Washed Out: MISTER MELLOW

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Zur Erinnerung: Chillwave war eine Musikrichtung, die um 2009 herum von Künstler wie Neon Indian, Toro Y Moi und vor allem Ernest Greene, besser bekannt unter seinem Pseudonym Washed out, auf die Bühnen der Clubs gebracht und sehr schnell zum Genre du Jour wurde. Doch ebenso schnell war Chillwave mit seinem verträumten Achtziger Elektro-Pop, dominanten Keyboards und verrauschtem Tunnelsound wieder mega-out.

MISTER MELLOW, das neue Album von Greene, enthält nostalgische Referenzen an Chillwave. Der Gesang klingt verhallt wie eh und je, die Geschwindigkeit der Songs wirkt heruntergebremst, so dass die Lyrics kaum verständlich sind. Melodienschichten türmen sich übereinander und werden mit allerlei seltsamen elektronischen Effekten verfremdet. Und verhallte Gesangssamples scheinen in einen Dialog mit dem tatsächlichen Gesang zu treten. Dennoch ist das Album beileibe keine Wiederbelebung der Chillwave-Phase von Greene. Denn jene nostalgischen Elemente werden raffiniert mit Versatzstücken aus Free Jazz, House und Hip-hop kombiniert und lassen aus dieser Emergenz etwas Neues entstehen.

Um die eher traditionsbestimmten Kompositionsstile zu durchbrechen, habe er bei MISTER MELLOW, so Greene, zu den merkwürdigsten Klängen und Texturen gegriffen und die Abmischung des Albums mit chaotischen Elementen angereichert. Das Ergebnis klingt ziemlich schrill und harsch, wie etwa der Song „Get Lost“ zeigt, bei dem ein monoton hämmerndes Piano und sanfte, sphärische und warme Ambient-Klänge brutal aufeinanderstoßen.

Nirgendwo tritt das chaotische Element, von dem Greene spricht, freilich deutlicher zutage als in der visuellen Komponente, dem vielleicht bemerkenswertesten Merkmal des Albums. Greene beauftragte ein Dutzend Künstler mit der Produktion von Begleitvideos für die zwölf Songs des Albums, in denen ziemlich anarchisch mit Kollagen, Knetanimationen und Stoffpuppen gearbeitet wird. Diese Kurzfilme wirken ihrerseits seltsam chaotisch, bisweilen verstörend und sehr abstrakt, was jedoch andererseits den musikalischen Kern des Albums perfekt visualisiert.


MISTER MELLOW hört sich gelegentlich an, als drohe es in die Vielzahl seiner klanglichen Elemente auseinanderfallen. Doch gerade in der gezügelten Unordnung seiner Klänge liegt auch eine magische Schönheit, die einen unweigerlich in den Bann zieht: Da fällt es einfach schwer weghören und wegzuschauen.

Washed Out
Mister Mellow

VÖ: 30.06.2017
Label: Stones Throw Records
Vertrieb: Groove Attack

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