Maestras. Malerinnen 1500–1900

Frauen wurden in der Geschichte der Kunst systematisch übergangen, ausgeklammert oder zum Einzelfall erklärt. Die Ausstellung Maestras. Malerinnen 1500–1900 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet erstmals in einer europäischen Schau einen epochenübergreifenden Überblick über die vielfältigen Beitrage von Frauen zur Geschichte der Malerei. Sie schlägt einen Bogen von der Handschriften-Illuminatorin aus dem 12. Jahrhundert, über die aktive Barockmalerin im Atelier ihres Vaters, bis hin zu weiblichen Kunststars der Aufklärung oder bahnbrechenden Wegbereiterinnen der Moderne im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In allen Zeiten waren Frauen künstlerisch tätig, es ist die Geschichtsschreibung, die in der Ausstellung befragt wird.

Die Ausstellung gliedert sich in fünf Bereiche:

Zwischen Licht und Schatten, 1200–1800

Bereits in den Nonnenklöstern des Mittelalters arbeiteten hochspezialisiete Buchmalerinnen und Autorinnen wie Gisela von Kerssenbrock oder Hildegard von Bingen, die visionäre Bildwelten schufen, die ihresgleichen suchen. In der klassischen Kunstgeschichtsforschung wurde die Vielzahl der Nonnenmalerinnen gerne despektierlich der Volkskunst zugeordnet.

Diese Kategorisierung lässt sich nicht qualitativ begründen, da sie in nichts ihren männlichen Kollegen nachstanden. Selbstbewußt signierten sie ihre Werke und erschienen oftmals in Augenhöhe zum religiösen Geschehen ihrer Illustrationen im Porträt.

Mary (Stevenson) Cassatt, Louise, ihr Kind stillend, 1898–99
© Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Slg. Rau für UNICEF, Foto: Mick Vincenz

Vive l’Esprit – Ein Hauch von Freiheit

Die Ideen- und Karriereschmiede der Aufklärung des 18. Jahrhunderts waren die Salons, regiert von einflussreichen meist adeligen Mäzenatinnen an ihrer Spitze. In ihrem Dunstkreis machte sich – insbesondere für Frauen und Künstlerinnen – eine Kultur der Freiheit breit. Angelika Kaufmann, Élisabeth Vigée Le Brun oder deren Schülerin Marie-Victoire Lemoine agierten beruflich unabhängig und familär ungebunden auf der internationalen Bühne. Sie entwickelten sich zu umworbenen Kunstschaffenden ihrer Zeit, denen im Fall von Vigée Le Brun sogar ein Platz in der begehrten Kunstakademie sicher war.

Naturforscherinnen

Die Feinmalerei der Stillleben stellte im 17. und frühen 18. Jahrhundert ein spezielles Aufgabengebiet für jene Künstlerinnen dar, die sich naturwissenschaftlich für Flora und Fauna begeisterten wie die mittelalterlichen Nonnenmalerinnen vor ihnen. Maria Sibylla Merian erlangte durch ihre Forschungen und eindrucksvollen Naturstudien Berühmtheit und Rachel Ruysch erzielte mit ihren Blumendarstellungen höchste Preise auf dem internationalen Markt. Als erste Frau wurde sie 1701 in die Malergilde von Den Haag aufgenommen.

Von Rollen und Klischees

In Romantik, Biedermeier und Historismus sind die Freiheiten der Aufklärung vergessen, findet weibliche Kreativität lediglich enge Spielräume innerhalb traditioneller Rollenklischees. Von den Akademien verbannt, entwickeln sich junge Künstlerinnen nurmehr in privaten Kunstschulen, die ihrem Schaffen Grenzen setzen. Es sind die klassischen Aufgabenfelder meist bürgerlicher Frauen, die im Fokus von Berthe Morisot, Mary Cassatt u. a. stehen: Mutterliebe und Hausarbeit bestimmen großflächig die Leinwand.

Moderne und Avantgarde

Erst das frühe 20. Jahrhundert führt zu einer endgültigen Befreiung der Kunst aus ihren engen geschlechtsspezifischen Grenzen. Von nun an rückt die künstlerische Innovationsleistung in den Vordergrund, die weniger geschlechtlich gebunden ist, sich zugleich auch von Form, Gegenstand und Genregrenzen löst. Mit der Geschichte der Abstraktion im 20. Jahrhundert beginnt eine Neuordnung der Kunstgeschichte.

Maestras. Malerinnen 1500-1900 im arp museum Bahnhof Rolandseck
25.02.-16.06.2024

Titelbild: Giovanna Garzoni, Stillleben mit Kirschen auf einem Teller, Bohnenschoten und einer Holzbiene, 1642-51
© Gallerie degli Uffizi, Gabinetto Fotografico, Florenz

Standardbild
Ingrid
Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen. Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.
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