Ledfoot – COFFIN NAILS

Manchen Musikern bleibt einfach trotz unbestreitbaren Talents der ganze große Durchbruch versagt. Der US-amerikanische Gitarrist Ledfoot ist so einer. Eigentlich heißt er Tim Scott McConnell und wurde 1958 in ärmlichen Verhältnissen in Florida geboren. Im Alter von 15 Jahren begann er in den örtlichen Bars und Clubs zu spielen. Zwei Jahre später zog es ihn nach New York, wo er sich unterschiedlichen Bands anschloss und jahrelang weltweit auf Tournee war. Er spielte im Vorprogramm von Bob Dylan, Chris Isaak und Tina Turner, war bei verschiedenen Labeln unter Vertrag. Mit dem von ihm geschriebenen Song „High Hopes“ landete Bruce Springsteen einen großen Hit. Für Ledfoot, der seit Jahren als Solist unterwegs ist, blieb der große kommerzielle Erfolg hingegen aus.

COFFIN NAILS heißt das neue Studioalbum des US-Amerikaners, das seit dem 9.12.2022 erhältlich ist. Es ist sein Sechstes und enthält zehn starke, düstere Songs, die in nur zwei Tagen analog direkt auf Band aufgenommen und ohne zusätzliche Edits abgemischt wurden. Die Arrangements sind denkbar minimalistisch. Eine zwölfsaitige, mit schweren Saiten bespannte, meist mit offener Moll-Stimmung gespielte Gitarre, Messing-Slide, stählerne Finger-Picks, eine Stomp-Box, mit der der Musiker zusätzliche Rhythmen erzeugt, und eine ausdrucksstarke, manchmal an Bob Dylan, manchmal an Johnny Cash erinnernde Stimme. Mehr brauchte Ledfoot nicht, um dieses großartige Album zu erschaffen.

In den Texten geht es vielfach, aber nicht ausschließlich um Themen, die für den Blues typisch sind. Um Entfremdung, um das ständige Unterwegssein und um die Bekenntnisse ewiger Verlierer, die sich verzweifelt gegen die unerbittliche Tretmühle ihres trostlosen Daseins auflehnen.

„Perdition“ ist eine düstere Mörderballade, in der das lyrische Ich ohne Reue Rechenschaft über sein sündiges Leben ablegt. Der titelgebende Song „Coffin Nails“ zelebriert einen unbändigen Freiheitswillen, der sich durch nichts und niemanden bändigen lässt. Im Song „I’ve Never Been“ versucht der für seine Missetaten verdammte Protagonist vergeblich, dem Teufel eine kurze Gnadenfrist abzuhandeln. “House Of Restitution“ ist eine eindringliche Mahnung, dass man für alles, was man im Leben tut, einmal bezahlen muss.

Andere Akzente setzen dagegen Songs wie „Better than Bad“, der mit einem Augenzwinkern zur Selbstliebe und -akzeptanz“ aufruft. Oder „The Day I Died“, der sich über Heuchelei und falsche Trauer bei der Beerdigung lustig macht. „Escape“ dagegen warnt vor den allgegenwärtigen Gefahren der sozialen Netzwerke, in denen es nur Scheinfreundschaften und Surrogat-Befriedigung gibt. Und der Track „How I End My Day“, der nicht frei von Selbstironie um den vergeblichen Kampf gegen schlechte Gewohnheiten kreist.

Mit seinem Album COFFIN NAILS ist Ledfoot erneut ein überzeugender, authentischer Mix aus Rock, Gothic Blues und Folk gelungen.

Standardbild
Hans Kaltwasser
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