MAX BECKMANN – weiblich-männlich in der Hamburger Kunsthalle

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Max Beckmann. weiblich-männlich untersucht erstmals die zahlreichen, oft widersprüchlichen Rollen von Weiblichkeit und Männlichkeit in den Werken von Max Beckmann (1884–1950), einem großen Künstler der Moderne und kraftvollen Interpreten seiner Zeit. Mit rund 140 Gemälden, Plastiken und Arbeiten auf Papier zeigt die Ausstellung die eindrucksvolle Breite des Themas und ermöglicht ein tieferes Verständnis von Beckmanns facettenreicher Kunst.

(1943) von Max Beckmann [1884 – 1950]
Odysseus, Gestalt aus der griechischen Mythologie (Odyssee)
Hamburger Kunsthalle
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Elke Walford

Sind Beckmanns Bilder heute noch aktuell?

Die Ausstellung befragt Beckmanns Bilder sowohl auf ihre historische Bedeutung als auf ihre Aktualität für unsere Zeit. Seine prägnanten Selbstdarstellungen, seine Doppelbildnisse mit den Ehefrauen, die repräsentativen Porträts seiner Förderer und Mäzeninnen sowie mythologische und biblische Figurenbilder machen Grundkonstanten menschlichen Zusammenseins eindrucksvoll erfahrbar: Sie zeigen Begehren, Hingabe und Widerstreit, Macht und Ohnmacht, Freiheitsdrang und Verschmelzung.


Bildnis einer Rumänin (Bildnis Frau Dr. Heidel), 1922
Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
© SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Elke Walford

Individualität als Verbindung weiblicher und männlicher Anteile bei Beckmann

Beckmann schrieb Geschlechterrollen fest und öffnete sie zugleich, er fand Zartheit in Frauen- und in Männerfiguren, Schlagkraft in der Heldin wie im Helden. Fasziniert von den Mythen verschiedenster Kulturen, kannte er die uralte Vor-stellung, dass Frau und Mann aus einem einzigen, androgynen Geschlecht her-vorgingen, nach dessen Einheit man sich auf ewig zurücksehnt. Darüber hinaus las und kommentierte er zeitgenössische, bis heute diskutierte Schriften von Carl Gustav Jung und Otto Weininger, die Individualität als Verbindung von weiblichen und männlichen Anteilen erklärten. Von sich selbst zeichnete Beckmann gern das Bild eines mannhaft entschlossenen Weltendeuters, das bis heute die Wahrneh-mung seines Werks dominiert und sich einem offeneren Verständnis seiner viel-schichtigen Kunst entgegenstellt.

Während der Ausstellungslaufzeit werden Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen ihren Arbeitsplatz in die Ausstellung verlegen und ihren Blick auf Beckmanns Kunst und auf Geschlechterfragen einbringen. Neben der Kuratorin der Ausstellung und dem Direktor der Hamburger Kunsthalle werden die Gesprächspartnerinnen aus den Bereichen der Literatur-, Sozial- und Erziehungswissenschaft, Philosophie und Theologie für einen Dialog mit den Besucher*innen anwesend sein. Die Blickwechsel finden jeweils sonntags von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr statt.

Am 15. Januar 2021 veranstaltet die Kunsthalle zudem ein öffentliches, international besetztes Symposium zur vielfältigen Auseinandersetzung Beckmanns mit dem Thema »Weiblichkeit und Männlichkeit«. Regelmäßige thematische Führungen sowie Seminare zur Verkostung von Champagner, dem Lieblingsgetränk Beckmanns, runden das Programm ab. Ausführliche und aktuelle Informationen und Teilnahmebedingungen unter www.hamburger-kunsthalle.de .

Die Hamburger Kunsthalle hat in enger Zusammenarbeit mit ZDFkultur eine digitale Max Beckmann-Ausstellung entstehen lassen, die noch bis zum 24. Januar 2021 in der Digitalen Kunsthalle des ZDF über https://digitalekunsthalle.zdf.de zur Verfügung steht. Die gleichnamige Schau ermöglicht einen Online-Streifzug durch Beckmanns Bilderkosmos.

MAX BECKMANN. weiblich-männlich

25. September 2020 bis 24. Januar 2021

in der Hamburger Kunsthalle

Titelbild:

MAX BECKMANN (1884–1950)
Selbstbildnis Florenz, 1907
Hamburger Kunsthalle, Dauerleihgabe Nachlass Peter und Maja Beckmann
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Elke Walford

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