MORGEN IST AUCH NOCH EIN TAG von Paola Cortellesi

Auch auf diesen Film MORGEN IST AUCH NOCH EIN TAG, das fulminante Regiedebüt der italienischen Schauspielerin und Moderatorin Paola Cortellesi, können sich besonders Kinofans subtiler, wichtiger und berührender Geschichten freuen. Denn das Thema, das Paola Cortellesi, eine der dynamischsten und vielseitigsten Künstlerinnen Italiens inspiriert hat, besitzt leider immer noch Aktualität. Denn allein im Jahr 2023 wurden in Italien mehr als 100 Femizide registriert. Auch bei uns in Deutschland stirbt im Durchschnitt jeden dritten Tag eine Frau nur deshalb, weil sie eine Frau ist.

Das Regiedebüt proklamiert aber keinen Feminismus mit erhobenem Zeigefinger, sondern erzählt von den vielen kleinen Schritten auf dem langen Weg zur Emanzipation. Im Genre wechselt die Regisseurin dabei immer wieder zwischen Drama und Komödie. Es ist ein lakonischer, schulterzuckender Humor, mit dem die Frauen in dieser repressiven Zeit unter dem Radar tyrannischer Männer zusammenhalten, eine leichte, geradezu beiläufige weibliche Solidarität angesichts der Übermacht des Patriachats mit seinen überkommenen Rollenvorstellungen. Vorstellungen, die sich bis heute halten. Deshalb löste der Film, obwohl angesiedelt im Rom der Nachkriegszeit in Italien eine große Debatte aus, und Paola Cortellesi wurde unversehens zur informellen Sprecherin einer neuerlich mobilisierten Bewegung im Kampf gegen männliche Gewalt. Denn diese Geschichte aus den Vierzigerjahren führt direkt zu den Verhältnissen der Gegenwart. Paola Cortellesi führt Regie, schrieb das Drehbuch und spielt Hauptrolle spielt.

INHALT
Rom, 1946 nach der Befreiung vom Faschismus. Delia (Paola Cortellesi) ist die Frau von Ivano (Valerio Mastandrea) und Mutter dreier Kinder. Zwei Rollen, in die sie sich voller Hingabe fügt. Obendrein bessert sie die Haushaltskasse mit vielen kleinen Hilfsarbeiten auf, um die Familie über Wasser zu halten. Ivano hingegen fühlt sich berechtigt, alle daran zu erinnern, wer der Ernährer ist. Nicht nur mit Worten. Körperliche und psychische Gewalt gehören für Delia zum Alltag. Bis ein mysteriöser Brief eintrifft, der ihr den Mut gibt, alles über den Haufen zu werfen und sich ein besseres Leben zu wünschen, nicht nur für sich selbst …

Am 4. April 2024 im Verleih von TOBIS Film kommt MORGEN IST AUCH NOCH EIN TAG in die deutschen Kinos.

Delia (Paola Cortellesi, rechts) mit ihrer Freundin Marisa (Emanuela Fanelli).
Copyright: TOBIS Film

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
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