Die UN-Kampagne „Orange the World“ macht seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam: vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte.
Denn die Zahlen sind erschreckend hoch – 132 Frauen wurden 2024 durch ihren (Ex-) Partner getötet. Weniger als alle vier Minuten erlebte eine Frau partnerschaftliche Gewalt. Zur Anzeige gebrachte frauenfeindliche Straftaten nahmen um 73 Prozent zu. UN Women Deutschland fordert eine umfassende politische Gesamtstrategie und Gleichstellung auf allen Ebenen.
„Die aktuellen Zahlen zur Partnerschaftsgewalt in Deutschland erschüttern erneut und machen unmissverständlich klar, dass Partnerschaftsgewalt kein Einzelschicksal ist. Sie ist ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft. Wir müssen handeln: Benachteiligende Strukturen sind konsequent abzuschaffen, um Mädchen und Frauen zu schützen, um Leben zu retten!“, sagt Dr. Carolin Weyand, Vorständin von UN Women Deutschland.
Laut den heute veröffentlichten Bundeslagebildern „Häusliche Gewalt 2024“ sowie „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024“ des Bundeskriminalamts (BKA) brachten 171.069 Personen Partnerschaftsgewalt zur Anzeige, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 80 Prozent der Betroffenen waren weiblich; unter den Tatverdächtigen sind Männer weiterhin deutlich überrepräsentiert. 132 Frauen wurden vom ihrem (Ex-)Partner getötet (2023: 155 Frauen), fast jeden Tag fand ein Tötungsversuch statt.
558 frauenfeindliche Straftaten wurden 2024 verzeichnet, ein Anstieg von 73,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Digitale Gewalt nimmt weiter zu
61,2 Prozent der registrierten Opfer digitaler Gewalt waren weiblich. 2024 brachten 18.224 Frauen digitale Gewalt zur Anzeige, sechs Prozent mehr als im Jahr 2023. Im Kontext von Partnerschaftsgewalt stieg die Anzahl der Opfer von digitaler Gewalt gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent auf 4.876 registrierte Fälle.
Erweiterung des Gewaltschutzgesetz wichtiger Schritt, aber nicht genug
UN Women Deutschland begrüßt den Beschluss des Kabinetts vom 19.11.2025, das Gewaltschutzgesetz zu erweitern und den Schutz von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen zu verbessern. Die vorgesehenen Maßnahmen – die Einführung der elektronischen Aufenthaltsüberwachung sowie der Ausbau der Täterarbeit – stellen wichtige Schritte für einen besseren Schutz vor Gewalt dar. Um geschlechtsspezifische Gewalt mit ihren vielfältigen Folgen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene zu verringern und langfristig zu beenden, braucht es jedoch dringend weitere, umfassende Maßnahmen.
Forderungen UN Women Deutschland
Um geschlechtsspezifische Gewalt nachhaltig zu beenden und um die Unabhängigkeit von Frauen und Mädchen in all ihrer Vielfalt zu stärken, fordert UN Women Deutschland eine umfassende politische Gesamtstrategie und Gleichstellung auf allen Ebenen;
- eine schnelle und konsequente Umsetzung, ausreichende Finanzierung und den Ausbau des Gewalthilfegesetzes, so dass es ALLEN Frauen und Mädchen gerecht wird;
- ein umfassendes Gesetz gegen digitale Gewalt; die Anerkennung und entschlossene Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt als gesamtgesellschaftliches Problem.







