RUSCONI „Live in Europe“

Marken wecken Emotionen und Sehnsüchte. Ob feine Schokolade, edle Uhren oder solide Banken, die Schweiz hat eine ganze Menge international renommierter Brands. Doch der Kleinstaat im Herzen Europas hat weitaus mehr zu bieten als allerlei Kulinarisches, Chronometer und Präzisionsinstrumente. Denn Musikkennern gilt die Schweiz seit Jahrzehnten längst als Inbegriff für hervorragenden europäischen Jazz, der sich mit Namen wie George Gruntz, Charlie Antolini, Nicolas Masson oder Franco Ambrosetti und vielen anderen verbindet.
Unter den jüngeren schweizerischen Jazzmusikern, die den Ruf des Landes als Marke für exzellenten Jazz untermauern, gehört ohne Zweifel das Jazz-Trio RUSCONI, das seit Jahren die Jazzszene weit über die Landesgrenzen hinaus begeistert. Sechs Studioalben, über 300 Konzerte überwiegend in Europa und Asien, zwei Echo Jazz – über Lob und Anerkennung kann sich die Band wahrlich nicht beklagen.
Dabei will ihre eigenwillige Musik nicht so recht in eine bestimmte Schublade passen. Stefan Rusconi (P, Synth, Voc), Fabian Gisler (B, Voc) und Claudio Strüby (Dr, Perc, Voc) haben ihre ganz eigene Kompositorik und Klangsprache geschaffen, die wiewohl fest im Jazz verwurzelt, lustvoll enge Genregrenzen sprengen und kühn zwischen Anarchie und Ordnung, zwischen freier Improvisation und fester Struktur hin und her oszillieren. RUSCONI klingen erfrischend originell und beackern ein breites musikalisches Terrain, in dem sich Einflüsse von Free Rock und Noise ebenso finden wie Groove, Electronica und Garagen-Jazz. Die unkonventionelle Kombination von Instrumenten, wortlosen Stimmen und präparierten Instrumenten machen RUSCONI zu einer Band, die mit ihren unvermittelten Wechseln von kraftvollen Klangwelten zu leisen, subtil melodischen Passagen immer wieder für Überraschungen und außergewöhnliche Live-Auftritten sorgt.

Das neue Album der Band, „RUSCONI + FRED FRITH. Live in Europe“, das sechs Mitschnitte im Züricher Moods Club und beim NRD in Hamburg vereint, fängt diese Atmosphäre sehr schön ein. Verstärkt wird die Band hier durch den britischen Multiinstrumentalisten Fred Frith, den RUSCONI als Gastmusiker dabeihaben und der die Band mal mit innovativem, mal mit laut explodierendem Gitarrenspiel wunderbar ergänzt. Von allen Tracks des Albums illustriert wohl das Stück „Tempelhof“ jene grenzüberschreitende Herangehensweise wohl am besten, die für die Band sprichwörtlich ist.
Das hochgradig infektiöse Klavierspiel Rusconis im Intro, unterstützt vom rhythmischen Händeklatschen der Band, macht Fabian Gisler federndem Bass Platz, der herrlich swingt wie Ray Brown. Doch kaum findet das Stück zu seinem Thema zurück, bricht der Song abrupt ab. Mit großer Intensität brennt demgegenüber das Stück „Berlin Blues“, das den Zuhörer in spannende Klangwelten entführt, während Gislers kratzender, mit einem Bogen bearbeiteter Bass für ein überraschendes Ende sorgt.
Marken wecken Emotionen und Sehnsüchte? Die Marke RUSCONI weckt vor allem die Lust, diese extrem experimentierfreudige Band im Konzert einmal live zu erleben. Wem das mangels Gelegenheit nicht möglich ist, dem ist mit  diesem exzellenten Album bestens gedient.

www.rusconi-music.com

RUSCONI + Fred Frith

Live in Europe

Label: Qilin Records
Vertrieb: Broken Silence
VÖ: 22.01.2016

Live-Termine:

03.04.2016 Wien – Porgy&Bess
06.04.2016 Berlin – Badehaus Szimpla
07.04.2016 Hamburg – Nochtspeicher
08.04.2016 Essen – Grillo Theater
11.04.2016 Nürnberg – Tafelhalle
13.04.2016 München – Milla Club
15.04.2016 Friedrichshafen – Casino

Foto: Benjakon

Standardbild
Hans Kaltwasser
Artikel: 375

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