Produktive Bildstörung. Sigmar Polke und aktuelle Künstler

Können wir unseren Augen noch trauen? Eine Frage, die heute berechtigter ist als je zuvor. Photoshop und andere Bildverarbeitungstools, sie alle helfen, Realität auf Fotos und Bildern zu manipulieren. Entweder bilden sie weniger oder viel mehr ab. Fake News durch solche Manipulationen gestalten ebenso mit wie Übertragungsfehler, Qualitätsverluste, Hacks und andere Störungen. Bereits nachdem Sigmar Polke Anfang der 1960er-Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, richtete er sein Interesse auf die massenmedial verbreiteten Bilder seiner Zeit „Produktive Bildstörung. Sigmar Polke und aktuelle künstlerische Positionen“ heißt nun eine neue Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf, die anlässlich seines 80. Geburtstags gemeinsam mit der Anna Polke-Stiftung Werke des Künstlers aktuellen künstlerischen Positionen gegenüberstellt.

Angelehnt an die aktuelle Forschung, die Sigmar Polke als universalen Zeitgenossen und postmodernen Künstler begreift, der sich an unterschiedlichsten Bild- und Zeit-Kontexten bedient, schärft die Ausstellung erstmals den Blick für ein spezifisches Vorgehen, das Polkes Gesamtwerk charakterisiert.

Polkes Technik, sein Umgang mit unterschiedlichen Medien, Kontexten und Materialien, setzt auf das Potential des vermeintlich Fehlerhaften, Verschwommenen und Veränderbaren. Seine Werke spielen mit der Lust an der Täuschung durch Bilder und hinterfragen dabei auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Medien die Wirkmacht von (manipulierten) Bildern.

Sigmar Polke, Primavera, 2003, Acryl auf
Dekostoff und Polyestergewebe, 300 × 500 cm,
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen,
Düsseldorf, Dauerleihgabe der NRW.BANK.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Diese produktive Störung der Bilder stellt auch für eine gegenwärtige Künstlerinnengeneration eine zentrale Strategie dar. Die ausgewählten Arbeiten zeitgenössischer internationaler Künstlerinnen zeigen neue Techniken und Methoden, die die Bildstörung auch heute als produktiven Ausgangspunkt kreativen Schaffens herausstellen, um kulturelle und politische Fragen zu verhandeln.

Beteiligte Künstler*innen: Kerstin Brätsch, Phoebe Collings-James, Raphael Hefti, Camille Henrot, Trevor Paglen, Sigmar Polke, Seth Price, Max Schulze, Avery Singer.

Die Ausstellung wird kuratiert von Kathrin Barutzki und Nelly Gawellek (beide Anna Polke-Stiftung) mit Gregor Jansen (Kunsthalle Düsseldorf).

Im Rahmen eines internationalen Festivals  (25.–27.11.21) an der Kunstakademie Düsseldorf, organisiert von der Anna Polke-Stiftung, knüpfen Akteur*innen unterschiedlicher Disziplinen an die Themen der Ausstellung an. Die Entstehungszusammenhänge, Wahrnehmungsbedingungen und Erscheinungsformen des Phänomens sowie das produktive Potential der Bildstörung – damals und heute – werden in theoretischen und künstlerischen Beiträgen diskutiert.

Vom 13. November 2021 bis zum 6. Februar 2022 in der Kunsthalle Düsseldorf

Titelbild: Sigmar Polke
Amerikanisch-Mexikanische Grenze, 1984
Tagesleuchtfarbe, Dispersion auf Nessel, 224 × 298,5 cm
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
© The Estate of Sigmar Polke, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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