Macht Reichtum glücklich?

Eine Aura von Reichtum und Eleganz umgibt die reichste Frau der Welt Marianne Farrère (Isabelle Huppert). Ihre Villa, in der sie mit ihrem Ehemann lebt, ist zurückhaltend prunkvoll, es soll nicht zu sehr auffallen, dass hier Geld keine Rolle spielt. Selbst Jerome (Raphaël Personnaz), der beinahe für alles im Haus zuständig ist, strahlt eine vornehme Zurückhaltung aus und ist zu einem engen Vertrauten geworden.
Doch wer so viel Geld besitzt, hat auch sehr viel Macht, trifft Entscheidungen, die jederzeit zurückgenommen werden können. Auch wer in das Refugium der Familie Zutritt haben soll und wie weit. Als in der Villa ein Modeshooting mit Marianne bevorsteht, die das Gesicht der Luxusmarke Farrère ist, stürmt mit dem Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) ein Mann ins Haus, für den vornehme Zurückhaltung ein Fremdwort ist. Und der vorhat, einen festen Platz in Mariannes Leben einzunehmen.

Luxus, Macht und Intrigen: Die Milliardärin Marianne Farrère (Isabelle Huppert) wägt sich in vertrauensvoller Runde – Ehemann Guy (André Marcon), Fotograf und „Freund“ der Familie Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) und der Butler Jérôme Bonjean (Raphaël Personnaz).
© Neue Visionen Filmverleih

Er ist unverschämt, obszön, kennt kaum Grenzen und fühlt sich dabei als kreatives Genie, das den wahren Blick auf Marianne und ihr Wesen hat und dieses zum Vorschein bringen will. Marianne scheint auf diese Gelegenheit gewartet zu haben. Immer intensiver drängt sich Pierre-Alain in ihr Leben ein: Möbel und Interieur werden ausgetauscht und erhalten einen vulgären Touch, der mehr zum Fotografen passt, als zu Marianne und ihrer Familie.

Doch noch viel mehr fasziniert Marianne eine Seite des Lebens, die Fotograf für sie verkörpert. Ungezügeltheit und Intensität, die in den altehrwürdigen Machtstrukturen dieser Familie keinen Platz haben. Pierre-Alain instinkthaftes Verhalten, gepaart mit Boshaftigkeit fordert schließlich immer mehr von Marianne.

Das Gefühl von Freiheit: Der Fotograf Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) zeigt Marianne (Isabelle Huppert) ein ganz anderes Leben.
© Neue Visionen Filmverleih

Doch da ist auch noch eine Tochter, die mehr und mehr um ihr Erbe, die Familie und nicht zuletzt die Liebe ihrer Mutter bangt. Und ein Butler, der mehr weiß als er sagt. Über Familiengeheimnisse und fragwürdige Spenden in astronomischen Höhen. Es beginnt ein Krieg, in dem alle Mittel recht sind.

In diesem Film stehen sich zwei Seiten gegenüber und die Zuschauer*innen können ein Spiel beobachten, das von einer wahren Beziehung inspiriert wurde zwischen Liliane Bettencourts zu dem wesentlich jüngeren François-Marie Banier. Die Hauptanteilseignerin des Kosmetikkonzerns L’Oreal, galt damals als die reichste Frau der Welt.

Mit einigen satirischen Überhöhungen, die den Status des Reichtums in den westlichen Ländern in den Blick nehmen, beleuchtet der Film seine Welt und stellt ihr eine andere gegenüber. Doch am Ende müssen beide Hauptakteure in ihr je eigenes Leben zurück, das sich für sie deutlich verändert hat.

Beeindruckende Bilder und realistisch anmutende Szenerien sowie schauspielerische Höchstleistungen und nicht zuletzt die Thematik machen den Film des Regisseurs Thierry KLIFA zu einem Kinoerlebnis.

Titelbild: Die reichste Frau der Welt: Konzernerbin Marianne Farrère (Isabelle Huppert), das Gesicht der Luxusmarke Farrère. © Neue Visionen Filmverleih

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
Nicht alles, was gedruckt wird, muss gelesen, nicht jedes Album gehört werden. Was die User hier finden, gefällt mir und den Gastautoren, die ab und zu Lust haben, etwas zu schreiben.

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