Krajenski. B-3 Vol.1

Kenner wissen natürlich auf Anhieb, was sich hinter dem kryptischen Titel des soeben erschienenen neuen Albums des deutschen Jazzmusikers Lutz Krajenski verbirgt: Die nach dem US-Ingenieur und Geschäftsmann Laurence Hammond benannte Orgel der Baureihe B3. Sie hat 91 Metallzahnräder, 122 Tasten, 32 Fußpedale und verfügt über 253 mithilfe eines Elektromotors erzeugten Klangmöglichkeiten. Ihr Konstrukteur war dabei dem Vernehmen nach gänzlich unmusikalisch und traf nur selten den richtigen Ton. Im Gegensatz zu den unzähligen Jazz-, Blues- und Soulmusikern, die den vibrierenden, kochenden, unten blubbernden, oben schrillen Sound des Instruments zum unverzichtbaren Markenzeichen ihrer Musik machten. Keith Emerson, Rick Wakeman und Mathew Fisher gehören im Bereich der Rockmusik dazu wie Jimmy Smith, Groove Holmes und Jack McDuff im Jazz.

Und Lutz Krajenski. Als „Mann hinter den Kulissen“ war der viel beschäftigte Hannoveraner bereits für Till Brönner, Randy Crawford und Udo Jürgens und anderen tätig. Mit Tom Jones ging er auf Tournee. Im Oktober vergangenen Jahres kümmerte er sich erstmals ganz um sich und brachte sein Debüt-Soloalbum „Orbit“ heraus. Jetzt legt er mit seinem neuen Album B-3 VOL. 1 nach, für das er zwei exzellente musikalische Mitstreiter gewinnen konnte, die beide zu der Crème de la Crème der deutschen Jazzmusiker zählen: Den Berliner Saxofonisten Ben Kraef, der mehrere internationale Preise und Auszeichnungen erhalten hat und mit Größen wie Lalo Schiffrin, Archie Shepp, Phil Woods und John Abercrombie zusammengearbeitet hat. Und den Schlagzeuger Peter Gall, der mit Koryphäen wie Thomas Quasthoff, Nils Landgren, Max Herre, Dieter Ilg und anderen auf der Bühne stand.

Mit acht stark groovenden Eigenkompositionen führt das Trio die Tradition der klassischen Hammond-Band, die in den 1960er-Jahren vor allem mit Jimmy Smith ihre Blüte erlebte, selbstbewusst in die Neuzeit. Herrlich, wie sich Krajenski und Kraef die Bälle wechselseitig zuspielen. In Stücken wie „You Made My Day“ beginnt Kraefs Tenor dezent von Krajenskis Hammond begleitet mit satten, aber sanften Tönen, dudelt sich frei und schraubt sich dann zu ungeahnten Höhen empor, bevor Krajensiks Hammond mit glutvoll schwelenden, dann wieder unerwartet ekstatisch fauchenden, hochexpressiven Tönen übernimmt. Zusammen mit Galls fließendem, wirbelnden Schlagzeugspiel entsteht so ein dichter, kraftvoller Sound. 

KRAJENSKI. B-3 VOL.1 ist eine wunderbare, süchtig machende Ménage-à-trois, die man sich nicht leid hören kann.

Standardbild
Hans Kaltwasser
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