Seit Jahren gelten GoGo Penguin als einer der faszinierendsten Acts an der Schnittstelle von Jazz, elektronischer Musik und Minimalismus. Am 18. April 2026 gaben sie ein beeindruckendes Konzert im Düsseldorfer ZAKK. Doch bevor die Band loslegt, gehört die Bühne in der ausverkauften Halle zunächst dem Sänger und Gitarristen Daudi Matisko, der den Abend mit einem berührenden Set eröffnet. Seine Songs sind moderner Folk, geprägt von kunstvollem Fingerpicking und schlichter Ehrlichkeit. Die zarten Gitarrenklänge und der emotionale Gesang ziehen das Publikum in den Bann, das dem ugandisch-britischem Musiker mit langem Applaus dankt. Ein ruhiger Kontrapunkt vor dem musikalischen Sturm, der folgt.
Dann betreten in rotem Scheinwerferlicht und waberndem Nebel gehüllt GOGO Penguin die Bühne des ZAKK, das bereits vor Vorfreude vibriert. Die drei Musiker machen einen sympathischen Eindruck. Trotz ihres großen kommerziellen Erfolgs in den vergangenen Jahren, der sich auch an einer halben Millionen monatliche Spotify-Abonnenten ausdrückt – sind die „Mancunians“ auf dem Boden geblieben sind. Pianist und Keyboarder Chris Illingworth richtet mit ein paar letzten Handgriffen seine Instrumente ein. Neben dem hünenhaften, kräftigen Nick Blacka wirkt dessen riesiger Kontrabass schon fast klein. Jon Scott, der erst seit Ende 2021 der Band angehört, nimmt am Schlagzeug Platz, tippt die Becken kurz an, prüft mit ein paar Kicks auf dem Drum-Schlägel seine Basstrommel.
Mit „Umbra“ eröffnet die Band den ein gutes Dutzend plus Zugaben umfassenden Set, der zum größten Teil Stücke aus ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Album „Necessary Visions“ umfasst. Nick Blackas Kontrabass entfaltet hier einen kinetischen Puls, als wolle er den ganz Saal in eine kraftvolle, kollektive Atemübung versetzen. Chris Illingworths Klavier setzt mit derselben rhythmischen Spannung ein, glasklar und kantig, während Jon Scotts Schlagzeug mathematisch präzise und federleicht die Struktur hält. Das folgende „Fallowfields“ ist eine Hommage an ihre Heimatstadt Manchester. Der Song hat unverkennbare Wurzeln in Dance-Rave-Rhythmen: druckvoll, hypnotisch und gleichzeitig melancholisch, mit knackigen, synkopisch geschlagenen Drums und vielschichtigen Texturen.
Auch die folgenden Stücke stammen aus dem Album „Necessary Visons“, wie zum Beispiel das „Naga Ghost“, das seinen Titel einer Chilischote verdankt, deren Schärfe immer weiter zunimmt. Gibt es eine treffendere Metapher für die herrlichen Arpeggios und unruhigen Rhythmen des Songs, der spontan seine Schwingungen auf die begeisterte Menge überträgt?
Neben seinen wenigen, wortkargen Ansagen macht Nick Blacka vor dem Stück „What We Are and What We Are Meant To“ dann doch einen trockenen Scherz, der das Publikum zum Lachen bringt: „Wenn ihr meint, dass wir so aussehen, als würden wir uns wirklich konzentrieren, dann liegt das daran, dass wir das tatsächlich tun“. Der mit schimmernden Synthie-Klängen und raffinierten elektronischen Elementen angereicherte Song ist ein früher Höhepunkt eines großartigen Konzertabends. Eine tolle Soft-Loud-Konstruktion, die mit wechselnden Stimmungen und Jazz-Dubstep-Crossovers besticht.
Blackas abgrundtiefer Bass verleiht dem Song zusätzlich Wärme und Tiefe. Dazu ein eindringliches Piano-Ostinato, das deutlich macht, warum Chris Illingworth ein hervorragender Pianist und Komponist ist. Sein feines melodisches Gespür gepaart mit rhythmischer Leichtigkeit sind ein wesentlicher Grund dafür, dass sich so viele dieser Stücke ins Gedächtnis einprägen.
Stücke wie „Smarra“, „Branches Break“ und „All Res“, die die Band zwischen ihre aktuellen Nummern einflechtet, stammen dagegen allesamt von älteren Alben. An ihrer Darbietung wird auch deutlich, wie sehr sich das Trio weiterentwickelt hat. GoGo Penguin sind deutlich experimentierfreudiger geworden. Modulare Synthesizer, Moog Grandmother und E-Bass spielen eine größere Rolle als zuvor. Aktuelle Songs wie „Bardo“ oder „The Turn Within“ haben vielleicht nicht die Schockwirkung, die ein Album wie „v2.0“ vor Jahren entfaltete. Sie zeigen jedoch eine Band, die selbstbewusster und souverän geworden ist und mutig ihren Sound kompromisslos weiterentwickelt, ohne sich dabei zu verlieren. Das Düsseldorfer Publikum hat dies wohl gespürt und mit nicht enden wollendem Beifall eine Band gefeiert, die Jazz auf höchster Genussstufe präsentierte.
Foto Credit Mark Gregson







