Patrick Manzecchi im Quartett mit Scott Hamilton – Tenderly

Söhne prominenter Künstler, die in die Fußstapfen ihrer Väter treten, haben es nicht leicht. Das gilt auch für den deutschen Jazzmusiker Patrick Manzecchi. Sein Vater Franco Manzecchi war ein renommierter Schlagzeuger, der in den 1950er und 1960er Jahren mit vielen legendären Musikern wie Bud Powell, Chet Baker, Larry Young und Eric Dolphy gespielt hat. Das Talent zum Drumming war dem Filius offenbar in die Wiege gelegt, bereits mit zehn Jahren griff er zu Stöcken und Jazzbesen, um am Schlagzeug seines verstorbenen Vaters die Musik, die er zuhause hörte, zu begleiten.

Heute ist Patrick Manzecchi längst aus dem Schatten seines Vaters herausgetreten und selbst ein renommierter Jazzschlagzeuger. Davon zeugen unter anderem die rund 40 CDs als Sideman und vier eigene Alben, darunter die Produktionen „Rectilinear“ (2017) und „Talking To Myself“ (2022) die beide sehr gute Kritiken bekamen. Außerdem leitet er sein eigenes Quartett und gibt ab und zu Solo-Konzerte.

Ein kühner Innovator, der experimentiert und ständig nach neuen Klangmöglichkeiten sucht, ist Patrick Manzecchi gewiss nicht und will es auch gar nicht sein. Als progressiver Traditionalist hat er sich einmal unlängst im Interview bezeichnet, einer, der neue Entwicklungen des Jazz aufmerksam verfolgt, sich von ihnen inspirieren lässt, aber gleichzeitig in der Tradition legendärer Vorbilder wie Elvin Jones, Tony Williams, Max Roach, Art Blakey, Kenny Clarke, Roy Haynes und anderer verwurzelt ist.

Wie das klingt, kann man auf seinem neuen Album TENDERLY hören, das heute bei tonsee Records erschienen ist. Es ist ein Live-Album, das bei zwei Konzerten im Mai 2018 mitgeschnitten wurde. Zu hören ist hier ein exzellentes Quartett, das mit untrüglichem Fingerspitzengefühl und großer Leichtigkeit sein Repertoire spielt. Darunter sind Klassiker wie „Just In Time“ (J. Styne), „I Got Rhythm“ (G. Gershwin) und „Tonight I Shall Sleep With A Smile On My Face“ (D. Ellington). Bandleader Manzecchi glänzt mit swingendem Schlagzeugspiel. Nur gelegentlich, wie im Stück „I Got Rhythm“, bricht er mit einem Solo aus dem Ensemble aus und schafft mit furiosen Wirbeln eine dichte Atmosphäre, ohne jemals dabei die Fäden aus der Hand zu verlieren.

Doch auch die übrigen Mitstreiter Manzecchis erhalten reichlich Raum für Soloeinlagen. Allen voran Jazz-Legende Scott Hamilton, der mit seinem Tenor-Saxofon markante Akzente setzt. Oder Pianist André Weiss, der in einigen Stücken wie in „Cherokee“ mit wunderbaren Soloeinlagen glänzt. Und im Song „Wave“, einem lässigen, zärtlichen Bossa-Nova-Titel, bearbeitet Joel Lochner mit flinken Fingern die dicken Saiten seines Kontrabasses und entlockt seinem riesigen Instrument souverän ein vorzügliches Solo

Mit TENDERLY ist Patrick Manzecchi ein vorzügliches, spannendes und stimmungsvolles Album gelungen, das allen Musikfreunden des Modern Jazz gefallen dürfte. 

Standardbild
Hans Kaltwasser
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