Wer in den nächsten Tagen nach Berlin kommt und Fotografie-Ausstellungen liebt, darf diese spannende Schau im Museum für Fotografie auf keinen Fall verpassen! In unmittelbarer Nähe zur großen Retrospektive „Rico Puhlmann“. Fashion Photography 50s–90s“ (bis 15.2.2026), die zu sehen natürlich unverzichtbar ist, präsentieren sechzehn Fotografie-Studierende des Lette Vereins Berlin neue fotografische und filmische Arbeiten, die sich auf vielfältige Weise mit dem Werk des Modefotografen auseinandersetzen.
Zeitgenössische Mode – teils von Berliner Desig-ner*innen – wird neu in Szene gesetzt. Moderne Silhouetten treffen auf postmoderne, durchscheinende Stoffe auf robustes Leder, knal-lige Farben auf klassisches Schwarzweiß.

„Was kann Modefotografie heute sein?“ war eine der zentralen Fragen des Seminars von Ina Schoof am Lette Verein Berlin. Ausgangspunkt für die Studierenden des zweiten und dritten Ausbildungsjahres war ein offe-ner Dialog mit den Werken des international renommierten Modefotogra-fen Rico Puhlmann (1934-1996), der für Modemagazine wie „Brigitte“, „Constanze“, „Harper’s Bazaar“, „Glamour“ und „GQ“ tätig war. Puhl-manns Schaffen mit seiner klaren und präzisen Bildsprache, seine kraft-vollen Inszenierungen im öffentlichen Raum, seine Männerbilder sowie die New Yorker Modefilme boten für die Studierenden zahlreiche Bezugs- und Reibungspunkte.

Kritisch befragt wurden auch der Zeitgeist und die gesellschaftlichen Normen der 1950er bis 1990er Jahre, die sich über die Modebilder vermitteln.
Die neu entstandenen Modestrecken der Studierenden greifen daher so-wohl ästhetische als auch gesellschaftliche Aspekte auf: Sie hinterfragen Castingpraktiken, reflektieren Körperbilder und Geschlechterrollen oder thematisieren das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Repräsenta-tion im öffentlichen Raum – insbesondere aus postmigrantischer und fe-ministischer Perspektive. So schaffen sie eine Auseinandersetzung mit Fragen von Identität, Stil und gesellschaftlicher Zugehörigkeit, die neue Blickwinkel auf ein traditionsreiches Genre wirft.
In vielen Arbeiten wird auch die Stadt als Ort der Mode sichtbar – mit ihren architektonischen Strukturen ebenso wie als sozialer Raum. Wie schon bei Rico Puhlmanns Arbeiten ist sie nicht nur Kulisse, sondern eigenständiger Akteur innerhalb der inszenierten Bildwelten. Die Fotografien der Studierenden laden dazu ein, die Wandlungen von Mode, Raum und Körpern nachzuvollziehen und neu zu interpretieren.
Mi 11 – 19 Uhr, Do 11 – 20, Fr – So 11 – 19 Uhr
Rico Reframed New Perspectives on Puhlmann’s Fashion Photography im Museum für Fotografie, Jabenstr. vom 16.1.2026 bis 25. 2. 2026







