Philippe Mouratoglou: RICERCARE – Albumtipp

Der französische Gitarrist Philippe Mouratoglou ist ein Reisender zwischen musikalischen Welten, in denen er scheinbar überall zu Hause ist. Ob Klassik, Blues, Jazz oder Flamenco und zeitgenössischer Folk, ob Solo, im Duo oder Trio, alles hat Platz auf den Saiten seines Instrumentes. Doch fern von Beliebigkeit weiß Mouratoglou genau, was er spielt.

Charakteristisch für den Gitarrenstil des Franzosen sind die Open Tunings. Im Barock wurden sie „Scordatura“ genannt, den Musikern der Renaissance waren sie als „chordes avaleés“ wohlbekannt. Mourantoglou verwendet häufig „offene Stimmungen“ mit seinen sechssaitigen Gitarren und den eine Quarte tiefer gestimmten Bariton-Gitarren, mit denen der Musiker den nicht-konventionellen Gebrauch seines Instruments erkundet.

RICERCARE, italienisch für „suchen“, „erforschen“, heißt dann auch bezeichnenderweise sein neues Album, das am 16.7.2021 erschienen ist. Mit seiner wohlklingenden Mischung aus zeitgenössischem Folk, Klassik und Jazz knüpft es nahtlos an das grandiose Vorgängeralbum „Univers-Solitude“ an. Unterstützt wird Mouratoglou von hochversierten Begleitern, dem spanischen Schlagzeuger Ramón López und dem für seinen Improvisationsdrang bekannten Kontrabassisten Bruno Chevillon.

Der Song „Visions (Cherokee)“, mit dem Album eröffnet, ist um einen sanft gestrichenen Kontrabass aufgebaut, der eine unterschwellige Spannung erzeugt, die durch die filigrane Beckenarbeit des Schlagzeugers noch verstärkt wird. Bei den folgenden Stücken wechseln Mourantoglou und seine Mitspieler regelmäßig die Register. Manchmal unternehmen sie Exkursionen in den Impressionismus wie im Stück „Soleils d’hier“. Bei der Komposition „Ricercare XXXVIII“ gehen sie noch weiter in die Zeit zurück und interpretieren ein Thema des italienischen Lautenisten Francesco da Milano aus dem 16. Jahrhundert.

Beim Stück „The Peacocks“, einem Standard des US-Jazzpianisten Jimmy Rowles, bleiben Gitarre und Kontrabass nah am Thema des Originals und lassen dessen geheimnisvolle Schönheit für sich selbst sprechen, während das exquisite Beckenspiel von Ramón López feine Akzente setzt, die die Melodie in einem neuen Licht erscheinen lassen. „Inventions on Curumim“ wiederum ist eine sehr freie Interpretation einer Komposition des brasilianischen Musikers Curumim, deren Ursprung man beim ersten Hören nicht mehr erkennen kann.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass dem hohen musikalischen Niveau des exzellenten Albums RICERCARE die wertige künstlerische Gestaltung des Cover und des Begleitheftes entspricht, die an die Arbeiten des französischen Kubisten Georges Braque erinnert.

Philippe Mouratoglou – Ricercare VÖ: 16.07.2021 Label Vision Fugitive

Standardbild
Hans Kaltwasser
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