Nils Wülker – ZUVERSICHT

Für sein 16. Album hat der deutsche Jazz-Trompeter Nils Wülker zum ersten Mal einen deutschen Titel gewählt. Gleichzeitig verbindet er damit das positive Statement, in dieser von Krisen geschüttelten Zeit nur ja nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft fallen zu lassen. Positiv ist denn auch die Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch die Musik zieht.

Das Album umfasst elf elegante Eigenkompositionen, die auf Melodie, wirkungsvolle Wechsel in Tempo und Feel und Ostianti setzen, allesamt einnehmend und schön geschrieben. Über der grundsoliden Rhythmusbasis schwebt Wülkers strahlende Trompete begleitet von einem hochkarätigen internationalen Ensemble, das nie zuvor gemeinsam gespielt hat: Linda May Han Oh am Kontrabass, Aaron Parks am Klavier und Gregory Hutchinson am Schlagzeug. Jeder von diesen drei hat irgendwann einmal mit renommierten Jazz-Musikern gearbeitet, etwa mit Thelonious Monk, Pat Metheney, Wynton Marsalis, Kurt Rosenwinkel und anderen. 

Das Quartett spielt dynamische, melodiöse, luftige Jazzlinien, die ohne jegliche Anleihen an klassische Romantik oder Pop-Ästhetik auskommen, und zeigt dabei ein breites Spektrum an Ausdrucksweisen. Dynamische Songs wie der Opener „All Hands On Deck“ stehen neben einfühlsamen Balladen wie „Time Will Tell“, bei denen sich Wülker als Meister auch der leisen Töne erweist, oder kraftvollen,  funky Stücken wie „Forces At Work“. Ein Highlight unter vielen ist gewiss das Stück „Second Nature“: Flügelhorn und Bass eröffnen unisolo, bevor Linda May Han Oh in einem fulminanten Solo gefühlvoll die dicken Saiten ihres Basses reibt oder zupft, um sich schließlich mit dem Flügelhorn wieder musikalisch zu vereinen.

Neu an diesem Album, das das Ensemble im renommierten Hansa Studio in Berlin in nur dreieinhalb Tagen eingespielt hat, ist nicht nur der deutsche Titel. Neu ist auch, dass es weniger musikalisch durchstrukturiert ist als manche seiner Vorgängeralben. Anstelle der komplexen Orchesterarrangements von „Continuum“ oder der langwierigen Synthie- und Elektrotüffteleien von „GO“ gibt Wülker hier seinen musikalischen Partnern Raum für spontane Interaktionen und Improvisationen.

Dem Album hat es gut getan. ZUVERSICHT ist ein ausgesprochen vielseitiges, vorzügliches, spannendes und stimmungsvolles Werk geworden, das nicht nur Wülker-Fans gefallen dürfte.

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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