New Releases am Freitag

Heute stellen wir zwei Alben vor, die besonders Jazzfans interessieren werden: Simon Oslender und Band sowie der Gitarrist Marcus Deml.

Simon Oslender, Steve Gadd, Will Lee, Bruno Müller – ON A ROLL

Seit seinem hochgelobten Debütalbum „About Time“ aus dem Jahr 2020 hat der Jazzmusiker Simon Oslender einen Lauf. Vielleicht hat dieser anhaltende Erfolg den jungen Aachener dazu bewogen, sein neues Live-Doppelalbum ON A ROLL zu nennen. 14 Songs enthält es, die bei Konzerten seiner ausverkauften „All That Matters“-Tour aus dem vergangenen Jahr mitgeschnitten wurden.

Zu hören sind hier vier Ausnahmemusiker, die die weitgesteckten Grenzen ihrer hohen Kunst ausloten: Simon Oslender (Piano, Orgel, Keyboards), die legendären Veteranen Steve Gadd (Schlagzeug) und Will Lee (Bass) sowie Bruno Müller (Gitarre). Als illustre Gäste sind auf einigen Aufnahmen dabei Nils Landgren (Posaune) und Jakob Manz (Altsaxofon).

Die Band spielt eine unfassbar eingängige und explosive Mischung aus Jazz, R&B, Soul, Gospel und Funk, die ins Ohr und die Beine geht. Schon der Opener „Signed, Sealed, Delivered“, ein fast elfminütiges Cover eines Songs von Stevie Wonder, zeigt, wohin die Reise geht. Die überbordende Spiellaune springt einem förmlich aus allen 14 Stücken entgegen, bei denen die Musiker wie aus einem Guss spielen, aber auch reichlich Raum für ausgedehnte Soli haben.

Wer im vergangenen Jahr die Band verpasst hat, für den dürfte dieses vorzügliche Album, das auch mit perfektem Sound besticht, ein willkommener Ersatz.

On The Roll Label Leopard | VÖ.: 7.11.2025

Marcus Deml – PURE

Mit seinem erfolgreichen Solo-Debütalbum „Healing Hands“ erhielt der Gitarrist Marcus Deml vor einiger Zeit viel Lob von der Fachkritik. Jetzt legt der in Prag geborene Wahlhamburger nach. PURE heißt sein neues Werk, das heute bei seinem Eigenlabel Tripl Coil Music erschienen ist. Vor seiner Arbeit als Solist war Deml ein international gefragter Sideman, der auf mehr als 400 Alben an der Seite von Künstlern wie Bobby Kimball (Toto), John Wetton, Rick Ashley, Michael Sadler (SAGA) und vielen anderen zu hören ist.

Demls Spiel geht über eine rein technische Meisterschaft hinaus, weckt Erinnerungen an so große Namen wie Jimi Hendrix, Jeff Beck und Carlos Santana. Mit dem Klang der Saiten seiner Fender Strat erzählt der Musiker lebendige Geschichten. „Die Finger sind die Sänger“, schreibt er treffend im Booklet, das dem sorgfältig gemasterten Album beiliegt.

Der atmosphärisch dichte Opener „Budapest“ ist eine schöne Liebeserklärung an die ungarische Hauptstadt. Auf Stücken wie „Rusty Leaves“, über das von filmischer Spannung brodelnde „Persecución“ und das bluesgetränkte „Csárdás Blues“ bis hin zum melodisch-kontemplativen Titelsong „Pure“ zeigt sich Deml durchweg als brillanter Virtuose, dessen Songs sich elegant zwischen Rock, Blues, und Funk bewegen und eine perfekte Symbiose aus Power und Kreativität darstellen.

Unterstützt wird Deml kompetent von erfahrenen Musikern: Achim Rafain (Bass), Felix Dehmel (Schlagzeug) und Tom Aeschbacher (Keyboards), die mit ihren Instrumenten eine solide Grundlage für Demls neun Kompositionen schaffen. Einen Gastauftritt hat zudem die Sängerin Betty Balue, die bei zwei Stücken („Only Half A Step“) und „Just Roll With It“) für eine besondere Stimmung sorgt.

Marcus Deml | Pure | Label Triple Coil Music VÖ.: 7.11.2025

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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