Der Bürgermeister der Nacht tanzte mit den Sternen

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Tanzen, tanzen, tanzen.

Darauf läuft es bei einem Sterne-Konzert fast zwangsläufig hinaus.

Das „Aufwärmtanzen“ konnten wir Seligen im Exil am 11.10.2014 bereits bei „Der Bürgermeister der Nacht“ bestreiten, was natürlich nicht rege genutzt wurde. Sie waren lustig, bisweilen etwas theoretisch aber ungemein unterhaltsam.

Das spärliche Vorbandspublikum würdigte Fynn und Joakim (oder Joakim und Fynn weil beide Bürgermeister sind) am Ende doch noch, verharrte aber während der gesamten Spielzeit in typischer Stehpose im hinteren Halbkreis des Raumes. Vorne stehen sollten bitte Andere.

Ist die NDW zurückgekehrt? Fühlte es sich deswegen ein wenig schief an, diese Musik? Weil vieles ein wenig schräg und sperrig in der Landschaft steht beim Bürgermeister? Fokussierend zwar auf Pop-Strukturen, sind die Texte öfters mal dadaistisch angehaucht, dass man öfters nicht auf Anhieb versteht, ob dies nun was Wirkliches zu bedeuten hat oder ob es Reime sind, die es einfach gibt, die einfach mit sich selbst zufrieden sind.

Wenn ich ihre Single „Alles für die Kunst“ höre, so erinnert es mich entfernt an „Der Plan“, jedoch gebadet in Zugänglichkeit (was im Konzext von Popmusik noch immer sperrig und amateurhaft wirkt). Der Knaller „Paybackzeit in der Opiumhöhle“ hätte wunderbar auf 24/7, der Discoplatte der Sterne gepasst. Insgesamt ist ihr Sound zwischen Keyboard, Laptop und Gitarre erfrischend charmant und die beiden spielen sehr gegensätzliche Rollen auf der Bühne. Der bärbeissige, snobbistische, leicht abschätzig dreinschauende Fynn und Joakim als jugendlicher, sympatischer und sich fast in Rockposen schmeissender Held aus „Good Bye Lenin!“ (echt sensationell vor dem Keyboard in die Knie zu gehen und blind ein paar Töne zu Hämmern als wäre er ein Gitarrengott).

 

Hamburg als Goldgrube

Was man über die Sterne sagen kann? Nun, es war wie üblich eigentlich. Sensationell mitreissend. Alles da. „Wahr ist was wahr ist“, „Von allen Gedanken schätze ich am meisten die Interessanten“, „Risikobiographie“, „Was hat dich bloss so ruiniert“, „Mach mich vom Acker“ und das Mittelset aus drei Songs von 24/7 (Discokugel an), hach, wie gerne wäre ich im Nachhinein bei ihrer letzten Tour dabei gewesen. Alles Knaller. 90 Minuten Glück. So schön kann Pop sein, wenn er ein Quäntchen Punk besitzt und sich beklagt, aneckt, anstelle von Liebeslieder zu säuseln. Mit der Hälfte der neuen Songs (Hirnfick, Innenstadtillusionen, Der Bär) bremsen sich die Sterne zwar ein wenig aus und man merkt, dass diese Songs nicht so recht in ihre Setlist passen (wobei sie sich seltsamerweise prima in ihre neue Platte einfügen), doch das war eigentlich egal. Die Sterne finden viele Gründe sich zu beschweren, dem Besucher ihrer Konzerte fällt das glücklicherweise viel schwerer.

Hach, da gab es natürlich auch noch den Sonnenschirm. Dumm nur, dass ich aus der vierten Reihe nicht bemerkt habe, wie Frank Spilker den Techniker am Boden bei seinem Mic getreten hat. Frank fragte, ob ein Pressemann in den ersten drei Reihen ist, der’s gesehen hat. Knapp verpasst. Da hätte ich doch endlich mal ne Topstory gehabt…

Zeig mir ne bessere (Live-)Band als die Sterne und ich zeige dir einen Lügner.

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