Vom Verstecken – Suchen und Finden

Zu Ostern beginnt nicht nur in Deutschland die Suche der Kinder nach bunt bemalten versteckten Ostereiern und Süßigkeiten. Niemand weiß genau, wie es zu diesem Osterbrauch gekommen ist, vermutlich weil Kinder seit jeher Freude am Suchen und Verstecken haben.
Erkennbar auch daran, dass wir wahrscheinlich alle als Kinder inbrünstig Verstecken gespielt haben. Inspiriert von einem griechischen Spiel namens „Apodidraskinda“ wurde es zum ersten Mal vom griechischen Schriftsteller Julius Pollux aus dem zweiten Jahrhundert beschrieben.

Obwohl es unmöglich ist, seinen genauen Ursprung zu bestimmen, ist das Spiel von Apodidrakinda das früheste bekannte Beispiel für das Versteckspiel. Es wird genauso gespielt wie heute, wobei ein Spieler die Augen schließt und mitzählt, während sich die anderen Spieler verstecken. Dann versucht der erste Spieler, die anderen Spieler zu finden, bevor sie zur Heimatbasis zurückkehren können.

Verstecken von geheimen Botschaften

Nachrichten geheim halten oder mit Codes versehen – Spione versuchen seit jeher, verschlüsselte oder codierte Nachrichten noch sicherer zu machen, indem sie diese in scheinbar harmlosen Gegenständen verstecken – von der geheimen Wachstafel, die Demaratus, König von Sparta, erfunden hatte, bis hin zu den „Zitronensaft-Spionen“ des Ersten Weltkriegs. Diese Praxis wird als Steganografie bezeichnet.

Wer das nächste Mal in einer Bar einen verschütteten Drink bemerkt, könnte vielleicht live erleben, wie ein Spion eine geheime Botschaft entschlüsselt! Das klingt vielleicht wie etwas aus einem Bond-Film. Doch ein Team aus Israel hat mithilfe ausgeklügelter chemischer Verfahren einen Weg gefunden, gewöhnliche Chemikalien wie Cola als Verschlüsselungscode für das Ver- und Entschlüsseln versteckter Nachrichten einzusetzen.

Im Fall der unsichtbaren Zitronensaft-Tinte ist die Chemie recht einfach. Man schreibt die Nachricht mit Saft, und wenn dieser trocknet, verschwindet der Text. Erhitzt man ihn jedoch, reagieren die Säuren der Zitrone mit dem Zucker und karamellisieren… Quelle: https://www.nature.com/articles/ncomms11374

Und selbst wenn Spione im echten Leben kaum jemand zu Gesicht bekommt, haben Kinder oft versucht, ihnen nachzueifern – so zum Beispiel Wörter rückwärts gesprochen, ein cooler Trick namens phonetische Umkehrung. Zum Beispiel klingt englisch „Kiss“ rückwärts wie „sick“, und so klingt der Titel von Yoko Onos „Kiss Kiss Kiss“ rückwärts wie „Sick Sick Sick“ oder nachlässig gesprochen „Six Six Six“.

Versteckte Botschaften in Musiktiteln

Oder der Hype um das Phänomen „Paul ist tot“, der unter anderem dadurch entstand, dass eine phonetische Umkehrung von „Number nine“ (die Worte wurden in „Revolution 9“ ständig wiederholt) als „Turn me on, dead man“ interpretiert wurde.

Kurz nach der Veröffentlichung von „Abbey Road“ wurde das Cover Teil der Verschwörungstheorie „Paul is dead“, die sich an den US-amerikanischen Universitäten verbreitete. Anhänger dieses Gerüchts glaubten, das Cover zeige die Beatles, wie sie in einem Trauerzug aus einem Friedhof kommen.

Die Vorstellung klingt abwegig, bis man sich die Details genauer ansieht. so symbolisierte der ganz in Weiß gekleidete Lennon eine religiöse Figur, der schwarz gekleidete Ringo Starr war der Leichenbestatter, der barfüßige und aus dem Takt geratene McCartney war die Leiche und Harrison in Jeans war der Totengräber. Der Linkshänder McCartney hält eine Zigarette in der rechten Hand, was angeblich auf einen Betrüger hindeuten soll, während das Nummernschild am Volkswagen die Ziffern 28IF trägt – was bedeutet, dass McCartney 28 Jahre alt gewesen wäre, wenn er noch am Leben wäre.

Ein anderes Beispiel ist das Cover von Michael Jacksons Album „Dangerous“ (1991). Es ist ein faszinierendes Netz voller Symbole, kunstvoll gewoben vom Meister des Surrealismus, Mark Ryden. Jeder Zentimeter wimmelt von versteckten Figuren und rätselhaften Anspielungen, von Verweisen auf Jacksons Kindheit und Karriere bis hin zu allgemeineren Aussagen über Ruhm und die Unterhaltungsindustrie. Die Augen, die hinter einer Maske hervorblicken, deuten auf die Spannung zwischen Jacksons öffentlicher Rolle und seinem privaten Ich hin.

Nun ist es kein Geheimnis mehr: Paul McCartney lebt und macht weiterhin Musik, denn bald bringt er ein brandneues Album heraus. Also, Vorsicht bei vorschnellen Schlüssen!

Manchmal ist es jedoch schön, zu träumen und sich vorzustellen, dass ein bestimmter Musiktitel im Radio ausschließlich für einen selbst gespielt wird und der Musiker, die Musikerin eine Botschaft im Lied verborgen hat. Das verstärkt genau das, was Musik so magisch macht – sie führt direkt ins Herz und zaubert Emotionen hervor. Deswegen besitzt sie dieses magische Etwas.

Damit wünschen wir jetzt schon frohe Ostern, einen lieben Osterhasen und viel Glück beim Suchen, egal wonach!

Image by Julita from Pixabay

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

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