Daniel Spoerri – Ein Museum der Unordnung

Reste des Alltagslebens werden zur Kunst. Zu besichtigen sind sie in der Ausstellung “Ein Museum der Unordnung” des Künstlers Daniel Spoerri (*1930 in Rumänien) in der Langen Foundation. Spoerri gehört zu den bedeutendsten Vertreter der Objektkunst. Sein künstlerisches Werk basiert auf den Fundstücken und den Rudimenten des gelebten Lebens. Seine Assemblagen entstehen aus dem leidenschaftlichen Sammeln von Alltagsgegenständen, kuriosen Zufallsfunden und Reliquien, die er auf Flohmärkten und in Antiquitätenläden findet.

Insbesondere die rheinländische Kunstszene hat der Künstler maßgeblich geprägt und bereichert. Spoerri gründete 1968 das legendäre „Restaurant Spoerri“ und die „Eat Art Gallery“ in der Düsseldorfer Altstadt und war ein enger Weggefährte von Joseph Beuys. Auf die Düsseldorfer Jahre
folgten eine Professur und die Initiative eines „Musée Sentimental“ in Köln.
Daniel Spoerri gründete 1960 mit seinen Künstlerkollegen, darunter Arman, Yves Klein, Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely die Künstlergruppe der Nouveaux Réaliste. Ihnen ging es in ihrer Kunst nicht um eine realistische Abbildwirklichkeit, sondern sie erklärten die Dinge des Alltags zu ihrem Medium der Kunst.

Spoerri
Brotteigobjekt „Schreibmaschine“, 1969-2017 Foto: Kai Werner Schmidt ©Daniel Spoerri / Langen Foundation

Seine EAT ART sind die Zeugnisse von Tischgelagen, bei denen der Künstler die Reste der Mahlzeiten einer Tischgesellschaft mit Leim und Konservierungsstoffen zu einem Objektbild fixiert. Der banale Vorgang des Essens wird zu einem künstlerischen Akt verwandelt. Seine Arbeiten bilden ein Archiv an materieller Kultur, emotionalen Erinnerungen, sinnlicher Wahrnehmung, körperlichen Genüssen, beinah animalischen Trieben und sozialen Riten, die Spoerris Faszination für die tiefen Strukturen
des menschlichen Seins offenbaren.

Das Werk von Spoerri ist in internationalen Museen und Sammlungen vertreten und wurde weltweit präsentiert. In einem Interview äußerte Spoerri einmal den Wunsch, ein Museum der Unordnung schaffen zu dürfen. Die Langen Foundation mit ihrer klaren und präzisen Architektur bietet dafür einen großartigen Kontrast. Die Ausstellung zeigt rund 180 Werke aus wesentlichen Schaffensphasen und würdigt ihn als einen zentralen Akteur der europäischen Nachkriegskunst.

Daniel Spoerri

Ein Museum der Unordnung

06.09.2021 – 13.03.2022

Langen Foundation

Titelfoto: Detail aus der Genetischen Kette des Flohmarktes, 2002 ©Daniel Spoerri / Langen Foundation

Die 2004 eröffnete Langen Foundation hat ihren Ursprung in der Sammlung der Stifterin Marianne Langen und ihres Mannes Viktor. Hierfür hat der japanische Architekt Tadao Ando ein Ausstellungshaus entworfen, das auf einer ehemaligen NATO-Basis inmitten der niederrheinischen Landschaft liegt und an die heutige „Raketenstation Hombroich“ als Teil des „Kulturraums Hombroich“ angegliedert ist. Die einzigartige
Architektur der Langen Foundation entfaltet sich mit ihrem Raumkonzept als eine in die Natur eingebettete, dramaturgisch-spannungsvoll komponierte Skulptur.

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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