Katie Melua: CALL OFF THE SEARCH (20th ANNIVERSARY ALBUM)

So oft passiert das nicht im Musikgeschäft, dass eine 19-Jährige mit ihrem Debüt die internationalen Charts stürmt und dafür sechs Mal Platin erhält. Die britische Sängerin Katie Melua schaffte das mit ihrem Album CALL OFF THE SEARCH, das vor 20 Jahren erschien. Pünktlich zum Jubiläum ist das Album jetzt auch als prächtige Anniversary Deluxe Edition erhältlich.

Entdeckt wurde Melua von dem Komponisten und Musikproduzenten Mike Batt, kurz nachdem sie ihr Studium an der Brit School for Performing Arts mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Nicht alle freuten sich indessen mit ihr über den großen Erfolg ihres Debüts. Manche Kritiker sahen in ihr eine Kopie der US-Musikerin Norah Jones, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung außerordentlich populär war. Tatsächlich sind Ähnlichkeiten beim flüchtigen Hinhören und Hingucken nicht zu übersehen. Die schläfrigen, sentimentalen Torch Songs, der nachdenkliche Gesichtsausdruck, das lockige, schokoladenbraune Haar, die zierliche Figur. Gleichwohl war Katie Meluas CALL OFF THE SEARCH kein billiger musikalischer Klon ihrer US-Kollegin.

Schon der erste Ton der Britin mit georgischen Wurzeln zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre zarte, berührende Stimme, die über der Musik schwebt, teils Croon, teils erfahrener Profi, ihre Phrasierung gedrosselt-dramatisch, dabei frisch und frühreif. Das setzte Maßstäbe und ging weit über das hinaus, was man von einer Debütantin erwarten konnte.

Schelte gab es auch von manchen Kolleginnen, allen voran Amy Winehouse, die bemängelte, dass Meluas Erfolg einzig allein ihrem Manager und Produzenten Mike Batt geschuldet sei. Sei’s drum. CALL OFF THE SEARCH legte den Grundstein für eine außerordentliche, zwei Jahrzehnte umspannende Karriere. Mit insgesamt 56 Platinauszeichnungen ist sie heute eine der erfolgreichsten MusikerInnen Großbritanniens.

Musikalisch bewegte sich das Album zwischen softem Bar Jazz, Blues und Folk mit einem Hauch von Klassik. Produzent Mike Batt setzte bei einigen Titeln die Musiker des Irish Film Orchestra ein. Der Löwenanteil der Stücke stammte aus seiner Feder, Songs mit erstklassigen Arrangements wie das „Blame it on the Moon“, die Würze und Dramatik haben und die eigenen Interpretationen Meluas wirkungsvoll zur Geltung bringen. Das abgedroschene „My Aphrodisiac is You“ klingt dagegen eher nach jemandem, der noch keine Erfahrung mit Sex hat. Verglichen mit Jeff Buckleys gequälter Version des vielfach gecoverten Stücks „Lilac Wine“ ist Meluas Interpretation ein eleganter, fruchtiger angenehm weicher Merlot.

Nur zwei eigene Titel steuerte Melua zu ihrem Album bei, die freilich bereits das große Potenzial einer talentierten Songwriterin erkennen lassen, aber auch andeuten, dass ihre wahre Berufung eher im Folk und Pop als in der Jazzmusik liegt: „Belfast (Penguin and Cats)“ handelt von dem bewaffneten Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in der nordirischen Stadt; der Song „Faraway Voice“ ist ein wunderschönes Lamento für die viel zu früh verstorbene US-Sängerin Eva Cassidy.

Auch zwanzig Jahre nach ihrem ersten Erscheinen hat das Album CALL OFF THE SEARCH nichts von seinem Zauber verloren. Die neue remasterte Version klingt noch einen Tick besser als das ohnehin gute Original.   

Das Album ist auf Vinyl und als Standard- oder Deluxe-CD erhältlich und umfasst B-Seiten sowie bisher unveröffentlichte Demoaufnahmen. Label: BMG Rights Managements / Vertrieb: ada / Warner  

Standardbild
Hans Kaltwasser
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