Afrikanische Malerei und Skulptur sind seit den frühen 2000er Jahren zunehmend in europäischen Galerien und auf Messen wie der 1-54 in London oder der AKAA in Paris sowie in Auktionshäusern wie Bonhams vertreten, das seit 2007 spezielle Sales für Modern and Contemporary African Art anbietet. Drei Traditionen prägen das Bild dieser Szene besonders stark: die aus Tansania stammende Tingatinga-Malerei, die Shona-Kunst aus Simbabwe und die Bildsprache der Ndebele aus dem südlichen Afrika. Jede dieser Schulen folgt eigenen Materialien, Bildregeln und Entstehungskontexten, die für eine präzise Einordnung von Bedeutung sind.
Tingatinga: Die Schule aus Dar es Salaam
Edward Saidi Tingatinga, geboren 1932 im Süden Tansanias, ist die geistige Quelle der Tingatinga-Malerei. Ab etwa 1968 arbeitete er in einem Vorort von Dar es Salaam mit Fahrradlack auf quadratischen Masonitplatten, traditionell im Format 60 mal 60 cm. Nach dem Tod Tingatingas 1972 setzte zunächst seine Familie den Stil fort. 1990 wurde dann die Tingatinga Arts Cooperative Society im Stadtteil Oysterbay gegründet, heute zählt sie mehrere Dutzend Künstlerinnen und Künstler.
Wer Gemälde kaufen oder originale Werke aus dieser Schule direkt bei zertifizierten Galerien oder Kooperativen erwerben will, sollte auf eine signierte Rückseite, eine Materialangabe und einen Herkunftsnachweis achten. Motivisch dominieren die Tierwelt Ostafrikas, Dorfszenen, mythologische Figuren wie der Mchawi, eine Gestalt aus der Swahili-Folklore. Die Bildsprache verzichtet weitgehend auf Tiefenperspektive, arbeitet flächig und mit gesättigten Primärfarben.
Shona: Eine Bildtradition zwischen Stein und Leinwand
Die Shona-Kunst aus Simbabwe ist zwar primär durch Steinbildhauerei bekannt, hat aber auch das Verständnis afrikanischer Malerei mitgeprägt. Den Anstoß gab 1957 Frank McEwen, erster Direktor der National Gallery in Salisbury, dem heutigen Harare. Seinen autodidaktischen Künstlern verdankt diese Richtung eine ganze Generation von Plastiken, darunter Joram Mariga, Henry Munyaradzi und Nicholas Mukomberanwa. Zu nennen wäre auch die Künstlerkolonie Tengenenge, gegründet 1966 von Tom Blomefield etwa 150 km nördlich von Harare, wo vor allem mit Serpentinit, Springstone und Opalstein gearbeitet wird, die aus den Gebirgen um Guruve und Nyanga stammen.
Die Themen kreisen um Ahnen und Geister aus der Mythologie der Shona und das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. In diese Bildwelt dringen etwa zeitgenössische shona-malende Künstlerinnen wie Portia Zvavahera, die seit 2020 bei der Galerie David Zwirner international vertreten ist und deren Arbeiten seitdem regelmäßig bei Sotheby’s und Phillips gehandelt werden, auch zu sechsstelligen Hammerpreisen 2023.
Ndebele: Geometrie als Bildsprache
Im südafrikanischen und simbabwischen Raum entwickelten die Ndebele seit dem späten 19. Jahrhundert eine Wandmalerei, die geometrische Formen, scharfe Konturen und kontrastreiche Farbflächen kombiniert. Zunächst wurden dazu Hauswände mit Erde, Asche und Ocker bemalt, traditionell mit Fingern und Hühnerfedern.
Die bekannteste Vertreterin ist die 1935 in Middelburg, im heutigen Mpumalanga, geborene Esther Mahlangu, die 1991 als erste afrikanische Künstlerin und Frau einen BMW Art Car schuf. Die Reihe hatte vorher schon Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein hervorgebracht. Mahlangu übertrug die Ndebele-Ästhetik auf Leinwand und erschloss damit ein internationales Sammlersegment. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen wie dem Centre Pompidou oder dem Smithsonian National Museum of African Art vertreten.
Die Übertragung auf Leinwand folgt strengen Regeln: Symmetrische Komposition, Verwendung von Acrylfarben in Schwarz, Rot, Gelb, Blau und Weiß, kein Vorzeichnen. Jüngere Malerinnen wie Francina Ndimande oder Cassandra Modisapodi reihen sich in diese Tradition ein und entwickeln sie auf Leinwandformaten weiter.
Hinweise für den Einstieg in eine Sammlung
Drei Dinge erleichtern den Einstieg in den Aufbau einer Sammlung afrikanischer Malerei. Erstens die Provenienz. Werke aus den Kooperativen TACS, Tengenenge oder direkt aus dem Atelier kommen in der Regel mit Echtheitszertifikat, das Künstlername, Entstehungsjahr und Technik dokumentiert.
Zweitens der Blick auf Materialien. Echte Tingatinga-Arbeiten entstehen weiterhin auf Masonit, nicht auf Leinwand. Shona-Skulpturen tragen häufig eingravierte Künstlersignaturen am Sockel, und Ndebele-Leinwände sind in der Regel rückseitig mit Atelieradresse und Datierung versehen.
Drittens hilft ein Abgleich mit Auktionsdatenbanken wie Artprice oder dem Archiv von Strauss and Co, das seit 2009 in Johannesburg und Kapstadt spezialisierte Sales für afrikanische und südafrikanische Kunst durchführt. Wer diese drei Kriterien systematisch anwendet, lernt schnell, zwischen touristischer Replik und ernstzunehmender Sammlungsware zu scheiden, und kann sich so Schritt für Schritt einer der vielschichtigsten Kunstregionen der Welt annähern.
Titelbild: Image by Thomas G. from Pixabay







