Lange schlafen am Sonntag, frühstücken im Bett und anschließend noch weiter chillen, am liebsten mit einem Buch. Manchmal gelingt das auch an einem Freitag oder Samstag. Entscheidend ist: Wir haben die Zeit! Die Herausgeberin Alba Sperino versammelt in ihrem Erzählband „Lange schlafen – Endlich Wochenende“ wunderschöne und zeitlose Erzählungen von 24 renommierten Autor*innen.
Angefangen mit dem Beitrag der Publizistin Theresa Brücker, die eloquent die fundamentale Bedeutung freier und selbstbestimmter Zeit für unser Wohlbefinden, die persönliche Entwicklung und den gesellschaftlichen Wandel ins Rampenlicht rückt und uns daran erinnert, dass wir wahrhaftig erblühen, wenn wir unser Menschenrecht aus Artikel 24 der Menschenrechte endlich selbstbewusst wahrnehmen.
Das Schlafen lobt Michel de Montaigne als die süßeste Erfahrung, wenn man nachts acht bis neun Stunden in den Armen des Morpheus schwelgt. Träume sind seltene Phänomene, die jedoch häufig angenehm und von reichhaltiger Fantasie geprägt sind. Der Text ist zwar ein paar hundert Jahre alt, aber trotzdem überraschend frisch – und die Art, wie erzählt wird, ist alles andere als verstaubt. Montaigne denkt über die Bedeutung des Schlafs nach. Er ist wichtig für die Erholung der Seele, denn sie träumt dabei auf verschiedene Weisen.
Bei Ovid und seiner Erzählung „Metamorphosen“ sind Keÿx und Alkyone untrennbar verbunden, trotz des Schicksals, das sie trennt. Der Sturm und das Schiffbruchunglück führen zum Tod von Keÿx, während Alkyone im Schlaf verzweifelt nach ihm sucht. Die Götter, insbesondere Juno und Iris, versuchen, das Schicksal durch Träume und Illusionen zu beeinflussen. Die Liebe der beiden währt ewig, symbolisiert durch ihre Verwandlung in Vögel, die sich weiterhin paaren. Die Geschichte zeigt die Macht der Liebe.
Und ich liebe sie doch – gemeint ist die Stadt Zürich, in der die Autorin Nina Kunz lebt. Die Stadt ist geprägt von Wohlstand, Ordnung und einer hohen Infrastruktur, ihren Banken, teurer Mode und einem hohen Lebensstandard. Im Frühling strahlt die Haut der Menschen schon sommerlichen Glow aus, doch Kunz hält sie für spießig und oberflächlich. Dennoch liebt die Autorin die Stadt Zürich und ihre kleinen und großen Schönheiten – das glitzernde Wasser, die beeindruckende Aussicht, ihr farbenfrohes Kulturangebot und den hohen Sozialstandard.
Virginia Woolf lässt ihre Protagonistin in ihrer poetischen Erzählung „Ein Jahr“ einen freien Tag verbringen, der völlig ohne Verpflichtung in eine wohlige und hingebungsvolle Betrachtung des Ortes, der Natur, des Flusses, der rasch und ungestüm dahinfließt, mündet. Erinnerung und Fantasien werden wach, und am Ende gelangt sie zu einem wahren Glückszustand.
Elke Heidenreich erzählt vom Sonntagskleid. Früher gab es dieses spezielle Kleidungsstück, das man extra nur für diesen besonderen Tag aus dem Schrank holte. Und nicht nur es spielte damals eine wichtige Rolle im Familienleben, denn das teichliche Mittagessen und die kleinen Rituale hoben Sonntag von den Wochentagen heraus. Der gesellschaftliche Wandel hat den Sonntag fast zu einem ganz normalen Tag gemacht. Sonntagskleid Ade!
SONNTAGSMORGEN, IM BETT das Gedicht von Tucholsky und sein Erwachen an einem Sonntag – “ Was – was ist? Ach so. Heute ist Sonntag.“ Da kann ich noch liegen….
Mit einem bunten Mix von Autor*innen und ihren 24 fesselnden und schönen Geschichten, perfekt zum Kuscheln im Bett, wünschen wir ein wunderbares Wochenende.







