Sindre Kvalheim – SEARCHING

Auch wem der Begriff Yacht Rock nicht geläufig ist, dürfte den unverwechselbaren Sound kennen, den einst Bands wie Boston, die Eagles, die Doobie Brothers, Steely Dan, Fleetwood Mac und vor allem Toto bekannt gemacht haben: eine raffinierte Mischung aus Funk, Jazz und R&B, die das lässige Lebensgefühl Kaliforniens spiegelte. SEARCHING, das neue Album von Sindre Kvalheim, ist eine tiefe Verbeugung vor dieser sanft klingenden, sorgfältig produzierten Musik von der US-Westküste, die in den 1970er-Jahren aufgetaucht, dann aber schnell wieder in Vergessenheit geraten war.

Keyboarder, Multiinstrumentalist, Produzent, Arrangeur

Kvalheim ist ein Mann mit vielen Talenten, der bereits seit seiner Kindheit komponiert und über die Jahre hinweg ein breites und stilistisch vielfältiges Repertoire an Stücken gesammelt hat. Einer, der das Rampenlicht eher scheut und sich stattdessen lieber im Studio vergräbt, um an seinen Klanglandschaften zu basteln.

Eine Zeit lang hat er mit Rappern wie Baby Bash zusammengearbeitet. Mit seinem Doppelalbum SEARCHING zieht Kvalheim jetzt eine Zwischenbilanz aus seinen langjährigen musikalischen Erfahrungen, produziert seine eigene Musik, deren großen Melodien, schwebenden Harmonien, Gitarrensoli und schimmernden Keyboards den Charme des Yacht Rock wieder aufleben lassen.

In den Texten geht es überwiegend um romantische Themen wie Einsamkeit, eine unglückliche Liebe oder Sehnsucht nach Liebe und Freundschaft oder um Heimweh. Unterstützt wird Kvalheim von einer handverlesenen Band aus hochkarätigen norwegischen Studiomusikern, die allesamt ihre Meriten gewonnen haben: den Bassisten Jonny Sjo (u.a. D’Sound, Macy Gray, a-ha und Rebekka Bakken); den virtuosen, präzisen Schlagzeuger Kim Ofstadt (u.a. D’Sound, Macy Gray) und die Gitarristen Børge Petersen-Øverleir und Bjøn Helge Syre, die mit ihrer souveränen Gitarrenarbeit für eine dichte atmosphärische Stimmung sorgen. Die Sänger*innen Linda Vincent, Jørn Trollebe Kvalheim, Paul Inge Angelshaug und Stein Hauge verleihen mit ihrem souligen Gesang den Songs einen besonderen Glanz. 

Man kann über den Sinn, die gleichen Songs als Live-Version auf einer zweiten, dem Album beiliegenden CD zu veröffentlichen, trefflich streiten. Ihren je eigenen Charme entfalten beide auf ihre Weise. Während die Lebendigkeit des Konzertmitschnitts vor allem dank der intensiven Gitarrensoli des norwegischen Musikers Bernd Rune Stray tiefe Emotionen weckt, schält die entsprechende Studioversion feinste akustische Details heraus, die im Live-Sound untergehen.

Zwei Titel ragen aus dem ansonsten überwiegend mit gefühlvollen Stücken gefüllten Doppelalbum heraus: der schnörkellose Rocksong „Back to the 90’s“ und das funkige „Get up“. Beide zeigen, dass sich zum Yacht Rock nicht nur schön kuscheln, sondern auch hervorragend tanzen lässt.  

Das Album ist am 27.01.2023 beim Label Künstlerhafen/Edel & Kontor New Media erschienen

Standardbild
Hans Kaltwasser
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