Ronen Steinke – Antisemitismus in der Sprache

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Antisemitismus hat viele Gesichter und er ist unerträglich. Wenn er wie vor einigen Tagen mit roher Gewalt und Tötungsabsicht daher kommt, fällt es leichter, ihn zu identifizieren. Doch es gibt den leisen, versteckten und manchmal auch ganz offenen Antisemitismus, der sich über die Sprache verbreitet.

Manchen bereitet es schon Schwierigkeiten, das Wort Jude auszusprechen, weil es durch die Schreckensherrschaft der Nazis durch den Nationalsozialismus negativ behaftet ist. Der Autor des Buches „Antisemitismus in der Sprache“, Ronen Steinke, weiß zu berichten, dass selbst Journalisten und jüdische Kolumnisten sich davor drücken ihn auszusprechen.

Worte setzen etwas in Bewegung und sind selten neutral

Wenn Beleidigungen oder Drohungen ausgestoßen werden, ist der Antisemitismus klar zu benennen. Viele Wörter sind Bestandteil unserer Sprache, ohne dass wir ihre Herkunft und wirkliche Bedeutung kennen. Werden sie gebraucht wie etwa „Tacheles“ oder Schlamassel, so wissen wir was damit gemeint ist. Tacheles leitet sich vom hebräischen „tachlit“ ab; wenn wir es benutzen, wollen wir Klartext reden.

Das ist okay und in anderen Sprachen ebenfalls so passiert. Englisches Vokabular hat auch in ähnlicher Weise Eingang in unsere deutsche Sprache gefunden. Doch das aus dem Jiddischen stammende Wort „Mischpoke“ für Familie wird oft missbräuchlich verwendet. Oder „mauscheln“. Das Wort ist im 17. Jahrhundert entstanden und abgeleitet von Mauschel und hat rein gar nichts mit der Bedeutung zu tun, in der es bei uns gebraucht wird. Es ist vielmehr die jiddische Form des Vornamens Moses – hebräisch Mosche. Es ist bei uns abfällig gemeint, wobei die meisten derjenigen, die es aussprechen, offenbar nicht wissen, woher es stammt.

Auch klärt uns Ronen Steinke über den Begriff Antisemitismus auf, wo er herkommt, dass er pseudowissenschaftlich ist und Juden damals so wie heute auch geografisch in die Fremde schickt.

Sprache als wichtiges Kommunikationsmedium braucht den lebendigen Dialog. Sie stellt eine Verbindung zwischen den Menschen her, sie verändert und wandelt sich. Sprachliche Diskriminierung kann nur verhindert werden, wenn die Akteure miteinander reden.

Eine wichtige Streitschrift, die aufklärt und zum Nachdenken anregt.

Über den Autor
Ronen Steinke, 1983 in Erlangen geboren, ist einer der profiliertesten politischen Journalisten der jüngeren Generation und unter anderem innenpolitischer Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Er studierte Rechtswissenschaft in Hamburg und Tokio. Nach seiner Biografie über Fritz Bauer entstand der preisgekrönte Kinofilm „Der Staat gegen Fritz Bauer“. Zuletzt erschien sein Buch „Terror gegen Juden: Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt“.

Antisemitismus in der Sprache

Autor: Ronen Steinke

ISBN: 978-3-411-74375-9
Format: 10,5 x 19,0 cm
Seiten: 64
Marke: Duden
Erscheinungsjahr: 2020

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