Jonathan Wilson – WTF?

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Jonathan Wilson

 

Also ich muss ehrlich sagen, ich habe mich doch recht gefreut auf Jonathan. Top-Ten Platzierung in der Rolling-Stone Jahresliste 2013 (Newcomer) mit seinem zweiten Album Fanfare, Platz 50 in den Musikexpress Jahrescharts. Lobhudeleien wohin man schaut, fast hätte ich das Album sogar blind gekauft. Das hat sie also gut hingekriegt, die seriöse Musikjournaille. Eine Rehabilitierung der Hippie-Musik! Ja wenn das nichts wird, dann spiel ich Van Gogh.

 

[was auf Platte mit allerlei grandioser Studioarbeit klappt, kann live ganz leicht abkacken]

Die Platzwahl an der Ecke des Balkons im Bogen F war zwar nicht besonders glücklich, aber immerhin musste ich mich nicht mit den gefühlt 100‘000 anderen im Raum um ein freies Sichtfeld kämpfen. Ich hab’s gut gesehen also und auch gut gehört. Doch was bitteschön musste ich denn sehen und hören?

Okay, die Band ist gut abgegangen. Die Frisuren aller Musiker sensationell Hippie. Eine ganz sympatische Truppe. Nur irgendwie hat der Jonathan gar nicht so recht reinpassen wollen in dieses optische Schema. Er ist eher ein Cowboy. Das mit dem Sehen ging also Grosso Modo in Ordnung und der Klang war auch klar und präzis. Beste Voraussetzungen eigentlich.

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Im Flyer steht dann was von Pink Floyd meets John Lennon und Brian Wilson. Doch genau hier, GENAU HIER, habe ich ein mindestens 10-minütiges Problem. Mindestens so lange wie der Song, wo er tausend Mal „Hey Joe, I wanna see ya“ singt (ich weiss nicht welcher Song es ist, Jimmy Hendrix jedenfalls nicht). Es vergleicht jemand diesen Langweiler mit den hervorragenden Sängern Lennon und Wilson? Mit dem unglaublichen Melodiegefühl von Lennon und Wilson? Ernsthaft? Nicht ein einziges Mal hat Wilson, der langweilige der beiden, auch nur annähernd eine solche Brillanz an den Tag gelegt wie ihm mit den Vergleichen nahe gelegt wurden. Er ist in ein paar Refrains wie etwa bei „Dear Friend“ mild gänsehäutig, aber insgesamt monoton. Und die Texte. Meine Güte. Er ist ein toller Gitarrist, die Band ist extrem solide und spielfreudig, aber die Texte, die sind sowas von langweilig und unwichtig. Weshalb schreibt er überhaupt Songs, wenn er doch nur auf seiner Gitarre rumgniedeln möchte. Wenn es laut wurde und ein wenig psychadelisch, dann passte das Ganze schon mal zusammen, doch schon bald flauten sie wieder ab und verharrten in Leichenstarre im Mid-Tempo-Bereich seiner endlosen Liebeslieder.

Genau so lange wie seine Lieder (bzw. die Solo-Ausschweifungen) war dann auch das Konzert. Geschlagene zwei Stunden. Das ist doch richtig fies. Hey Joe… I wanna see ya… hey Joe…. I wanna see ya…. Seriously? Das ist ein Refrain? 100 Mal wiederholt?

Ich würde hier ja nicht so rumjammern wäre es einfach ein Konzert von einem jungen, talentierten Menschen . Aber es war der übergehypte Jonathan *f……* Wilson. Für den Hype mag er nichts dafür können, aber jetzt hat er halt den Salat!

Na ja, das Album ist nett.

 

Nachtrag: Hippie-Musik benötigt keine Rehabilitierung.

 

 

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