Berge und was uns an ihnen so wahnsinnig fasziniert – Bergfilme

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Eine Auswahl der besten Bergfilme

 

Weshalb man Bergfilme schaut? Wahrscheinlich um den gleichen Kick dabei zu empfinden wie die Protagonisten, welche da oben jeweils ihr Leben auf’s Spiel setzen. Und im besten Fall (wie in „Touching the void“) gelingt es dem Film auch, den Wahnsinn und die Willensleistung auf den Zuschauer zu übertragen. Es gibt unzählige „Berg“-Filme. Als spannende und bahnbrechende Produktionen zur Pionierzeit des Films, als packende Dramen über Verlust und Mut, als krachende Action-Blockbuster oder als Dokumentationen darüber, weshalb es den Menschen immer wieder dort hinauf zieht, trotz Todesgefahr und trotz vielen Expeditionen die tödlich endeten. Sei es in der Schweiz oder anderswo.

Im letzten gefühlten Jahr habe ich 4 grundverschiedene Bergdokumentationen angeschaut, aus 4 verschiedenen Ländern (zufälligerweise aus den Pionierländern des Bergsteigens, UK, Österreich, Deutschland und Schweiz) und alle behandeln ein anderes Thema der menschlichen Psyche, jedoch nicht immer mit neuen Erkenntnissen. Die Vielfalt allerdings ist verblüffend.

 

Mount St. Elias, Österreich, 2009

Der Mensch möchte der erste sein. Er möchte am meisten Geld verdienen, er möchte das schnellste Auto und er möchte halt auch als erster den Mount St. Elias mit Skiern runterfahren. Auch wenn die Chance dabei zu sterben bei mindestens 50% liegt. „Wenn wir das schaffen, dann haben wir vielleicht die längste Skiabfahrt der Welt gefunden“. In der Tat, der Berg ragt viele Tausend Meter vom Meer aus in die Höhe und somit könnte diese These also durchaus stimmen, schliesslich ist es der zweithöchste Berg Nordamerikas. Es erstaunt nicht, dass der erste Versuch von Amerikanern unternommen wurde und tödlich geendet hatte. Es erstaunt auch nicht dass der zweite Versuch dann ein Österreicher unternommen hat. Natürlich strahlt es eine gewisse Faszination aus, quasi live bei diesen lebensmüden Menschen dabei zu sein und weil sie dazu sprechen, weiss man auch dass sie mindestens überlebt haben. Trotzdem bleibt das Gesagte erstaunlich platt. Die Bilder und der Wahnsinn bleiben jedoch und Axel Nämlich, der Hauptakteure in diesem Spektakel, starb nur ein paar Jahre später tatsächlich. In Vorarlberg in einem Flussbeet.

 

 

Zum dritten Pol, Deutschland, 2007

Der Mensch möchte Unbekanntes entdecken, Geschichte schreiben und Pionierarbeit leisten. Der spannende Film „Zum dritten Pol“ greift die fast unglaubliche Geschichte der Bergsteigpionierfamilie Dyhrenfurth auf (Deutsche Einwanderer in die Schweiz, jüdischer Abstammung) welche noch weit vor der Erstbesteigung des Mount Everest, in den 1930ern grosse Expeditionen in den Himalaya unternommen hat. Und nicht bloss, um eine Erstbesteigung zu probieren sondern auch mit einem Psychologen, einem Kameramann, einem Geologen. Schliesslich wollten sie auch Wissenschaft betreiben. Daneben gibt es noch einen unglaublichen Spielfilmdreh in Indien um die Hinreise und den Weg durch Indien zu finanzieren (das wäre mal ein Filmstoff!). Und als Fortführung der grossen Geschichte hat auch Sohn Norman als Kameramann von Bergsteigerfilmen in den 50ern und 60ern Grosses geleistet, sogar die Erstbesteigung des Mt. Everest gefilmt. Hettie schrieb für die Frau Geschichte. Sie war die erste Frau die so hoch hinauf stieg und sie hatte die Logistik bei diesen riesigen Treks unter sich. Das Archivmaterial welches der Film „Zum dritten Pol“ zeigt, ist faszinierend. Die Geschichte der Familie spannend und tragisch. Wegen des geschichtlichen Hintergrundes und der visionären Taten der Dyhrenfurths mein Favorit aus dem Viererpack und unbedingt empfehlenswert.

