Michael Brecker Band & Randy Brecker Band

Dieses Album ist ein NDR-Mitschnitt eines in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Jazzkonzertes der beiden Brüder Michael und Randy Brecker aus dem Jahre 1987 in der kultigen Hamburger Fabrik, das jetzt erfreulicherweise als Doppel-CD und auf Vinyl vorliegt. Historisch bemerkenswert, weil die beiden Brüder zehn Jahre nach Auflösung ihrer erfolgreichen The Brecker Brothers Band zum ersten Mal wieder gemeinsam auf der Bühne standen – wenngleich jeder mit seinem eigenen Ensemble.  Bemerkenswert in musikalischer Hinsicht, weil Michael und Randy Brecker an diesem Abend zur Höchstform auflaufen und noch einmal zeigen, welch große Virtuosität, technische Meisterschaft und musikalische Gestaltungskraft in ihnen steckte.

Unterstützt wurden sie dabei von herausragenden Musikern: Bei Michael Brecker brilliert Mike Stern an der Gitarre, Jeff Andrews am Bass, Joey Calderazzo an den Keyboards und Adam Nussbaum am Schlagzeug.

Mit Randy Brecker teilen die Bühne der Saxofonist Bob Berg, David Kikoski am Klavier, Joey Baron an den Drums und zum ersten Mal seiner mittlerweile langen, erfolgreichen Karriere Dieter Ilg am Bass.

Beim Zuhören der gesamten CD beschleicht einen unwillkürlich das Gefühl, als seien die beiden Brüder hier in einen leidenschaftlichen kreativen Wettstreit getreten, bei dem jeder versucht, den anderen zu übertreffen. Die Michael Brecker Band eröffnet auf CD 1 mit dem Stück „Nothing Personal“, einer Komposition des US-Jazz-, Fusion- und Pop-Pianisten Don Grolnick, die schon beinahe ein früher Höhepunkt des Konzertes ist. Das Tempo ist zügig, die vorformulierte Bassfigur im 2/2-Takt, lässt das Thema deutlich hervortreten. Tenorist Brecker und Gitarrist Stern versuchen sich mit dynamischen Soli gegenseitig zu überbieten.

Stern steuert an dem Konzertabend gleich zwei Kompositionen bei: das leichtfüßige „Choices“, bei dem Brecker Miles Davis mit einigen Phrasierungen auf humorvolle Weise nachahmt. Und das energiegeladene, hart rockende Stück „Upside, Downside“, dessen einzelnen Teile jedoch nicht so recht zusammenpassen wollen. „My One and Only Love“, ein jazzgeschichtlicher Meilenstein von John Coltrane, ist dagegen eine im langsamen Tempo vorgetragene Ballade mit eleganter Phrasierung, deren Melodie von Breckers Tenorsaxofon lyrisch-gehaucht eingespielt wird. Beim Stück „Original Rays“, das seinen Titel der berühmten New Yorker Pizzakette verdankt, erweist sich Michael Brecker sich abschließend als faszinierender Virtuose am EWI, einem elektronischen Blaswandler, der auch Akkorde zulässt, und dem der Saxofonist geradezu außerirdische Klänge entlockt.    

Auf gleich hohem musikalischen Niveau ist der Auftritt der Randy Brecker Band, den CD 2 enthält. Den Saxofonpart der ehemaligen Brecker Brothers Band nimmt hier der versierte US-Musiker Bob Berg ein, der im Stück „Search“ mit einem fulminanten Solo eine Kostprobe seines technischen Könnens bietet.

Das Quintett strahlt unbändige, überbordende Energie und Drive aus und setzt bemerkenswerte Akzente, sowohl bei jedem Solo als auch geschlossen als Band. Das gilt besonders für den Song „There is a Mingus A Monk Us“, den das Ensemble mit nie nachlassender Spannung darbietet. Brecker und Berg zetteln mit ihrem unisono Zusammenspiel ein wahres harmonisches Feuerwerk an. Kikoski löst die Akkordwechsel in immer neuen Facetten auf, über denen die Bläser Freiräume erhalten, die sie mit strahlenden und fetzigen Alleingängen auf ihren Instrumenten perfekt zu nutzen wissen. Derweil  entfacht Joey Baron am Schlagzeug ein Feuer, das die beiden immer weiter vorantreibt, während Ilg mit seinem knorrigen Bass die Fliehkräfte der drei tapfer zusammenhält.

Für Bebop-Fans im Allgemeinen ist dieses exzellente Album, das zudem noch mit hervorragender Klangqualität aufwartet, ein Muss. Für Fans der Brecker-Brüder sowieso.  

Das Album ist bereits am 7.10. veröffentlicht worden EPK-Link: https://t1p.de/fzbxm

Standardbild
Hans Kaltwasser
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