SHIRLEY – Visionen der Realität

Der Film SHIRLEY-Visionen der Realität von Gustav Deutsch erweckt gleich 13 Gemälde von Edward Hopper zum Leben.

Nicht zum ersten Mal inspirierten die Werke Edward Hoppers Filmregisseure. So auch Alfred Hitchcock, der für seinen berühmten Film Psycho das Bild Hoppers House by the Railroad (1925) vor Augen hatte und es kurzerhand zu Bates Motel in Psycho werden ließ. Es ist die kaum erklärbare Atmosphäre, die von den Bildern Hoppers ausgeht – kühle Eleganz und eine Entfremdung und Getrenntsein der abgebildeten Personen – spürbar auch beim Bild Nighthawks (Nachtschwärmer). welches in dem Film Casblanca imitiert wird. Dort steht ein Mann (Humphrey Bogart) neben der schönen Ingrid Bergman in einer Bar. Ebenfalls  zeigt es im Film Blade Runners von Ridley Scott seine inspirierende Wirkung.

Der Film SHIRLEY – Visionen der Realität von Gustav Deutsch erweckt gleich 13 Gemälde von Edward Hopper zum Leben. Die Geschichte einer Frau, ihre Gedanken, Gefühle und Reflexionen leiten uns wie ein Faden durch eine Epoche der amerikanischen Geschichte. Es sind die 30er, 40er, 50er und frühen 60er Jahre, die Shirley  (Stephanie Cumming) mitbestimmen möchte, sei es durch ihr berufliches oder gesellschaftspolitisches Engagement.

[su_carousel source=“media: 29477,29475,29474,29473,29472″ link=“lightbox“ width=“700″ height=“600″ items=“1″ autoplay=“0″]

Eine Frau, die die Wirklichkeit der Depressionsjahre, des Weltkriegs, der McCarthy-Ära, der Rassenkonflikte und Bürgerrechtsbewegungen nie als Gegebenheit ansieht, sondern als gemacht und veränderbar. Eine Frau, die als Schauspielerin mit der Inszenierung von Realität, mit der Darstellung von Wirklichkeit vertraut ist, die nicht in der Einzelkarriere und als Star ihre Zukunft und Bestimmung sieht, sondern als Mitglied eines Kollektives gesellschaftliche Wirksamkeit des Theaters anstrebt. Eine Frau, die sich mit dem herrschenden Rollenbild einer Ehegattin nicht identifiziert und dennoch einen Lebenspartner haben möchte. Eine Frau, die sich im Moment der beruflichen Krise nicht arrangiert, keine Kompromisse eingeht und sich trotzdem nicht scheut Jobs anzunehmen, die ihr das Überleben sichern.

Eine Frau, die sich im Moment der privaten Krise für den Partner entscheidet und ihre beruflichen Interessen zurückstellt. Eine Frau, die auf politische Repression mit Wut aber nicht mit Verzweiflung reagiert und die für Verrat nur Verachtung übrig hat.

Mit ihrem Partner Stephen (Christoph Bach), einem Fotojournalisten der New York Post, teilt sie zwar nur zweimal in diesen drei Dekaden eine Wohnung, dennoch sind ihre privaten und beruflichen Schicksale tief miteinander verbunden: Arbeitslosigkeit als Folge der Depression, Enttäuschung durch Verrat von Mitgliedern des Group Theatre vor dem McCarthy-Ausschuss, Repressionen auf Grund von politisch engagiertem Theater, Ausstieg aus der beruflichen Karriere wegen Krankheit des Partners, Verlust des Partners, Rückzug aufs Land und Infragestellung der gesellschaftlichen Wirksamkeit von Kunst, Emigration nach Europa – private Schicksale vor dem Hintergrund von und beeinflusst durch weltverändernde Ereignisse, kulturelle Revolutionen, gesellschaftspolitische Umwälzungen.

[su_box title=“Biographie Gustav Deutsch“ box_color=“#0e2c2e“ title_color=“#ffffff“ radius=“4″]

Der Filmemacher und Künstler lebt und arbeitet in Wien und Aegina. Er wurde 1952 in Wien geboren, ging dort zur Schule und machte seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur 1979 an der Technischen Universität Wien. 1980–1983 Mitglied der Medienwerkstatt Wien. Zahlreiche video artworks.

Seit 1983 Mitglied der Künstlergruppe DER BLAUE KOMPRESSOR, Flosting & Stomping Company. Seit 1984 Zusammenarbeit mit Hanna Schimek (D&S). Seit 1989 zahlreiche Filmarbeiten. Seit 1996 Mitglied bei SIXPACKFILM. Seit 2003 Künstlerischer Leiter der AEGINA ACADEMY Forum für Kunst & Wissenschaft.

[/su_box]

[su_youtube url=“http://youtu.be/yWmLNOofeGo“ width=“480″ height=“320″]https://www.youtube.com/watch?v=CJj0ZEDWcsY[/su_youtube]

Ein  ungewöhnlicher Film – ab 18.09. im Kino

Alle Fotos: © RENDEZVOUS

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
Artikel: 2709