Maridalen- neues Album BORTENFOR

Viel Lob von der Fachpresse erhielt das norwegische Trio für sein selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahre 2021, mit dem sich das Trio in die vorderste Reihe gespielt hat. Das MOJO Magazin führte es gar in seiner Liste „Jazz Albums of the Year“ auf.

Mit dem heute bei Jazzland Recordings erschienenen BORTENFOR legen die Norweger jetzt knapp ein Jahr später nach. Der Titel bedeutet übersetzt „jenseits oder vorbei“ im Sinne eines physischen Ortes. Er vermittelt das Gefühl, dass Maridalen das Tal, das sie zu ihrem Namen inspiriert hat, hinter sich lassen und vielleicht auch erforschen, was außerhalb der eigenen Reichweite und des eigenen Geistes liegt. Bortenfor ist darüber hinaus der Name einer Bar am Osloer Flussufer, die für ihre intime Atmosphäre und aufregenden Cocktails bekannt ist.

Mit dem warmen Klang von Kontrabass, Trompete und Holzbläsern schafft das Trio erneut seinen eigenen musikalischen Raum, der verschiedene Stimmungen einfängt und kleine Geschichten erzählt. Dabei wirken die zehn Songs zunächst wie ein rein einziges durchgängiges instrumentales stimmungsvolles Stück. Ein sanft gehauchtes Saxofon und eine lyrische Trompete verbinden sich mit einem dezent pulsierenden Kontrabass. Gelegentlich mischen sich Klaviertöne in die wogenden Texturen und eine wehmütige Pedal Steel schimmert hier und da durch.

Dabei spielen die Musiker mit großer Geschlossenheit. Kaum ein Instrument sticht jemals mit einem Solo heraus, obwohl Andreas Rødland Haga (Kontrabass), Anders Hefre (Saxofon) und Jonas Kilmork Vemøy (Trompete) gelegentlich Passagen übernehmen, in denen ihr Instrument im Vordergrund steht. Das Gleiche gilt für die Gäste Emil Brattested (Pedal Steel) und Aleksander Sjølie (Piano). Nichts lenkt vom großen harmonischen Ganzen ab. Beim Stück „Månesykkel“ interagieren  Vemøys Saxofon und Trompete im Call und Response, doch der ist absichtlich leise. Das bedeutet nicht, dass es BORTENFOR an Kraftmangele, das gesamte Album durchzieht vielmehr ein hohes perkussives, rhythmisches Durchsetzungsvermögen. Es ist eher so, dass in der Zurückhaltung, in der sich die Musiker üben, die Kraft liegt.

Nach neun Titeln endet das Album BORTENFOR mit „I Havn“, einer hymnischen Komposition mit wortlosem Gesang, bei der das Trio zu einigen überraschenden Crescendi ansetzt.  

Maridalen „Bortenfor“

Release: 25. März 2022
Label: Jazzland Recordings/Edel

Standardbild
Hans Kaltwasser
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