Drei Romane, drei Frauen, drei Schicksale

image

Drei Romane, in denen Frauen erleben, wie fragil das Leben ist, wie schnell lieb Gewonnenes verloren geht und Lebensumstände sich unwiderruflich ändern.

Auch Rose Martineau wird aus ihrem beschaulichen Leben, das sie mit ihrer Familie in Surrey des Jahres 1970 führt, gerissen. Ihre Großmutter stirbt, zu der sie ein inniges Verhältnis hatte. Als Erbe hinterlässt sie Rose ein Haus in den dichten Wäldern von Sussex, von dem ihre Großmutter ihr nie erzählt hat. Auch die ursprüngliche Besitzerin, ihr Großtante Sadie, wurde nie erwähnt. Wieso hatte ihre Oma nicht von ihr erzählt? Sadie war Künstlerin und verschwand eines Tages spurlos. Nachdem Rose sich das Haus angesehen hat, begibt sich auf die Suche nach der Malerin. Doch bevor sie so richtig beginnen kann, gesteht ihr Mann Robert, dass er in einen Medienskandal verwickelt ist. Als sie bemerkt, dass er sie belogen und betrogen hat, geht sie einen ganz neuen Weg. Sie leitet unerfahren, aber erfolgreich das Flugfrachtunternehmen ihres Ex-Mannes und erfährt schließlich die Hintergründe des Verschwindens ihrer Großtante.

Die Autorin Judith Lennox erzählt in ihrem Roman auf verschiedenen Zeitebenen die Geschichte zweier miteinander verwandter Frauen, die es je auf ihre Weise wagen, unkonventionelle Lebenswege einzuschlagen und bestimmte gesellschaftliche Normen zu ignorieren. Emphatisch, klug und sehr unterhaltsam erzählt, gelingt es der Autorin ihre Leser*innen zu fesseln.

Judith Lennox
Das Haus der Malerin

Übersetzt von Mechtild Ciletti
480 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-86612-405-9
Verlag: Piper

Roman – Die verlorenen Töchter
Im selben Jahr wird in Norwegen die verkohlte Leiche einer Frau gefunden. Den Ermittlern gelingt es nicht, die Identität des Opfers festzustellen.

Im Jahre 1945 ist das Land seit fünf Jahren von den Deutschen besetzt. Åse Evensen hat wie viele andere für die Besatzer gearbeitet und dabei den deutschen Soldaten Kurt kennen- und liebengelernt. Sie bringt im Sommer eine Tochter zur Welt. Kurt ist kurz vor Kriegsende noch an die Ostfront geschickt worden. Frauen, die mit deutschen Soldaten zusammen waren, werden als Kollaborateurinnen geächtet und in ein Straflager verbracht. Auch Åse – doch was passiert mit ihrer kleinen Tochter?

Nachdem sie aus dem Lager entlassen wird, macht sich Åse auf die Suche. Sie weiß nur, dass Katrine in ein ostdeutsches Waisenhaus gebracht wurde. Sie reist nach Deutschland und erfährt, das Kurt gefallen ist. Ihre Tochter findet sie nicht und so kehrt Åse unverrichteter Dinge nach Norwegen zurück.

Doch Katrine ist wie viele Kinder adoptiert worden und wächst in Ostdeutschland auf. Mit ihren Adoptiveltern inzwischen in der BRD gelandet, erfährt sie erst 1970 die Wahrheit über ihre Herkunft. Als sie sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter begibt, ahnt sie nicht, wie gefährlich diese Reise ist.

Nach einer wahren Geschichte erzählt die Autorin Hannelore Hippe hintergründig und sehr detailliert von einem ungelösten Todesfall, der so ähnlich passiert ist. Fünf Jahre waren in Norwegen deutsche Truppen stationiert. Wie in anderen, durch deutsche Soldaten besetzten Ländern, gab es auch für die norwegische Bevölkerung vielerlei Beschränkungen und Verschlechterungen der Lebenssituation. Das Schicksal der 12.000 Besatzungskinder, die von den Einheimischen als Tyskerbarn bezeichnet und dikriminiert wurden, erzählt die Autorin beispielhaft an diesem Fall, der 2017 nochmals mit neuen forensischen Methoden aufgerollt wurde. Die Ermittlungen führten zu einem ähnlichen Ergebnis wie diese fiktive Geschichte.

Das Buch ist fesselnd zu lesen und diente dem Kinofilm „Zwei Leben“ mit Juliane Köhler und Liv Ullmann als Vorlage

Die verlorenen Töchter

Das Rätsel um die Unbekannte vom Isdal
Hannelore Hippe
dtv premium
ISBN 978-3-423-26205-7
Verlag: dtv

Ohne Spur
Bei ihrem Ehemann Patrick glaubt Audra, endlich einen verlässlichen Menschen und ein Zuhause gefunden zu haben. Doch kaum sind sie verheiratet und das erste Kind unterwegs, werden die gelegentlichen Gewaltausbrüche ihres Mannes regelmäßiger. Schließlich macht er sie von Tabletten und Alkohol abhängig. Audra erlebt das Heranwachsen ihrer zwei Kinder nur im Dämmerzustand. Die Schwiegermutter hat die Erziehung beinahe gänzlich übernommen. Doch Audra schafft es, sich von der Sucht zu befreien und flieht mit ihren zwei kleinen Kindern vor ihrem gewalttätigen Ehemann.

Fast am Ziel angekommen, wird sie mitten in der Wüste von Arizona von der Polizei angehalten. Der Sheriff untersucht widerrechtlich den Kofferraum ihres Wagens und findet ein Päckchen Marihuana, das Audra noch nie gesehen hat. Sie wird von ihren Kindern getrennt, die von einer Polizistin in einem anderen Wagen gezerrt werden. Audra landet in Untersuchungshaft – sie weiß nicht, wo ihre Kinder sind. Nun beginnt ein schlimmer Albtraum. Denn der Sheriff behauptet, Audra sei allein im Wagen gewesen. Über die Medien wird verbreitet, dass Audra mutmaßlich die Mörderin ihrer Kinder ist. Niemand glaubt ihr. Da kommt ihr ein Unbekannter zur Hilfe…..

Unglaublich spannend ist der Debütroman der Autorin Haylen Beck, die ein albtraumhaftes Szenario entwirft, in dem die Romanheldin erst um ihr Leben, dann um das ihrer Kinder kämpfen muss. Sehr lesenswert.

Roman

Haylen Beck
Ohne Spur

Thriller
978-3-423-21764-4
Verlag: dtv

Titelbildquelle: pixabay.com