Tim Allhoff – MORLA

Tim Allhoff in eine Genreschublade zu stecken, fällt schwer. Seit Jahren gehört der Münchner mit Wurzeln in Augsburg zu den wichtigsten Pianisten der deutschen Jazzszene, hat mit Größen wie Jeff Ballard, Nils Landgren, Dieter Ilg, Nils Wülker und anderen zusammengearbeitet und ist auf den diversen Festivals wie Elbjazz, Rheingau Musik Festival und den Ingolstädter Jazztagen immer wieder ein häufiger und gern gesehener Gast. Der mehrfache Preisträger (ECHO JAZZ, Bayerischer Kunstförderpreis, Neuer Deutscher Jazzpreis), hat sich zudem als moderner klassischer Komponist einen Namen gemacht. Mit seinem Soundtrack für den Film „Sleepless“ hat er sich mittlerweile sogar in Hollywood etabliert.

Elegantes Ausloten musikalischer Zwischenwelten

Die Freude an der Erkundung von musikalischen Zwischenwelten, in denen sich unterschiedliche Stile begegnen und klangfroh mischen, hat ihn schon früh ausgezeichnet. In Augsburg geboren und aufgewachsen, erhielt Allhoff eine klassische Ausbildung am musischen Sankt Stephan Gymnasium, die seine Liebe zur klassischen Musik prägte. Seinen Abschluss am Münchener Konservatorium hat er dann als Jazzpianist gemacht und sich fortan in beiden Welten bewegt.

Kein Wunder, dass die Playlist seiner Lieblingsmusikstücke bunt gemischt ist und neben den Englischen Suiten von Bach, die Beatles, Radiohead und Miles Davis enthält. Dass er sich elegant und sicher sich zwischen den Genres bewegen kann, zeigt auch Allhoffs neues, soeben erschienene Album MORLA, für das er sich mit dem Berliner Leonkoro Quartett und dem Violinisten Niklas Liepe vorzügliche musikalische Mitstreiter ins Studio geholt hat.

Spannendes Kaleidoskop verschiedener musikalischer Einflüsse

Die sechzehn Stücke sind eine gelungene Mischung aus Eigenkompositionen und Auszügen aus dem Werk alter Meister wie Schumann („Schumann Explorations“), Mendelssohn-Bartholdy („Schäfers Klagelied (op. 67/5“) und Bach, („Organ Sonata No. 4), die tief berühren und Emotionen wecken. Manche Melodielinien sind aber auch mit frechen Popsplittern versehen oder setzen dezent jazzige Akzente.

Einflüsse von Brahms und Schubert sowie vom Jazz findet man im titelgebenden Song „Morla“, einer Eigenkomposition des Pianisten.

Der Song „In the Wee Small Hours of the Morning“ ist eine Jazzballade, die von Frank Sinatra und anderen gesungen wurde und mittlerweile zu den Jazzstandards gehört.

Der Opener “Death with Dignity“ stammt aus der Feder des amerikanischen Singer-Songwriter und Multiinstrumentalisten Sufjan Stevens, den der Pianist besonders verehrt. Im Song geht es um das Recht auf ein Sterben in Würde. Behutsam tastet sich Allhoff durch die Noten der zarten Melodie, intim und persönlich, spielt mit Leichtigkeit und Grazie, gleitet hin zu den sublimen Streicher-Passagen des Leonkoro Quartetts; dann verlangsamt sich das Tempo bis der Song mit wenigen dahingehauchten Klaviertupfern leise ausklingt.

Wichtige stimmungsvolle Akzente setzt das Streichquartett auch bei Allhoffs Kompositionen „Day of Leaving“ und „Lea’s Song“, während bei seiner Komposition „For Iori“ Niklas Liepes Violine für sehnsuchtsvolle Klänge sorgt.

Ungehemmter Spielfluss kennzeichnet demgegenüber das vorlaute Stück „Gigue“ aus, ein barocker Tanz mit irischen Wurzeln, dessen Pianolinien vor Übermut und Lebensfreude nur so sprudeln.

Mit seinem exzellenten Album MORLA legt Tim Allhoff eine vorzügliche Sammlung an Kompositionen vor, die eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmungen auslöst und einmal mehrdeutlich machen, warum der Pianist in der ersten Liga deutscher Jazzmusiker mitspielt.

Tim Allhoff „Morla“ VÖ: 20.05.22  Neue Meister | Edel

Standardbild
Hans Kaltwasser
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