Vorgestellt: Ayo

Ihre Stimme ist außergewöhnlich facettenreich: mal soulig, rauh, aber auch zart und sinnlich. Ihre ausdrucksvolle Phrasierung unterstreicht genau das, was sie aussagen will und wir verstehen sie sofort. Sie ist eine Soul-Nomadin mit tausend und einem Einfluss, tausend rund um den Erdball verteilten Oasen und Zufluchtsorten. Nichts desto trotz liegt das Gute manchmal so nah; niemand weiß das besser, als Joy Olasumibo Ogunmakin, kurz Ayo.

Schon mit ihrem 2006er Durchbruchsalbum „Joyful“ hat sich die in Frechen bei Köln geborene Singer/ Songwriterin mit der einzigartigen Soulstimme ihr ganz eigenes Universum voller ebenso eindringlicher, wie auch mitreißender Melodien erschaffen, die auf dem Nachfolger „Gravity At Last“ (2008) und schließlich dem ihrer Tochter gewidmeten, gleichnamigen 2011er Release „Bilie-Eve“ immer weiter verfeinert, verändert und ausgebaut wurden. Mit ihrem brandneuen Longplayer „Ticket To The World“ und der Vorabsingle „Who“ legt Ayo uns nun die Welt zu Füssen – die große weite Welt da draußen genauso, wie ihren eigenen, kleinen faszinierenden Mikrokosmos
Unplugged klingt der Song so:

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Foto: Kate Barry online
Foto: Kate Barry online

Schon immer war die Musik Ayos ganz persönliches Medium, um Grenzen zu überwinden. Zwischenmenschliche genauso, wie stilistische, kulturelle, metaphorische und natürlich auch echte Grenzen – wie Ayo auch auf dem Song „Who“ deutlich macht.

„Am Ende des Tages bin ich – wie alle anderen Menschen – auch nur auf der Suche. Nach Musik und nach der Erlösung, die diese Musik für mich bedeutet. Bei mir war es schon immer so, dass die Lieder mich gefunden haben; sich durch mich einen Ausdruck, ein Medium gesucht haben.“
„Who“ ist Ayos ureigener Culture Clash-Song, auf dem sie karibische Reggae-Rhythmen mit einer sehnsüchtigen Country-Gitarre und einem mediteran-beschwingten Südfrankreich-Feeling kombiniert. Pure Lebensfreude, die selbst die dunkelsten Gedanken vertreibt. Entstanden ist „Who“ als letzter Song des Albums, der kurz vor Pressung auf ganz besonderen Wunsch in buchstäblich allerletzter Sekunde noch zur Tracklist ergänzt wurde.

„Die Platte war eigentlich fertig und sollte gepresst werden. Ich hatte innerhalb von nur einer Stunde ein Demo von dem Song auf meinem Handy aufgenommen und meinem Plattenfirmenchef geschickt – er war auch sofort begeistert und stimmte zu, das Stück unbedingt mit aufs Album zu nehmen.“ Das allererste Lied überhaupt, welches Ayo selbst produziert hat. Inklusive der Magie des ersten Takes. Auch wenn die Inspiration eher düsterer Natur war.


„Ich war nachts alleine bei mir Hause in Paris. Ich habe mich über eine Woche lang verbarrikadiert und wollte niemanden sehen. Es hat in Strömen geregnet und irgendwie war ich in einer seltsamen, melancholischen Stimmung. Ich war das erste Mal in einer Situation, in der ich mich ganz alleine mit mir selber auseinander setzen und über gewisse Dinge nachdenken musste. Die Frage war: Was wäre, wenn man ganz alleine auf dieser großen Welt wäre und niemanden hätte, mit dem man sein Glück teilen, oder an den man sich wenden könnte, wenn es einem mies geht? Wo ist meine Zuflucht, mein Hafen in dieser Welt? Wer ist dieser Mensch, der mir Kraft und Halt gibt? Who?“

Ein sehr vielseitiges Album und eine ebenso vielseitige und sehr talentierte Künstlerin.

Foto: Kate Barry online

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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