NRW-Forum in Düsseldorf zeigt junge und etablierte Fotograf*innen

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Gleich drei interessante Ausstellungen erwarten Kunstinteressierte im NRW-Forum in Düsseldorf. Fotografie in der Kunst, oft geht es dabei um menschliche Beziehungen, die manchmal nur kurzzeitig sind, jedoch am Ende immer bedeutungsvoll. Wie nah kann eine Fotografin den Menschen kommen, die sie porträtiert? Welche Verantwortung übernimmt sie? Die Beziehungen zu den Menschen und ihre eigene Position, darum geht es bei den Fotografien und der künstlerischen Arbeit von Bieke Depoorter.

Dabei hat Depoorter sie in den Kontext gesellschaftlicher Themen gestellt und sie in fünf aktuellen, teils fortlaufenden Projekten sichtbar gemacht. Ausgangspunkt sind oft zufällige Begegnungen mit Menschen, die sie dann teilweise über Jahre begleitet und sich mit den Fragen auseinandersetzt, ob und wie man einen Menschen mithilfe der Fotografie erfassen und wie dabei echte Zusammenarbeit gelingen kann. Verschiedene Reisen führten sie unter anderem nach Ägypten, Frankreich, Norwegen, in die USA und den Libanon.

Die Ausstellung zeigt auf, wie sich ihre Arbeitsweise in dieser Zeit und bis heute fortlaufend und dramatisch verändert hat. Im Vordergrund stehen für die Fotografin vermehrt ästhetische, ethische und soziale Fragen sowie Depoorters nie abgeschlossene Suche nach Antworten.

Die aktuellen Serien sind eine Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Wesenhaften ihrer Arbeit und eine Suche nach ihrer Rolle als Fotografin, nach Dialog und Kooperation mit den Menschen, die sie porträtiert. Sie versteht sich als Fotografin immer mehr als Außenstehende, aber auch als Künstlerin, die nach Wegen sucht, die Lücke zwischen ihr und den Menschen, die sie fotografiert, zu schließen. Oft sind es am Ende gemeinsame Erzählungen von Fotografin und Porträtierten, die in die Arbeiten eingehen.

Bieke Depoorter wurde 1986 in Kortrijk, Belgien, geboren. Sie hat Fotografie an der Royal Academy of Fine Arts in Gent studiert, wo sie 2009 den Master-Abschluss erwarb. Drei Jahre später, im Alter von nur 25 Jahren, wurde sie von Magnum Photos nominiert, 2016 zum ordentlichen Mitglied ernannt. Depoorter hat mehrere Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, darunter den Magnum Expression Award und viele mehr.

gute aussichten – junge deutsche fotografie

Mit der Ausstellung „gute aussichten 2019/2020“ präsentiert das NRW-Forum Düsseldorf vom 22. November 2019 bis 16. Februar 2020 neun junge Preisträgerinnen, die ihre Kunstwerke unter das Thema „Krieg und Frieden in Zeiten globaler Desinformation“ stellten. Informationen gibt es gegenwärtig mehr als genug. Der Begriff Fake-News ist aus unserem Alltag beriets nicht mehr weg zu denken. Doch den Wahrheitsgehalt einer Nachricht eines Fotos ist für viele noch bedeutsam. Welchen Nachrichten, Kanälen, Printmedien, Sendern, schenken wir Glauben und Gehör? Durch falsche Wahrheiten manipuliert zu werden, ist eine gefürchtete, aber leider keine seltene Tatsache mehr. Und sie verbreiten sich in Sekunden. Doch Wahrheit oder Lüge spielen in einem postfaktischen Zeitalter anscheinend kaum mehr eine Rolle. Kein Wunder also, dass die „gute aussichten Preisträgerinnen 2019/2020“ als Vertreterinnen einer Generation von „digital natives“ sich die visuelle Kultur ihrer Zeit zum Thema machen.

„Krieg und Frieden in Zeiten globaler Desinformation“ – ein roter Faden der die Werke der jungen Preisträgerinnen verbindet


Lisa Hoffmann komponiert in ihrem Atlas der Essenz unzählige Fotografien von Katastrophen, Kriegen und politischen Konflikten über- und nebeneinander, um neue Perspektiven zu eröffnen. Es entsteht ein Foto-Gemälde, das erst auf den zweiten Blick entlarvt, welche Schrecken sich dahinter verbergen. Jenseits der ästhetischen Form wirft es ganz gewollt mehr Fragen auf, als es beantworten kann.

