Neu im Kino: It’s Never Over, Jeff Buckley

Vor fast drei Jahrzehnten starb Jeff Buckley unter nie ganz geklärten Umständen. Viele stellen ihn heute in eine Reihe mit Bob Dylan und Bruce Springfield, obwohl er zu seinen Lebzeiten nur ein einziges Album vollendete. Jetzt hat die preisgekrönte US- Regisseurin Amy Berg dem Musiker, der im Schaffen wie im realen Leben als rätselhaft galt, einen fesselnden Dokumentarfilm gewidmet: IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY wirft einen einfühlsamen, eindringlichen Blick auf ein tragisch früh beendetes Leben.  

Bergs Film nutzt ausführliches, bislang unveröffentlichtes Archivmaterial, um das Leben Buckleys zu beleuchten, von seiner Kindheit über seinen Aufstieg in der New Yorker Avantgarde-Szene der 1990er Jahre bis hin zur Veröffentlichung seines gefeierten Debütalbums „Grace“ im Jahr 1994. Ausführliche Interviews mit den Menschen, die Buckley am besten kannten, gewähren zudem einen intimen Einblick in das Leben des Sängers und Songwriters. Dazu gehören seine temperamentvolle Mutter Mary Guibert, die ihn allein großzog und die in vielerlei Hinsicht die große Liebe seines Lebens war; seine Ex-Partnerinnen Rebecca Moore und Joan Wasser, seine Bandkollegen und Musiker wie Ben Harper und Aimee Mann, mit denen Buckley befreundet war.

Der Film geht auch auf eine kurze Begegnung mit seinem Vater ein, dem Folksänger Tim Buckley, der ihn und die Mutter alleingelassen hatte, als Jeff noch ein Säugling war, und der mit Ende 20 an einer Überdosis Heroin starb.

Jeff sollte im etwa gleichen Alter sterben, als er am 29. Mai 1997 im Wolf River Harbor in Memphis, Tennessee, im Alter von nur 30 Jahren ertrank. Voll bekleidet war er ins Wasser gegangen, um zu schwimmen, als er von der Strömung des Flusses und dem Wellengang eines vorbeifahrenden Schiffes unter Wasser gezogen wurde. Seine Bandkollegen trafen noch am selben Tag in Memphis ein, um mit den Aufnahmen zu seinem zweiten Album „My Sweetheart the Drunk“ zu beginnen. Der Gerichtsmediziners stellte fest, dass Buckleys Tod ein Unfalltod war und sich keine Spuren von Alkohol oder Drogen im Körper des Musikers befunden hätten. Dennoch bauschte die Presse die Tragödie sogleich gewaltig auf, insinuierte andere Faktoren und zog Vergleiche mit dem frühen Tod des Vaters.

Über die eigene Sterblichkeit hat Jeff Buckley wohl oft nachgedacht. In einem denkwürdigen Clip wird er gefragt, wo er sich in zehn Jahren sehen würde. Er sehe sich in zehn Jahren gar nicht, sagt der Musiker mit gesenktem Blick und merkwürdig unruhig. Da lacht sein Bandkollege und legt ihm aufmunternd eine Hand auf die Schulter.  Buckley versucht, ein Lächeln zu erzwingen, doch seine Miene bleibt ernst.

Bergs IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY hat kein Interesse daran, den Musiker als eine zum Scheitern verurteilte, tragische Figur darzustellen, die den Mythos des „Klub 27“ um ein weiteres Mitglied bereichert. Nein, der Film ist vielmehr ein sensibles, berührendes Porträt eines Künstlers und Menschen, der sein kurzes Leben irgendwie vorausgesehen hat und die Welt verschlang, solange er konnte. Unbedingt sehenswert, nicht nur für Fans von Jeff Buckley.

Ab 9. April in ausgewählten Kinos zu sehen

Titelfoto © Magnolia Pictures

Hans Kaltwasser
Hans Kaltwasser
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