Musikalischer Rückblick und einen guten Rutsch ins Jahr 2023

Ein nur kleiner Rückblick auf das Musikjahr 2022 mit Songs aus Alben, die wir unter vielen anderen sehr bemerkenswert finden. Viel Spaß und einen guten Rutsch ins Jahr 2023 wünscht Der Kultur Blog!

Anäis Mitchell – Bright Stars

Die zehn Tracks ihres selbstbetitelten Albums offenbaren Anäis Mitchell einmal mehr als überaus talentierte Erzählerin und Sängerin. Als Musiker begleiten sie unter anderen Thomas Bartlett und Aaron Dessner. Über ihre Schwangerschaft und ihren Ortswechsel von Brooklyn in ihre Heimat Vermont, wo ihre Wurzeln, singt sie in ihrem Song „Bright Star“. Die zehn Songs des Longplayers erzählen Anaïs eigene Geschichten und doch auch die vieler anderer Frauen. Verpackt sind sie in einen warmen, sanften und wohltönenden Folk und alle beweisen ihr ganzes Können.

Paolo Nutini – Everywhere

Der Song „Everywhere“ ist einer der fantastischen Songs von Paolo Nutini aus seinem am 1. Juli erschienenen Album „Last Night In The Bittersweet“. Es ist sein bisher musikalisch umfangreichstes Album und zeigt einmal mehr, was für ein genialer Sänger, Songwriter, Produzent und Allround-Musiker er ist. Nutinis Musik ist sehr authentisch und er versteht es mühelos, seine Musik auf eine emotionale Ebene zu heben und seine Zuhörer*innen zu fesseln.

Kutiman – Love You Tomorrow

Sein neues Album „Open“, das am 14. Oktober 2022 veröffentlicht wurde, ist eine Geschichte der vollständigen Absorption von Klangfusionen und das sechste Studioalbum des gefeierten Komponisten, Produzenten, Filmemachers und Multi-Instrumentalisten Kutiman. Es ist eine süchtig machende und unwiderstehliche Reise mit zwölf Tracks, die Elemente von klassischem Soul, nahöstlicher Psychedelik, Afrobeat, Thai-Funk, Jazz-Fusion, kosmischen Library-Soundscapes und mehr enthalten.

Melody Gardot „The foolish heart could love you“

Die Single “This Foolish Heart Could Love You” ist ein zauberhafter Song aus dem Album ‘Entre Eux Deux’. Der Titel bedeutet so viel wie „Zwischen den beiden“. Philippe Powell ist einer der beiden und der musikalische Partner Gardots. Ein in Frankreich geborener brasilianischer Pianist, Komponist und Musikproduzent, Sohn des berühmten brasilianischen Gitarristen Baden Powell. Es ist das erste Mal, dass Gardot ein Duo-Album aufgenommen hat, bei dem sie singt und am Klavier begleitet wird. Nicht nur dieser Song lässt eine sehr große musikalische Harmonie zwischen den beiden Künstlern erkennen.

Lady Blackbird – Feel it Comin

Lady Blackbird, die fantastische Sängerin aus L.A., veröffentlicht in diesem Jahr die „Black Acid Soul – Deluxe Edition“ und damit eine neue Version ihres bahnbrechenden Albums. Das neu verpackte Werk enthält 11 zusätzliche neue Songs – darunter auch ihre Version von Shirley Basseys „I Am What I Am“ sowie die an beste Motown-Zeiten erinnernde und mahnende Single „Feel It Comin“.

Black Eyed Peas – Don’t You Worry

Die Black Eyed Peas sind eher lautstark, aber sehr erfolgreich damit. Das haben sie im Laufe ihrer Karriere zeigen können. Sie sind dabei ihrem bereits 1995 ausgearbeiteten Masterplan gefolgt. Die Band setzte jeden einzelnen Schritt dieses Plans entschlossen und zielstrebig um. Das aus 15 Titeln bestehende Album „Elevation“ ist ein weiterer logischer Schritt und der Auftakt zu einer neuen Ära. Den Song „Don’t You Worry“ aus dem neuen Album sollte sich jeder zu Herzen nehmen und gefällt sicher den meisten Musikfans.

Bugge Wesseltoft – tide

Man kennt den norwegischen Pianisten und Keyboarder Bugge Wesseltoft mit seinen gnadenlos vorantreibenden Rhythmen. Hier schraubt er seine ungezügelte Klangwucht zurück und kehrt zu einer immer ein wenig schwermütig, sinnierend und meditativ klingenden Musik zurück. Mit seinem ruhigen, lyrischen Klavierspiel, das alle überflüssigen Noten eliminiert, spendet er auf seinem Album be am: Trost in unruhigen Zeiten und vermittelt einen Strahl Hoffnung.