Smoke rises at a damaged site after an airstrike in the besieged town of Douma, Eastern Ghouta, Damascus, Syria February 9, 2018. REUTERS/Bassam Khabieh – RC1E74EFF970
Lisa Hoffmann – Atlas der Essenz, 2019, www.guteaussichten.org

Marco Mehringer zeigt mit seinen Fotos die Kehrseite der Kriegsmedaille: Mit Schusslicht Sarajevo liefert er einen konzeptionellen wie fotografischen Gegenentwurf zu massenmedialen Bildern. Indem Mehringer Fotos der Schusslöcher schießt, durch die Menschen beschossen wurden oder geschossen haben, wird sicht- und spürbar, was Krieg bedeutet: Töten.

Marco Mehringer – Schusslicht Sarajewo, 2019,

Die jungen Fotografen und Fotografinnen haben ihr Medium erweitert und über die funktionelle Bedeutung und Handhabung hinaus kreativ benutzt, sie teilweise auch infrage gestellt. Idealismus und Kreativität zeichnen die Arbeiten aller Preisträger*innen aus. Eine eindrucksvolle Ausstellung.

Mehr Informationen zu den Künstler*innen unter www.guteaussichten.org und natürlich im NRW-Forum

Made in Düsseldorf #2: Natascha Schmitten / Wolfgang Tillmans

„Made in Düsseldorf“ ist eine Ausstellungsreihe in Kooperation mit der Stadtsparkasse Düsseldorf. Sie widmet sich zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die eine Nähe zu Düsseldorf aufweisen. Einmal im Jahr werden Stücke aus der Sammlung der Stadtsparkasse Düsseldorf im NRW-Forum präsentiert.

Der inzwischen in Berlin und London lebende Fotograf Wolfgang Tillmans ist ab 22. November mit seiner Installation „Düsseldorf Raum 2001 – 2007“ zu sehen, der die Arbeiten der Künstlerin Natascha Schmitten gegenüber gestellt werden. Auf den ersten Blick scheint es keine Berührungspunkte zwischen beiden Künstlern zu geben.

Die Installation besteht aus 12 Fotografien, die Tillmans in seinem direkten Lebens- und Arbeitsumfeld aufgenommen hat.

Wolfgang Tillmans “Layers”, 2000, Courtesy of Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Wolfgang Tillmans wurde 1968 in Remscheid geboren und gilt als einer der international bedeutendsten Fotokünstler, der das Medium Fotografie weiterentwickelt und als Kunstform neu definiert. Er lebt und arbeitet in Berlin und London. Als erster Fotograf erhielt er 2000 den renommierten Turner Prize.

Natascha Schmitten: Supersaturation, 2019, Tusche, Öl auf Nylon, 130 x 100 cm / Courtesy of Galerie Christian Lethert, Köln.

Dreidimensionale Wahrnehmung und deren Transformation ins Zweidimensionale ist auch Inhalt der Arbeiten von Natascha Schmitten. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Sie zeichnen sich durch halbtransparente Farbschichten aus, die auf Nylon aufgetragen sind.

Im Spannungsfeld zwischen dem realen Raum und dem Bildraum entwickelt sie ihre Werke. Schmitten erfasst – so wie auch Wolfgang Tillmans – das, was sie umgibt. Sie nimmt das Sichtbare und das Geschehene als Ausgangspunkt, um es auf dem Bildträger umzusetzen. „Meine Bilder sind häufig ein Ausschnitt aus einem ungleich größeren Zusammenhang, ein Moment“, so die Künstlerin in einem Interview 2019.
Natascha Schmitten wurde 1986 in Bonn geboren, sie lebt und arbeitet in Köln. Sie besuchte von 2006 bis 2014 die Kunstakademie Düsseldorf und war 2012 Meisterschülerin von Prof. Anzinger. 2018 war sie Artist in Residence in Los Angeles und erhielt 2017 den Douglas Swan Förderpreis in Bonn.

Titelbild: Bieke Depoorter: LEBANON. Beirut. August 3, 2018. Agata. © Bieke Depoorter / Magnum Photos

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