend Doro (Elisa Schlott), die gemeinsame Tochter von Inga und Ulrich auf. Die Chance, den großen Unbekannten zu treffen, möchte sich Doro nicht entgehen lassen und trifft mit jugendlicher Unbeschwertheit auf Jens, einem erotischen Abenteuer nicht abgeneigt. Dieser interessiert sich mehr für ihre Mutter, wie sie bei einem Waldspaziergang, wo sie die Beiden bei einem Kuss beobachtet, feststellen muss. Verstört informiert Doro ihren Halbbruder Gregor (Robert Gwisdek) – der bis dato von der Freilassung seines leiblichen Vaters nichts wusste. Außer sich vor Wut macht sich Gregor überstürzt auf den Weg nach Zerlow.
Unter einem Vorwand lockt er Jens vom Anwesen um ihn unerbittlich zu demontieren. Erst bei der Rückkehr in das Landhaus gibt Gregor seine Identität preis. In einer heftigen Auseinandersetzung konfrontiert Gregor die Anwesenden mit unangenehmen Wahrheiten. Erstmals zeigt Jens Fassade Risse. Die unerwartete Begegnung mit seinem Sohn setzt ihm mehr zu, als er erwartet hätte. Er, der den Kontakt zu Inga und Gregor abgebrochen hat, muss sich plötzlich seiner persönlichen Verantwortung und Schuld stellen. Es kommt zu einem ersten Gespräch zwischen Vater und Sohn, eine vorsichtige Annäherung bahnt sich an.

Als Ulrich und Inga bei ihrer Rückkehr nach Berlin an einer Tankstelle halten, trifft Inga zum ersten Mal in ihrem Leben eine eigene Entscheidung. Sie fährt alleine zurück zu Jens, um sich Gewissheit zu verschaffen. Jens und Inga verbringen die Nacht gemeinsam. Am nächsten Morgen brechen alle Beteiligten auf und verlassen das Landhaus um sich ihrem alten Leben neu zu stellen.

[highlight] SquareOne Entertainment und Universum Film präsentieren mit der UFA Cinema Produktion DAS WOCHENENDE – ein kraftvolles und emotionales Stück Schauspielerkino um die Wucht, mit der Verletzungen aus der Vergangenheit uns in der Gegenwart einholen und unser weiteres Leben entscheidend prägen können. Vor dem Hintergrund einer großen enttäuschten Liebe erzählt Regisseurin und Drehbuchautorin Nina Grosse in absoluter Starbesetzung von Freundschaft, Verrat und Aufbruch. Im Mittelpunkt steht die packende Geschichte um einen begnadigten Ex-Häftling, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. DAS WOCHENENDE entstand nach Motiven des gleichnamigen Romans von Bernhard Schlink. [/highlight]

 

Regie & Drehbuch

Nina Grosse

Mit

Katja Riemann, Sebastian Koch, Tobias Moretti, Barbara Auer,

Sylvester Groth, Robert Gwisdek, Elisa Schlott

KINOSTART: 11. April 2013

 

 

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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