 

 

Blindsight, UK, 2006

Solidarität. Aus Zugehörigkeit zu einer „Gruppe“ von Menschen sind wir bereit uns zu verbünden. Im besten Falle kommt dabei ein Film namens „Blindsight“ heraus über eine mutige blinde Frau und ihre nepalesischen Schützlinge. Die gebürtige Deutsche welche alleine per Autostopp bis nach Nepal gereist war, möchte den blinden jugendlichen Nepalesen eine Perspektive eröffnen. Als sie von der Erstbesteigung des Mt. Everest von einem blinden Amerikaner hört ist sie angefixt von der Idee, mit einer ausgewählten Gruppe und der Hilfe von ebendiesem Erik Weihenmayer einen Nebengipfel des Everest zu besteigen. Diese Expedition ist der zentrale Punkt der Dokumentation, aber was berührt sind die Geschichten und Schicksale dieser Kinder und Jugendlichen. Wir lernen die Familien etwas kennen, welche teilweise Brutales über die Blindheit ihrer Kinder sagen und wir gehen auf die Suche nach Tashi’s Familie, welche den Jungen vor vielen Jahren in Lhasa ausgesetzt hatte. Was treibt diese Gruppe an, am Ende den Berg besteigen zu wollen? Die gewaltige Aussicht kann es nicht sein. Dieses Thema möchte der Film beleuchten und obwohl man am Ende denkt, dass ohne die Hilfe der Sehenden so etwas nie möglich gewesen wäre, so ist die Tatsache doch beeindruckend. Blindsight, der britische Beitrag dieses Filmquartets ist vielleicht die spannendste Auseinandersetzung mit dem Thema Berg und zeigt im Verlaufe auch viel Ehrlichkeit und verzichtet auf eine „Show“.

 

Berge im Kopf, Schweiz, 2014

Der Berg als Teil der Identität, als Teil der DNA. Ein kleiner Schweizer Film, der letzten Winter im Kino zu sehen war, heisst „Berge im Kopf“ und porträtiert 4 Männer in verschiedenen Lebensaltern, vom abenteuerlustigen Jungspund, der die Eiger Nordwand fast sprintend hinaufklettert (der bekannte Extrem-Bergsteiger Dani Arnold) zum älteren Lawinenforscher welcher sich nicht mehr auf Gipfeln aufhält sondern sich seine eigenen kleinen Gipfel macht indem er Wege geht die zuvor niemand betreten hat. Ein gesetzter Herr, der nach Edelsteinen sucht und ein Himalaya-Bergsteiger der trotz eigener Familie auch weiterhin in den Himalaya reist . Auch wenn er nun vielleicht eher mal aufgibt. Was diese 4 Männer verbindet ist, dass der Berg sich in ihre Seelen eingebrannt hat. Der Film ist gemächlich und in diesem Sinne typisch schweizerisch in seiner Unaufgeregtheit. Das ist manchmal lustig, manchmal nachdenklich und wegen seiner Vielfalt auch oft interessant. Was „Berge im Kopf“ nicht ist, ist spannend. Der Ansatz der vier grundverschiedenen Portraits über Menschen, die die Berge wie die Luft zum Atmen benötigen, ist jedoch erfrischend und dem ältesten Herrn hätte ich auch noch eine Weile zuhören wollen.

 

 

Epilog

Was mich selbst in die Berge treibt ist die Freiheit, die ich dort im Kopf gewinnen kann. Wenn man nicht gleich die 5-Seen-Wanderung macht und im Entenschritt mit der Wanderkolonne mitgehen muss, so ist es doch irgendwie der einzige Ort im Land welcher noch „ruhig“ ist. Die Erholung für den Geist und die Erschöpfung für den Körper sind unverzichtbar.

Titelphoto: Karol Nienartowicz

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