SIZE MATTERS. GRÖSSE IN DER FOTOGRAFIE

Wie ausschnitthaft unsere Wahrnehmung ist und wie sie von der künstlerischen Fotografie verrückt werden kann, zeigt die heute öffnende Ausstellung „„Size Matters. Größe in der Fotografie“ im Kunstpalast in Düsseldorf. Alles ist relativ und längst haben wir es aufmerksam registriert, die Bildwelten haben den Größenregler verstellt. Dinge, die nur unter dem Mikroskop groß erscheinen, hat sich die Fotografie bemächtigt und mehr noch: sie werden hervorgehoben, aus dem Zusammenhang gerissen, überhöht und umgedeutet, deutlicher wahrnehmbar und studierbar, oder verschwimmen vor den Augen. Die Ausstellung „Size Matters. Größe in der Fotografie“ beleuchtet darüber hinaus, dass auch ein erheblicher Bedeutungswandel mit den Größenverschiebungen in der Fotografie einhergeht.

Julius Stinde, Kopf der Kreuzspinne, Tafel VI (Aus: Blicke durch das Mikroskop), 1870, Albuminabzug, 8,2 × 8,1 cm, Kunstpalast, Düsseldorf


Von allen Medien vermag die Fotografie am einfachsten ihren Umfang zu ändern. Sie ist anders als in der Malerei an keine feste Größe gebunden. Deshalb kann sie leichtfüßig zum Großbild auf der Museumswand anwachsen, aber auch zum Thumbnail auf dem Handyscreen schrumpfen. Miniaturwelten entstehen, Dinge, die eben noch klein waren, werden lebens- und überlebensgroß und Unsichtbares sichtbar. Inszenierungen katapultieren uns in andere Sphären.

Jan Dibbets, Final C, 2020, Tintenstrahldruck, 125 × 250 cm, Kunstpalast, Düsseldorf, © Jan Dibbets, VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Kunstpalast – LVR-ZMB – Joshua Esters


Die Fähigkeit des Mediums zu manipulieren hat sich in den letzten Monaten, seit die KI verstärkt in den Fokus getreten ist, gezeigt: Deep-Fake Fotos verwirren und zeigen Personen in Situationen, die es nie gab. Die Schau SIZE MATTERS. GRÖSSE IN DER FOTOGRAFIE im Kunstpalast zeigt sie nicht, dafür aber neben hervorragenden 90 Werken aus ihrer Sammlung bedeutende nationale und internationale Leihgaben. Darunter von Künstler*innen wie Bernd und Hilla Becher, Andrea Gurski , Georg Pahl, Sigmar Polke, Thomas Ruff, Katharina Sieverding, Katrin Sonntag, Wolfgang Tillmans und viele andere. Sie alle machen sichtbar, dass gerade die dimensionale Beweglichkeit dem Medium Wirksamkeit in kulturellen, sozialen und politischen Kontexten verleiht.

Eine sehr sehenswerte Ausstellung, die vom 1.2. – 20.5.2024 im Kunstpalast Düsseldorf zu besichtigen ist und zudem ein breites Begleitprogramm anbietet.

Titelbild: Wolfgang Tillmans, Kunstverein, 2007, Edition of 1 + 1 AP (EP), ungerahmter Tintenstrahldruck, 138 × 207,5 cm, Courtesy Galerie Buchholz

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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