Richard Mosse in der Kunsthalle Bremen

Der irische Fotograf Richard Mosse (*1980) hält seit einem Jahrzehnt weltweit politische und ökologische Krisen fest. Seine Fotografien vom Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo bekommen, da der aktuell wütende Krieg in der Ukraine eine schreckliche neue Realität für uns geworden ist, eine noch größere Intensität.

Seine großformatigen Fotografien brechen mit den traditionellen Formen der konventionellen Reportagefotografie und der zeitgenössischen Konzeptkunst. Denn Mosses fotografische Perspektive auf Konflikte ist innovativ. Er erschafft sie über seine Techniken, indem er Kodak Aerochrome verwendet, ein Falschfarben-Infrarotfilm, der ursprünglich für Vegetationsaufnahmen aus der Luft und für die militärische Aufklärung gedacht war. Sie werden auch eingesetzt, um getarnte Ziele zu identifizieren. Damit benutzt der Werkzeuge, die ursprünglich mit Zerstörung assoziiert werden. Er widmet sie um und behandelt so Themen wie kriegerische Konflikte, Einwanderung und Klimawandel.

Lost Fun Zone 2012 Serie Infra – digitale C-Print Courtesy of the artist. Jack Shainman Gallery New York und earlier Gebauer | Berlin /Madrid

Seine Fotos bekommen einen irrealen Touch, wenn Gras, Bäume und Soldatenuniformen in kräftigen Lavendel-, Karmesin- und Rosatönen erscheinen. Spannungsvoll changieren die Fotografien zwischen Ästhetik und aktueller politischer wie auch ethischer Brisanz.

Werkschau aus seinen vier großen Projekten

Die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen ist die erste umfassende Werkschau des Künstlers in Deutschland. Mehr als 70 ausgewählte Fotografien aus seinen bisherigen vier großen Werkgruppen „Infra“ (2010–2014) aus dem Kongo, den „Heat Maps“ (2016–2018) mit Bildern von europäischen Flüchtlingscamps bis zu seinen aktuellen Serien „Ultra“ (2019/20) und „Tristes Tropiques“ (seit 2020), in denen er sich mit der systematischen Zerstörung der Amazonas-Regenwälder auseinandersetzt.

Eine neue Videoarbeit aus dem „Tristes Tropiques“-Werkkomplex ergänzt die Auswahl der Fotografien. Sie zeigt aus der Luft aufgenommene Videoaufnahmen vom Waldgebiet im brasilianischen Bundesstaat Rondônia.

Richard Mosse lebt in New York. 2013 vertrat er sein Heimatland Irland auf der Biennale in Venedig. 2014 erhielt er den Deutsche Börse Photography Prize und 2017 den Prix Pictet.

Die Ausstellung ist bis 31. Juli 2022 in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Termine:

Di. 05.04.2022, 19-20 Uhr: Kuratorinnen-Führung mit Dr. Eva Fischer-Hausdorf
Do. 28.04.2022, 13-13:15 Uhr: Kunstpause mit Dr. Eva Fischer-Hausdorf
Di. 03.05.2022, 19-21 Uhr: Lesung und Autorinnengespräch mit Paula Macedo Weiß: „Mein Leben in Brasilien“
Di. 07.06.2022, 19-21 Uhr: Künstlergespräch (auf Englisch), Dr. Clémentine Deliss im Gespräch mit Richard Moss

Titelbild: Vintage Violence, Eastern Democratic Republic of Congo, © Richard Mosse, courtesy of the artist and Jack Shainman Gallery, NY

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Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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