„Kirchen als Vierte Orte – Perspektiven des Wandels“

Neue Nutzungen für leerstehende Kirchen – das zeigt die Ausstellung „Kirchen als Vierte Orte – Perspektiven des Wandels“, die das Museum der Baukultur NRW am Sonntag, 9. November 2025, in der Berger Kirche in Düsseldorf eröffnet hat.

Die Ausstellung ist dort bis zum 13. Dezember zu sehen und präsentiert, wie diese Kirchen in Nordrhein-Westfalen ein Familienzentrum, ein Dojo oder sogar ein Fahrradgeschäft werden können. Welche Aufgaben ergeben sich daraus für Architektinnen und Architekten? Welche Rolle spielen Kirchengebäude für die Stadtentwicklung und wie lässt sich ein Dialog zwischen Trägern, Kommunen und Initiativen über die Transformation gestalten?

In der Ausstellung illustriert das Museum der Baukultur NRW mit 20 Video-Interviews die Bandbreite, Vielfältigkeit und Komplexität der an den Umnutzungsprozessen beteiligten Personen sowie ihre Haltungen. Wie geht ein Architekt den Umbau an, was denkt ein Gemeindemitglied bei der letzten Messe, wie begleitet eine Pfarrerin die Umnutzung, wo setzt ein Immobilienentwickler an? Dabei geht es auch um Dialog, Zusammenarbeit und Kompromissfindung. 

„Die Ausstellung überführt diese Stimmenvielfalt in eine räumliche Erfahrung: Besucher*innen begegnen den Protagonist*innen unmittelbar im Kirchenraum“, sagt Kurator Felix Hemmers von Baukultur NRW. „Denn Transformationsprozesse von Kirchengebäuden sind immer komplex, emotional und von der Mitwirkung vieler Akteursgruppen geprägt. Ob es gelingt, eine neue Nutzung in den Gebäuden zu etablieren, hängt entscheidend davon ab, wie gut die unterschiedlichen Perspektiven zu einer gemeinsamen Vision vereint werden können.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind umgenutzte Kirchen aus NRW: Vorgestellt werden 27 Projekte, zum Beispiel die Kirche Christus-König in Düsseldorf (Familienzentrum), die Dreifaltigkeitskirche in Köln (Aikido-Dojo) oder St. Rochus in Jülich (Fahrradgeschäft). Damit wird die große inhaltliche und architektonische Breite der neuen Nutzungen sichtbar.

Ort der Baukultur: die Berger Kirche in Düsseldorf

Der Ausstellungsort, die Berger Kirche, ist ein wichtiges Düsseldorfer Baudenkmal. 1687 als erste lutherische Kirche der Stadt geweiht, wurde sie im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und in den 1960er Jahren wieder aufgebaut. Die heutige Innenausstattung stammt von Tobias Rehberger. Auf dem Außengelände erinnert ein Trauerort an verstorbene Flüchtlinge und Zuwanderer*innen. Die Kirche wird nicht mehr gottesdienstlich genutzt und dient Kulturveranstaltungen und Begegnungen. 

3.000 Kirchen fallen aus der Nutzung

In den kommenden Jahrzehnten werden 30 bis 50 Prozent der Kirchengebäude in Deutschland leer stehen. In NRW betrifft das bis zu 3.000 der rund 6.000 Kirchen. Sind diesem Trend die kirchlichen Institutionen bis vor wenigen Jahren nicht oder kaum begegnet, erhöht sich nun der Handlungsdruck zum Umgang mit dem Bestand deutlich.

Als „Vierte Orte“ – Orte, die über soziale Treffpunkte hinaus gemeinschaftliche, kontemplative und kulturelle Räume eröffnen – besitzen Kirchen jedoch ein einzigartiges baukulturelles und gesellschaftliches Potenzial. Felix Hemmers: „Kirchen als Vierte Orte“ möchte Diskussionen anstoßen, wie lokale Kirchen künftig genutzt werden können. Ziel ist es, die Türen dieser Räume wieder zu öffnen und Menschen vor Ort miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders in solchen Experimentierphasen entstehen oft kreative Ideen und tragfähige Konzepte.“

Begleitprogramm: Kirchentransformation – ein Auftrag für Architekt*innen

Thematisch ergänzt wird die Ausstellung durch die Veranstaltung „Kirchentransformation – Architekturaufgabe und Stadtentwicklungsmoment“ am Dienstag, 11. November 2025, um 18 Uhr in der Berger Kirche.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Baukultur NRW und der Architektenkammer NRW. Eröffnet wird sie mit einem Impuls von Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW; Kurator Felix Hemmers führt in die Ausstellung ein. Auf dem Podium diskutieren Ernst Uhing, Heinrich Fucks, Vertreter des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf; Katja Mehring, Architektin BDA, bolzen + mehring architekten, Mönchengladbach; Thomas Georg Schaplik, Prodekan Peter Behrens School of Arts, Düsseldorf; und Brigitte Brühn, Pfarrerin, Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf-Mitte. Moderiert wird das Gespräch von Felix Hemmers.

Außerdem finden zwei öffentliche Führungen mit Kurator Felix Hemmers statt: am Samstag, 15. November, und am Samstag, 13. Dezember, jeweils um 12 Uhr.
 

Kirchen als Vierte Orte – Perspektiven des Wandels

Laufzeit: 9.11. bis 13.12.2025

Ausstellungsort: Berger Kirche, Berger Straße 18 (Hofeingang), 40213 Düsseldorf

Öffnungszeiten: dienstags 12 bis 17.30 Uhr, samstags 11 bis 15 Uhr; Eintritt frei

Führungen: Samstag, 15.11.2025, 12 Uhr, und Samstag, 13.12.2025, 12 Uhr

Foto: Claudia Dreyße

Ingrid
Ingrid

Kunst und Kultur, Musik und Bücher, ohne sie ist ein Leben denkbar, aber für mich sinnlos. Darum habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Es macht viel Spaß, ihn zu gestalten - ich hoffe, den Usern, ihn zu lesen.
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