Weltkunstzimmer: DIE WIRKLICHKEIT IST SOWIESO DA

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens präsentiert das WELTKUNSTZIMMER die Ausstellung „Die Wirklichkeit ist sowieso da“ im Rahmen des THE BIG NOW Festivals.

In einer fernen Zukunft und einer weit entfernten Galaxis, in die es die Menschheit neben anderen Spezies verschlagen hat, existiert schon seit undenkbar langer Zeit keine Kunst mehr. Ein Alien, Piet Mondrian zitierend, doziert von der Überwindung der Kunst: „Dann werden wir keine Bilder und Skulpturen mehr nötig haben, weil wir in der verwirklichten Kunst leben.“

Als jedoch eine Spezies beginnt, irdische Kunstwerke aus der Vergangenheit als Geschenke auf einen Planeten zu teleportieren, sehen sich die Behörden gezwungen, diese unbekannten Objekte auszuwerten, zu interpretieren. Dietmar Dath beschreibt in seinem Buch Feldevayé. Roman der letzten Künste eine Revolution, ausgelöst durch die Beschäftigung mit lange vergessenen (Kunst)Objekten, mit Dingen, die ihre Interpretator*innen nicht verstehen, die diese aber wiederum dazu anregen, selbst Dinge kreativ herzustellen, die sie nicht verstehen. Was geschieht also mit uns, wenn wir Kunst neu entdecken?

Alex Grein, Speicher (Detail), 2021. Foto: Berit Schneidereit. Courtesy: die Künstlerin und Galerie Gisela Clement.

Zurück in die Gegenwart, die Aktualität, die Wirklichkeit, das Jetzt, wie immer wir es nennen wollen, in
Realitäten, mit denen Menschen auf wunderbare, brutale, tragische, phantastische, profane, mythische, wie auch-immer Weise konfrontiert sind. Die Definitionen von Wirklichkeit bewegen sich zwischen Ungewissheit und radikaler Konstruktion. Weder die Neurobiologie, die unser Bild von der Wirklichkeit auf Interpretation unterschiedlichster neuronaler Muster zurückführt und das menschliche Gehirn als „Schöpfer*in“ unserer Realität definiert, noch die Physik, in der, nach Heisenberg, die „objektive Wirklichkeit“ längst „verdunstet“ ist, warten mit Verbindlichkeiten auf. Innerhalb dieser Verunsicherung ist es die große Qualität der Kunst, diesen Zustand des Zweifelns produktiv zu verarbeiten, Potentiale zu entdecken, neue Wirklichkeiten zu erfinden und Gegenmodelle zu entwickeln.

Die meisten der hier ausgestellten Arbeiten sind innerhalb der letzten Jahre entstanden, in denen sich die Situation für Künstlerinnen und Produzentinnen teils dramatisch verändert hat, in denen der Stellenwert und die Relevanz von Kunstproduktion und kultureller Teilhabe neu verhandelt wurde. Der Ausstellungstitel spielt mit einer gewissen Larmoyanz – als sentimentaler Abstand zu dem, was sich nicht ändern lässt, als Flucht aus der Wirklichkeit oder dem, was wir dafür halten, sowie als kritisches Potential mit Blick auf die Gesellschaft, das Engagement fordert, andere, alternative Ideen und Möglichkeiten mitzudenken.
Für die Ausstellung sind Künstler*innen eingeladen, die jeweils eine besondere, teils langjährige Beziehung zu Düsseldorf haben, hier studiert, in den verschiedensten Institutionen vor Ort ausgestellt haben, noch immer hier arbeiten oder das Dorf an der Düssel gen Brüssel, Amsterdam, Frankreich, Berlin oder sonst wohin im Rheinland verlassen haben.
Mit Arbeiten von Guy Ben-Ner, Willem Boel, Peter Buggenhout, Rui Chafes, Vajiko
Chachkhiani, Alice Channer, Louisa Clement, Paul Czerlitzki, Bart De Clercq,
Edith Dekyndt, NK Doege, Peter Ewig, Isabella Fürnkäs, Alex Grein, Matthias
Grotevent, Tobias Hantmann, Elmar Hermann, Andreas Johnen, Robert Kraiss,
Schirin Kretschmann, Timo Kube, Stephan Machac, Claudia Mann, Aron Mehzion, Christine Moldrickx, Wolfgang Plöger, Thomas Pöhler, Philipp Röcker, Max Schulze, Juergen Staack, Sebastian Utzni.

Kuratiert von Janine Blöß und Thomas W. Rieger, in Zusammenarbeit mit dem WELTKUNSTZIMMER Team.

Ausstellung „Die Wirklichkeit ist sowieso da“
Eröffnung: 17. August 2022
Dauer: 18. August – 18. September 2022
Do – So 14 – 18 Uhr

Rahmenprogramm der Ausstellung

  1. August 2022 18.00 Uhr Eröffnung
  2. August 2022 19.00 Uhr Konzert The Visitor / Sølyst
  3. August 2022 15.00 Uhr Führung durch die Ausstellung
    18.00 Uhr NUANS: “Tutorial der Wirklichkeit“
  4. September 2022 15.00 Uhr Führung durch die Ausstellung
    19.00 Uhr Butoh-Performance von Yukio Suzuki
    (Butoh-Workshops 2. bis 3. September 2022)
  5. September 2022 19.30 Uhr Konzert HAUSCHKA
    Die Ausstellung ist Teil des THE BIG NOW Festivals mit einem Programm aus Konzerten, Performances, DJ Sets, Workshops und Screenings. Im Festivalzeitraum wird der Hinterhof des WELTKUNSTZIMMERS belebt mit wechselnden Veranstaltungen und einem Biergarten zum Verweilen.
Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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