Es ist nicht nur die weite Entfernung, die Miles und Kate mit ihren beiden Kindern im Roman „Landleute“ von Daniel Mason zurücklegen, die sich quer durch die USA – von Kalifornien nach Vermont zieht. Eine lange Reise, die die Familie wegen ihres Hundes Guiseppe nicht mit dem Flugzeug zurücklegen möchte.
Mehr noch als alles andere unterscheiden sich die beiden Bundesstaaten der USA erheblich voneinander. Der Green Mountain State, wie er wegen seines Gebirges auch genannt wird, ist der sechskleinste Bundesstaat der USA und für ein Leben auf dem Land perfekt geeignet. Genau das, wovon Miles träumt, der nach vierzehn Jahren immer noch nicht seine Dissertation abgeschlossen hat. Hier hofft er, mit einem bukolischen Abstecher sie nun endlich fertigstellen zu können.
Seine Frau Kate ist hingegen in einer sehr viel besseren Position, da sie wegen ihrer Gastprofessur hier gelandet ist. Ihre Seminare über John Milton und William Blake fanden bereits in Kalifornien großes Interesse. Das Haus eines Professors können sie für ein Jahr kostenlos nutzen, und allenfalls der Hund könnte, falls er sich daneben benimmt, der Möblierung Schaden zufügen.
Doch zunächst ist es die Natur Vermonts, die die gesamte Familie verzaubert. Wie magisch und geradezu mythisch erscheinen Bäche, Bäume, die im tiefsten Grün glänzen. Wie ein Versprechen, das sich auch auf das Leben auswirken wird, das sie von nun an hier beginnen werden. Und der erste Ausflug durch den nahegelegenen Wald sagt ihnen, während immerzu Vögel singen, noch einmal mehr, dass sie die richtige Wahl getroffen haben.
Die Familie ist glücklich, und Miles ist es auch, der anders als seine beschäftigte Frau jedoch zunächst kaum Menschen kennenlernt. Reibungslos gelingt dagegen auch den Kindern, in der Schule Freunde zu finden.
Als Miles den Biochemiker Andrei kennenlernt und ihn auf dessen Apfelfarm besucht, erfährt er, dass auch Andrei einst eine akademische Karriere angestrebt hat. Enttäuscht von seinem Misserfolg geht er jetzt ganz in seiner Apfelzucht auf, von der er allerdings nicht weiß, dass sie erst mithilfe von Chemie so richtig aufgeblüht ist. Seine Frau konnte die zweite Enttäuschung ihres Mannes nicht ertragen. Als er für einige Tage verreiste, beauftragte sie rasch einen professionellen Züchter, der mit seinen Mitteln Wunder vollbrachte. Und der nichtsahnende Andrei war endlich glücklicher.
Miles lernt Skilanglauf und das Sensenmähen, doch vor allem ist er weiter auf der Suche nach Inspiration. Und trifft auf den Nachkommen des berühmten Schneeflockenfotografen Wilson Bentley. Doch dieser Bentley ist fasziniert vom menschlichen Irrglauben, Verschwörungstheorien und skurrilen Glaubenssätzen, die er minutiös auf Karteikarten festhält.
Schließlich wird Miles Mitglied einer Gruppe verschrobener Einheimischer, die an die Existenz einer inneren Erde glaubt. Der Zugang dazu ist eine Höhle, deren Existenz gesichert ist, nur nicht, wohin sie tatsächlich hinführt. Miles verarbeitet diese abenteuerlichen Annahmen in seinen Gute-Nacht-Geschichten für seine Kinder. Das hat fatale Folgen.
Dem amerikanischen Bestsellerautor Daniel Mason gelingt es in seinem Roman „Landleute“, mit Leichtigkeit und sehr viel Humor die Vorstellungen, Leichtgläubigkeit und Scheuklappen akademischer Großstädter zu entlarven; verknüpft Literarisches mit Alltäglichem, lässt Krankheitsbilder bei den Landsleuten und farbintensive künstliche Lebensmittel in deren Tankstellen und nicht zuletzt die erstaunlich intakte Natur vor den Augen der Leser*innen lebendig werden.
„Landleute“ ist eine amüsante und tiefgründige Story, die uns mit feinem Witz und großer Erzählkunst liebevoll ein Stück amerikanischen Landlebens und seine Menschen näherbringt. Unbedingt lesenswert!
Landleute – Roman von Daniel Mason
978-3-406-85120-9
Erscheint am 24. September 2026
349 S., mit 3 Abbildungen
Verlag: C.H.Beck







