Luxus und Glamour. Vom Eigensinn des Überflüssigen

Luxus – der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Verschwendung, Liederlichkeit oder ursprünglich üppige Fruchtbarkeit. Vielleicht sind die Vorstellungen von Luxus subjektiv unterschiedlich – gemeinsam ist ihnen jedoch Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen, die weit über den durchschnittlichen Lebensstandard einer Gesellschaft hinausgehen.
Wie kann eine künstlerische Perspektive diese Begriffe fassen? Antwort auf das Thema Luxus und Glamour haben Stipendiatinnen des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz 2019/20 dazu mit ihren Kunstwerken gegeben. Über mehrere Monate setzten sich die Künstlerinnen mit Fragestellungen zum Thema kritisch auseinander. Die Ergebnisse sind nun im Arp Museum Bahnhof Rolandseck präsentiert. Der Fokus liegt auf den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Mode, Schmuck und Bildender Kunst.

Was ist Luxus?

Diese Frage könnte insbesondere zur Zeit der COVID 19-Pandemie neue Akzente bekommen. Denn alltägliche Dinge und Gewohnheiten sind zur Zeit nicht ohne Weiteres auszuleben – werden sie dadurch zu einem Luxusgut? Die Arbeiten werfen Schlaglichter auch darauf.

Künstlerisches Tun — Exzess und Entzug

Bereits das künsterlische Handeln, die Herstellung, genauso wie die Wahrnehmung von Kunst kann als eine Art Luxuserfahrung charakterisiert werden. Insbesondere die Freiheit, sich während des künstlerischen Schaffens etwas vermeintlich Überflüssigem hinzugeben. Diesen Luxusmoment thematisieren die Arbeiten von Thomas Perrin und Lydia Nüüd auf unterschiedliche Weise.

Körper als Träger

Mode und Luxusgüter werden getragen – körperlich erfahren. Diese Thema wird bei Sarah Ama Duah verknüpft mit ihren Sculpture Dresses Bildhauerei und Mode in überraschender Weise miteinander. Second-Hand Kleidungsstücke überzieht sie mit Silikon, wodurch sie einen steifen und monochromen Look erhalten. Durch diesen Prozess erhalten die Kleidungsstücke einen skulpturalen Charakter. Die Arbeiten werden auf Bügeln hängend präsentiert. Die Abwesenheit des tragenden Körpers verstärkt die skulpturale Eigenständigkeit der immer noch tragbaren Kleidungsstücke.

Identität und Gender

Welchen Einfluss Mode auf die Kategorisierung von Körpern hat, beweist Anna Lucia Nissen während ihrer Performance Die Hure schlägt zurück. Sie performt in wechselnden Rollen eigens dafür geschriebene Texte, die sich mit Machtverhältnissen zwischen den
Geschlechtern auseinandersetzen.

In den Gemälden von Lukas Schmenger stehen sich die Geschlechter versöhnlich gegenüber. Experimentell entwirft der Künstler seine Kompositionen zunächst auf der Rückseite der Leinwand. Auf der Vorderseite entstehen durch einen aufwendigen Prozess so
Flächen und Linien, die an nackte Körper erinnern. Unklar bleibt, ob wir als Betrachter*innen, ähnlich eines Röntgenbildes in die Körper hineinsehen können oder, ob wir nur das Äußere betrachten. Durch die Überlagerung der Flächen und Linien wirken die

Die Ausstellung liefert ein reiches Repertoire an Themen: Müssen Mode und Schmuck tragbar sein? Was macht sie zum Luxusobjekt? Zum Kunstwerk? Und wie gleichen sich die ökonomischen Systeme der Kunst- und Modewelt? Wie ein roter Faden begleitet die Besucher*innen die Frage danach, was Luxus eigentlich ist und ob Kunst als Luxus bezeichnet werden kann.

Luxus und Glamour
Vom Eigensinn des Überflüssigen

noch bis 24. Mai 2021 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zu sehen

Stipendiat*innen des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des
Landes Rheinland-Pfalz 2019/20
Titelbild:

Watch the Gap
Judith Leinen | 2019 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

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