Misty soll auf einem Flug von San Francisco über Denver nach Chicago entstanden sein – begleitet von einem spektakulären Regenbogen und zarten Regenvorhängen, die elegant vorbeizogen. Erroll Garner ließ die Ballade zunächst ungeschrieben und spielte bei den ersten Shows sogar mit Akkorden und Takt, als wäre es ein musikalisches Abenteuer. Erst 1955 fand der Song seine endgültige Gestalt: 32 Takte, die Liedform A-A‘-B-A‘ und die Tonart Es-Dur – so klingt er bis heute!
1955 zauberte Johnny Burke mit „Misty“ einen Text, der sofort eine neblige, geheimnisvolle Atmosphäre heraufbeschwört. Doch anstatt in der Vergangenheit zu schwelgen, zeigt der Text, dass Liebe und Zärtlichkeit viel bedeutender sind als das Grübeln über das Gestern. Dann würden auch „tausend Geigen spielen“ – als ob die ganze Welt ein Konzert gibt!
Vor siebzig Jahren feierte der Song beim legendären Newport Jazz Festival seine glanzvolle Premiere – ein Jahr nach seiner Entstehung. Jacob Collier performte den Song auf seine eigene Art und für Quincy Jones auf dem diesjährigen Newport Jazz und brachte ihn so zurück.
Misty – Jazzstandard und meistgespielter Hit des 20. Jahrhunderts
Schon früh avancierte das Stück zum Jazzstandard und wurde von Größen wie Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan (1959), Billy Eckstine (1960), Frank Sinatra, Peggy Lee, Dakota Staton, Etta James, June Christy und Carmen McRae neu interpretiert.
Pianisten wie Ahmad Jamal, Duke Jordan, George Shearing, Oscar Peterson oder John Hicks haben dem Stück ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Ben Webster, Benny Waters, Dexter Gordon, Eddie Lockjaw Davis, Ricky Ford und Dave Koz zauberten Saxophoninterpretationen, die wirklich ins Ohr gehen.
1964 zauberte Bob Brookmeyer zusammen mit Stan Getz und Herbie Hancock diesen Song ins Studio. Die Five Trombones um Frank Rosolino ließen „Misty“ gemeinsam mit den Four Freshmen in neuem Glanz erstrahlen. Sogar Gitarristen wie Jim Hall (1976) oder Larry Coryell (1993) haben das Stück präsentiert und damit ihre eigene Note verliehen.
„Misty“ ist Garners beliebteste Komposition geworden. Die American Society of Composers, Authors and Publishers hat diesen Song zu einem der 25 meistgespielten Hits des 20. Jahrhunderts gekürt. Es gibt kein Lied, das seit 1954 veröffentlicht wurde und öfter von Jazzkünstlern aufgenommen wurde, außer „Satin Doll“. In Clint Eastwoods Thriller Play Misty for Me (1971) spielte der Song eine Schlüsselrolle.
Und so hört er sich an, wenn Ella Fitzgerald ihn singt.
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