Dieter Ilg Trio – „Pavane pour une défunte“

Wenn sich die beiden großen Genres Klassik und Jazz verbinden, dann ist Dieter Ilg, einer der wichtigsten Jazz-Kontrabassisten der Welt, ganz nah dabei. Mit elektrisierender Vitalität, technischer Brillanz und Hingabe interpretierte er bereits klassische Komponisten wie Verdi, Wagner und Beethoven und überführte sie in den Jazz. Aus seinem neuen Album „Ravel“ hier das wunderschöne Stück des Dieter Ilg Trios „Pavane pour une défunte“

Simon Oslender – Shining Bride

Manche halten ihn schlicht für ein Wunderkind. Ein Ausnahmetalent, das vor zwei Jahren mit seinem Debütalbum „About Time“ das mediale Interesse über Nacht auf sich zog und inzwischen von einer immer größer werdenden Jazz-Fangemeinde gefeiert wird, ist er allemal: Simon Oslender, der 24-jährige Aachener Pianist, Keyboarder und Hammondorganist. Zu Recht, wie die zwölf melodiösen Eigenkompositionen seines zweiten Albums beweisen, die leichthändig und gekonnt zwischen Funk, Blues und Jazz mäandern. Aus seinem Album „Peace of Mind“ ist dieser elegant tänzelnde, melodiöse Song „Shining Bright“

Nils Wülker – Munich Afternoon

Nach Ausflügen in Pop, Hip Hop und elegante Elektronik arbeitet der umtriebige Jazztrompeter auf seinem zwölften Album zum ersten Mal mit Symphonikern zusammen. Anders als bei vergleichbaren Kollaborationen zwischen Jazz und Klassik dient das Münchner Rundfunkorchester nicht der Versüßung von Jazzstücken mit bombastischen Streichern. Orchester und Rhythmusgruppe treten hier in einen spannenden, gleichberechtigten Dialog, über dem Wülkers wunderschön filigranes Trompetenspiel schwebt.

„Munich Afternoon“, eine herrlich hymnisch-relaxt klingende Komposition des Wahlmüncheners aus seinem Album „Continuum“.

Tara Nome Doyle – Caterpillar

Das Album der englischen Musikerin Tara Nome Doyle mit norwegischen Wurzeln war eine der großen Überraschungen des Jahres 2022. Sparsame, sanfte Klavierlinien, Streicher, pulsierende Beats und eine Harmonium-Orgel bilden das Fundament für Doyles expressiven und nuancenreichen Gesang. In ihren hohen Stimmlagen und kühnen Phrasierungen erinnert sie bisweilen an Florence and the Machine, wenngleich sie auf die Theatralik ihrer britischen Kollegin verzichtet. In den Texten geht es nicht wirklich um Ungeziefer. Blutegel, Raupen, Schnecken und Würmer sind vielmehr Metaphern für toxische, zum Scheitern verurteilte Beziehungen. Ein ausdrucksstarker Titel aus ihrem Album „Værmin“.


Henri Texier – Besame Mucho

Wie für viele andere Musiker markierte der Lockdown auch für den französischen Kontrabassisten Henri Texier einen tiefen Einschnitt: keine Konzerte, kein Publikum. Doch er hatte seine Musik. Mit seinem Sohn Sébastien traf er sich regelmäßig, um Standards oder alte Stücke zu spielen, die sie schon lange nicht mehr gespielt hatten. Das aus diesen zwanglosen Sessions entstandene Material beschlossen sie gemeinsam mit dem Schlagzeuger Gautier Garrigue im Pariser Club Le Tritont ohne Publikum aufzunehmen. Die acht Tracks des wunderbaren Albums umfassen neben Klassikern wie Monks „Round About Midnight“ auch drei neue Kompositionen und Coverversionen aus früheren Alben von Texier.

„Besame Mucho“ (Consuelo Velazques), das durch seinen reizvollen Dialog zwischen den gefühlvoll gezupften Klängen des Kontrabasses und einer weichen, wehmütigen Saxofonlinie besticht.

Genreübergreifende, elektronische Neuinterpretationen: Fragments Erik Satie

Den radikalen Bruch Saties mit der Musik seiner Zeit kann man vor allem in seinen populären Klavierstücken wie „Trois Gnossiennes“ oder „Gymnopédies“ hören. Diese und andere Klavierstücke sind auf diesem exzellenten Album in fulminanten Neuinterpretationen durch einige der kreativsten Köpfe der Elektroszene der Gegenwart wie Dominik Eulberg, Henrik Schwarz, Pantha du Prince und Christian Löffler enthalten, an denen der geistreiche und unangepasste Exzentriker Satie vermutlich seine helle Freude gehabt hätte.
An Einspielungen von Saties Werken herrscht wahrlich kein Mangel. Manche mögen entbehrlich sein. Diese gewiss nicht: Pièces froides: II. Danses de travers, 2. Passer (Two Lanes Rework)

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
Artikel: 2709

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.