Zwischen Welten

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Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) meldet sich erneut zum Dienst in das krisengeschüttelte Afghanistan und erhält mit seiner Truppe den Auftrag, einen Außenposten in einem kleinen Dorf vor dem wachsenden Einfluss der Taliban zu schützen. Dabei wird der junge Afghane Tarik (Mohsin Ahmady) als Dolmetscher zur Seite gestellt. Jesper versucht mit Tariks Hilfe, das Vertrauen der Dorfgemeinschaft und der verbündeten afghanischen Milizen zu gewinnen – doch die Unterschiede zwischen den beiden Welten sind groß. Er steht immer wieder im Konflikt zwischen seinem Gewissen und den Befehlen seiner Vorgesetzten. Als Tarik, der von den Taliban bedroht wird, weil er für die Deutschen arbeitet, seine Schwester in Sicherheit bringen will, geraten die Dinge außer Kontrolle…

Die Deutsche Filmpreisgewinnerin Feo Aladag erzählt mit dem Drama ZWISCHEN WELTEN, ihrem zweiten Kinofilm nach dem Aufsehen erregenden Kinodebüt DIE FREMDE, die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft im Krisenland Afghanistan.

Regisseurin Feo Aladag bei der Arbeit zu ZWISCHEN WELTEN

Regisseurin Feo Aladag bei der Arbeit zu ZWISCHEN WELTEN Copyright: Bothor / Majestic

Feo Aladag realisierte den Film als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin an Originalschauplätzen in Afghanistan. Jahrelang hat sie darauf hingearbeitet, zahllose Hindernisse und Bedenken aus dem Weg geräumt, um den Film direkt im Krisengebiet zu drehen und nicht, wie für westliche Produktionen üblich, auf ähnlich wirkende Länder auszuweichen. Die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Bundeswehrsoldaten und seinem afghanischen Übersetzer hat während der Produktionsphase eine aktuelle Brisanz gewonnen: 2014 ziehen die deutschen Schutztruppen nach mehr als 10 Jahren aus Afghanistan ab und hinterlassen ein unbefriedetes Land und zahllose lokale Mitarbeiter, die von den Taliban als Kollaborateure der Besatzungsmächte gesehen werden. Die Hauptrolle in ZWISCHEN WELTEN spielt einer der angesehensten Schauspieler Deutschlands: Ronald Zehrfeld (BARBARA). An seiner Seite sind Schauspielgrößen wie Felix Kramer (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) und Burghart Klaußner (NACHTZUG NACH LISSABON) zu sehen. Sämtliche afghanischen Darsteller wurden aus der Gegend um Mazar-i-Sharif und Kabul besetzt: unter ihnen Mohsin Ahmady, Saida Barmaki und Abdul Salam Yosofzai (DRACHENLÄUFER). AUSZUG AUS DEM DREHTAGEBUCH VON FEO ALADAG

Von draußen dringt das Zirpen der Grillen in den Wagen. Ich sitze hinten. Wir fahren vorbei an bunten Eingangstoren hinter sorgsam begrünten Baumreihen auf das Haus zu, in dem wir wohnen. Das Ende eines weiteren heißen Drehtags. Ein junger Afghane mit einem Steirer Hut auf dem Kopf und Rollerblades unter den Füßen kreuzt auf der Wohnstraße. Ein surreales Bild. Abends liege ich im Bett und höre die drei Kamele unseres Hausmeisters im Garten unter mir grunzen. Wenig später, nachts, fliegen die Blackhawks und die Apache Hubschrauber der Amerikaner endlose Platzrunden über unserem Wohngebiet. Oft stundenlang. Auf Nachfrage heißt es: Unter anderem werden Co-Piloten der US Kräfte für die nächsten Einsätze, in anderen Ländern, fit geflogen. Man sammelt Flugstunden. Die nächsten „Afghanistans“ warten schon lange. Ob im Golf von Aden, in Mali oder im Sudan. Die Hubschrauber verschwinden. Draußen ist es wieder still. Nur das Zirpen der Grillen.

Afghanistan. Mai 2013. Wir drehen mit unserem afghanisch-deutschen Team den Kinospielfilm ZWISCHEN WELTEN in Mazar-i-Sharif, Afghanistan. Ich selbst wohne außerhalb des deutschen Lagers der Bundeswehr. Die deutsche Politik, vor allem jedoch der ein oder andere General im Einsatzführungskommando in Potsdam, sind am Bild deutscher Zivilisten mit familiärem Umfeld im Einsatzland Afghanistan absolut nicht interessiert. Es passt nicht ins Programm, schon gar nicht in diesem Jahr, 2013. Die Abwehrhaltung gegen ein anderes Bild als jenes der Gefahren, des Krieges, des militärischen Einsatzes und erfolgreichen Abzugs aus diesem Land erinnert an Sublimierung. Das Bild Afghanistans soll im wesentlichen Kern das bekannte bleiben. Mit allen Mitteln. Nun lebe ich mit meiner Tochter und unserem kulturellen Berater Matthias Kock also diesen afghanischen Alltag, den „wohlsituierten“ wohlgemerkt, hier „draußen“, vor den Mauern des Camp Marmal – in den Augen des Verteidigungsministeriums und der Bundeswehr sozusagen „in freier Wildbahn“. Das macht mich per se erstmal suspekt. Der deutsche Teil unseres Teams hat seine Basis im Camp Marmal. Die meisten der dort stationierten Bundeswehrsoldaten verlassen während ihres mehrmonatigen Aufenthalts kein einziges Mal dieses Camp. Unser Team steigt vor den Toren des riesigen Camps jeden Tag in Busse und fährt von dort aus zu unseren Drehorten. Unsere afghanischen Kollegen wohnen alle gemeinsam in unserem großen Produktionshaus, ein paar Meter von mir entfernt um die Ecke.

Ich wollte eine Geschichte erzählen, die das Dilemma vor Ort spürbar macht. Eine Geschichte, die uns leise erinnert – an die Verantwortung unserem eigenen Gewissen gegenüber.

ein Film von Feo Aladag

mit Ronald Zehrfeld, Mohsin Ahmady, Saida Barmaki, Abdul Salam Yosofzai, Felix Kramer und Burghart Klaußner

Foto oben: Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) versucht mit der Hilfe des Dolmetschers Tarik (Mohsin Ahmady) ein afghanisches Dorf vor dem Einfluss der Taliban zu schützen.(Copyright: Wolfgang Ennenbach / Majestic)

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